Freitag, 4. Mai 2018
Mitmach-Dialog für c. fabry
So, meine werte Schreibkollegin, Frau @c.fabry: Hier ist das Mitmach-Projekt "Dialogeschreiben just for fun"!


Setting: Ein erstes (und letztes?) Treffen der fitten Senioren (die ca. `68 in Blüte standen) Hedwig und Heinz, beim Tanznachmittag im Seniorenheim "Waldesruh".
Ich habe mal die Hedwig übernommen - wo die Auslassungspunkte "..." sind, könntest Du Heinz zu Wort kommen lassen. Wenn`s uns Spass macht, spinnen wir weiter dran, wenn nicht: War`s den Versuch wert!;)








Last Date



„Hallo, ich bin die Hedwig – und du bist also der Heinz?! Leider hab` ich meine Gleitsichtbrille vergessen, das wird also hier quasi eine Blindverkostung …“

„Hach, was bin ich aufgeregt: Erste Treffen mit möglichen Liebhabern waren früher schon dermaßen frustrierend, demütigend und beschämend: Schweißnasse Hände, hormonelle Aufruhr und ein lahmgelegtes Sprachzentrum. Was soll man erst zu letzten Dates sagen, nä, Heinz?“

Ich schlage vor, wir machen erstmal Konversation – über unverfängliche Themen. Weltfrieden oder so was … ähm, ja: Ich mache mir gerade große Sorgen. Über den ansteigenden Meeresspiegel. Ich werde die Erste sein, die absäuft: Ich bin nur ein Meter und fünfundfünfzig …“

"Oder lass uns über Hobbys reden, das geht immer: Eines meiner Talente sind ironische Kommentare. Nach dem Sex. Ich bin berühmt für meinen Sarkasmus …
Falls du ein emotionaler Analphabet sein solltest, werde ich für dich kleine Scharaden veranstalten: zum Beispiel Emojies darstellen - damit du raten kannst, wie ich mich gerade fühle."

"Ein anderes Hobby von mir ist fotografieren. Ich mach` auch gerne Selfies … an außergewöhnlichen Orten: Auf dem Gynäkologen-Stuhl oder im O.P., vor meiner ersten Darmspiegelung … soll ich dir mal eines zeigen? Guck hier, das bin ich mit meiner Tante – an ihrem offenen Grab …Ich fotografiere auch gerne Essen. Mein letztes Menue-Foto hab` ich gestern Nacht um halb zwei bei facebook reingestellt: Ein halbverdautes Dönerscharfundmitalles, ein Mousse Eau Chocolat und zehn Bier … an Bordsteinkante. Und was machst du so in deiner Freizeit?“

"Ich war nur vier Mal verheiratet. Mehr habe ich beim besten Willen nicht geschafft. Ich war eine Männermacherin. Nachdem ich die ungelenken Jungs unter meine Fittiche genommen hatte, waren sie einigermaßen vorzeigbar: Neue Frisur, neues Outfit … und vor allem: Neue Unterwäsche. Meine Ex-Ehemänner waren ganz okay: Kein Unwürden Don Promillo darunter und auch kein Honk aber eben auch kein Mr. Right … und du, warste auch mal verheiratet, Heinz?“

„Gesundheitlich geht `s mir gut: Ich feiere jeden Tag, an dem mir nichts wehtut, mit `ner Valium. Damit es mir am nächsten Tag wieder so richtig mies geht. Mein Arzt hat beim letzten Gesundheits-Check gemeint, ich bräuchte jetzt wohl mal Cholesterin-Senker. Ich hab` ihm gesagt, ich schlucke alles, was er mir verordnet – wenn sich die Medikamente mit Alkohol vertragen und ich`n Joint dabei rauchen kann …“

„Worüber soll ich noch reden? Ich bin nicht reich genug, um tolle Reisen zu machen und nicht arm genug um über die Abenteuer berichten zu können, die man erlebt, wenn man sein Essen aus dem Container am Supermarkt fischen muss …“

„Was soll ich sagen, ich bin gerade etwas nervös: Ich will charmant rüberkommen – aber auch so kratzbürstig, dass ich Poser, Macker und Meuchler abschrecke. Das letzte Mal, als ich versucht habe, „nett“ zu Männern zu sein, war ich nicht sehr erfolgreich: Die haben mir trotzdem den Kredit nicht bewilligt …“

„Klar können wir eng tanzen. Ich muss sowieso mal aufstehen, meine linke Pobacke wird langsam taub ...“

„Ich finde es ganz in Ordnung, dass du eine Glatze und Bauchansatz hast. Wenn du mich erst in meiner Form- und Stützunterwäsche gesehen hast, weißte, woher meine radikale Akzeptanz kommt, hö, hö ...“

„Nö, auf junge Männer stehe ich nicht mehr: Warum sollte eine reife Frau noch mal mit einem testosterongeschwängerten Jüngelchen ganz von vorne anfangen – wenn sie einen, von diversen Vorgängerinnen bereits ordentlich domestizierten Gefährten haben kann, bei dem eine nachgewiesene, langjährige Beziehungserfahrung und emotionale wie intellektuelle Intelligenz vorauszusetzen ist.“

„Was ich von der wahren Liebe halte? Ich will um meiner selbst willen geliebt werden. Und nicht, weil ich dieselbe Blutgruppe habe wie du oder dir eines Tages ein Organ spenden könnte.
Ist nicht so einfach, seinen Single-Status aufzugeben: Es hat schließlich Jahre gebraucht, bis man eine passgerechte Mulde in sein Sofa eingesessen hat, nä Heinz?“

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Freitag, 30. März 2018
Patati, patata
`allo?



"Bist du es, Angelique?"

"…"

"Sag doch was!"

"Was willst du?"

"Ich rufe an, weil ich dich wiedersehen muss, mon amour!"

"Und wozu?"

"Du willst mich nicht wiedersehen? Aber wenn ich mit dir zusammen bin, wenn ich an dich denke, wird mein Leben schöner ...Trotz meiner Probleme lache ich, sobald ich deinen Pupillen begegne, mon ceur ..."

"Leg` auf!"

"Warum? Dein Lächeln gibt mir das Glück zurück, dein Blick ist so süß, er lässt mein Herz schneller schlagen, mon tresor …"

"Trink` eine Flasche Pastis!"

"Bist du böse auf mich, mon chèrie?"

"Warum sollte ich böse auf dich sein, Idiot?"

"Ich vermisse dich. In deinen Augen verliere ich mich. Und ich entdecke mich. Deine Worte in unserer Liebesnacht überfluten mich endlos …"

"Hör` auf zu jammern, ich hab` Besuch."

"Du hast Besuch? Und das sagst du mir erst jetzt? Ist es ein Mann? Los, sag` mir, das du einen Liebhaber in deiner Wohnung hast, du kleine Schlampe!"

"Mach` gefälligst nicht so ein Theater, du Schuft! Ich kann zu Besuch haben, wen ich will, es ist meine Wohnung. Wenn auch nicht ganz ... eigentlich die meiner Mutter ..."

"Habt ihr gefickt? Hat er dich gefickt?"

"Was geht dich das an? Ja, er hat mich gefickt. Ziemlich gut sogar. Jedenfalls besser als du."

"Oh, mon dieu! Du machst mich fertig, Angelique! Und was ist mit unserer Liebe, die auf dem Champs Elise begann?"

"Was soll damit sein?"

"Du hast mir geschworen, für immer bei mir zu bleiben: Wenn man liebt, hat man Lust es von den Dächern zu schreien. Zu singen, zu tanzen, manchmal zu weinen … und jetzt leckst du seine Eier. Leckst du sie? Bestimmt leckst du sie ..."

"Patati, patata: Man redet viel, wenn der Abend lang ist … außerdem war ich betrunken. Ich bin ein böses Mädchen. Ich habe schmutzige Phantasien ..."

"Du brichst mir das Herz, Angelique."

"Das muss ich auch."

"Warum?"

"Weil wir einen grottenschlechten Dialog in einem dieser stinklangweiligen französischen Filme führen, die auf arte gezeigt werden, Mon Cher …"

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Sonntag, 25. März 2018
Auferstehungs-Blues
Meine Zukunft soll alles sein – außer Beige. Es merkelt weiter und weiter ...
Generation Zwieback: Getunkt. In den Strassen meiner kleinen Stadt beherrschen Beigegekleidete mit Rollatoren das Straßenbild: Kaffeefahrten-Groove, komatös vor dem Fernseher abhängen und vor sich hin Stoffwechseln. An den Wohltaten des Staates partizipieren ohne zu seinem Wohlergehen beitragen zu müssen: Rentnerdasein. Das kleine Glück: Kurzes, episodisches Wohlbehagen und Gassi gehen fürs Sozialprestige: Ein Leben in Senior-City als ärztlich betreute Langeweile im Endzustand.
Fitte Suggaropas wandern aus - nach Thailand zu den Mädchenfrauen, in der irren Hoffnung, dass sie dort noch gepampert werden, wenn die Rente verprasst ist. Reiche Senioritas bieten barbusig ihr welkes Fleisch an sonnigen Stränden Kaffeelands feil und winken gelangweilt den Kellnern des Lebens: „Dasselbe noch einmal – nur diesmal ohne Heinrich, Albert oder Jürgen ...!“

Habe nur ich dieses Gefühl, dass wir in Deutschland diese Zukunft schon mal hatten: Als Vergangenheit? Die Führer unseres Volkes sehen aus wie Reiseleiter - aus einem Land, wo ich nie hinmöchte. Dazu fehlt mir die Muttivation.
Politiker mit professionell eingeschränkter Wahrnehmung streiten um Positionen, Macht und Bezüge, während Ewiggestrige und Rechtspopulisten wieder in einer ziemlich abwegigen Location salonfähig geworden sind: Dem Bundestag.
Jedes Land hat die Regierung, die es verdient. Manche Wähler/Innen scheinen nicht nur an Realitätsverlust zu leiden, sie scheinen ihn auch zu genießen: Als „alternative Fakten“. Bei deutlich geringer werdenden Wahlfähigkeit und -kompetenz fange ich an, ernsthaft zu überlegen, ob Demokratie wirklich noch eine gute Idee ist: Immer nur Fremdschämen bringt auch nicht weiter.
Meine Empörungsbereitschaft ist ungebrochen, doch mangelt es mir manchmal an Energie, um einen aufrichtigen Shitstorm anzuzetteln. An Tagen wie diesen fühle ich mich einfach zu schwach, meine Mundwinkel zu heben. Damals, in den 68ern, dachte ich noch, gegen beige-braune Gesinnung, Ausländerfeindlichkeit und Verhöhnung von monetär oder sonst wie Benachteiligten muss man nur lautstark protestieren und kämpfen, so blöd können die Nachgeborenen ja nicht sein …

Einstein soll einmal gesagt haben: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, musst du vor allem ein Schaf sein“.Ich mag immer noch nicht mit den Schafen blöken: Wer immer nur in der Herde läuft, sieht stets nur Ärsche vor sich …
Ich mag auch nicht mit den Wölfen heulen.
Sollen mich doch die Schafe ungehorsam nennen und die Wölfe ungesellig.

Sorry, aber ich bin nicht Deutschland. Ich war auch nicht Papst. Oder Weltmeister.
Ich lass` das wohl in Zukunft mit dem Wählen. Und mit dem Sex. Beides wird auf Dauer unbefriedigend, wenn sich da jeder Idiot beteiligen darf.

Ich möchte meine Kernkompetenzen nutzen, solange sie noch vorhanden sind.
Wechseljahre sind keine Herrenjahre: Als Frau, die nach dem eigenen, individuellen Glück, nach Entfaltung und Selbstbestimmung strebt, war man früher wie heute so willkommen wie Herpes beim Küssen: Die Berufswelt soll kein Selbsterfahrungs-Paradies sein. Sondern Anpassungsdruck, harte Arbeit, unbezahlte Überstunden, geringer Verdienst – jedenfalls für Frauen.
Von älteren Frauen wird erwartet, dass sie sich ins Private zurückziehen – es sei denn, sie sind Bundeskanzlerin. Ansonsten werden alternde Frauen in diesem Land als erledigt betrachtet. Es sei denn, sie haben es im Hosenanzug und Betonfrisur geschafft, in eine der männlich dominierten Domänen vorzudringen: Afghanistan, morgens um sieben, Truppenappell: Die Frisur sitzt …!
Der Rest „verwelkter Ware“ soll Zuhause seine Rosen begießen, Stützstrümpfe tragen und Enkelkinder hüten. Und Abschied nehmen vom Land des Hechelns.

Ich habe mich geübt im Soloing: Die meisten leiblichen Genüsse werden selbst herbeigeführt. Keine Zweckbündnisse mehr zur gegenseitigen Nutzung primärer und sekundärer Geschlechtsorgane. Einfach alles lassen und in Würde politisch desinteressiert und völlig unengagiert altern …
Ich würde ja gerne – aber ich kann es nicht. Ich habe dieses Submissivitäts-Gen nicht. Und ich habe nach dem Aufstehen andere Sorgen, als die, wie ich in Würde altern soll. Ich habe pubertiert, menstruiert, mich Männern gegenüber klar artikuliert … Ich will diesen Planeten nicht kampflos verlassen, ich werde keine beigen Stretchhosen und Inkontinenz-Höschen tragen und nicht die Schnauze halten, über Pflegenotstand , Altersarmut und jede Art von Diskriminierung in diesem, unserem Land.

Obwohl ich weiß, dass der deutsche Otto Normalverbraucher nicht bewusst leben will – er will nur bewusst essen: Otto N. interessiert sich lieber dafür, ob Milch, Wurst und Fleisch von glücklichen Kühen stammt, statt zu hinterfragen, warum er die Frau, die in seiner Küche oder als Service-Kraft bei Mac Ungesund seinen Burger brät, als „Service-Kuh“ betrachtet, die unter Mindestlohn für ihn putzen, seine Kinder hüten und im Büro seine Briefe tippen darf.
Bei YouTube betrachtet Otto N. lieber aufgespritzte, aufgepushte Barbies, die sich bis zur Unkenntlichkeit beim Schönheitschirurgen optimieren lassen, sich bis zur Geruchs- und Geschmacklosigkeit desodorieren, einparfümieren und Shugardaddys Kohle vershoppen … Damit sich die Herren Hipster, Rapper, Checker & Co. mit dem sprechenden, denkenden Rest der Frau nicht weiter beschäftigen müssen.

Ich bin der bockige Rest radikal-feministischer Überzeugungen.
Am besten, ich wandere zum Altwerden auch aus: Böse Überraschungen erlebt man besser an einem schönen Ort …
Vielleicht gehe ich nach Amerika: Klingonenscrabble spielen mit Donald. Einmal nur - ihn an den Eiern packen, bis er quietscht – und dabei dieses (etwas abgewandelte) Zitat von ihm benutzen: „When you are a star they let you do anything ... and fuck men and groping them without waiting for their consent ... When I meet an ugly men like you I feel able to grab you by your Dingelingeling …!”.

Wahrscheinlicher aber ist: Ich werde nichts tun.
Mich weiter fremdschämen. Für mein Land. Und den Bullshit, der von angeblichen Volksvertretern vor laufenden Kameras verkündet wird.
Ich werde nicht auf die Straße gehen und brüllen: „ICH bin NICHT das Volk!“
Ich werde nicht auswandern.
Und erst recht nicht in Würde altern.
Wahrscheinlicher ist, dass ich stattdessen Buddhistin werde:
Vor der GroKo hackte ich Holz und trug ich Wasser.
Nach der GroKo hacke ich Holz und trage ich Wasser …

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Dienstag, 27. Februar 2018
Harte Zeiten
Ich bin gerade ausgeraubt worden - beim Discounter um die Ecke: Hundertzehn Euro! Ein Einkauf und das ganze Geld war futsch ...
Ich dachte, dort könne man billig einkaufen – doch inzwischen sind die auf Qualität umgestiegen: Nur noch Luxusartikel im Regal, lauter hochpreisige Ware ... wo soll das hinführen, wenn man als Rentner selbst beim Discounter nicht mehr billig einkaufen kann? An der Kasse fragt man sich: Sind diese Preise schon passive Sterbehilfe?

Gäbe es ein Handbuch fürs Altern, ich würde es nicht lesen: In Würde zu altern ist in Deutschland Luxus geworden – und hört spätestens in der Warteschlange vor der TAFEL auf …
Ich hab `s nicht geschafft, jung zu sterben. Obwohl man damals, als meine Mutter mit mir niederkam, kein Gedöns gemacht hat mit Schwangeren: Kein Ultraschall, keine Vorbereitungskurse, keine Ehemänner im Kreißsaal … nicht mal im Kreißsaal hat meine Mutter gelegen, meine Geburt fand Zuhause, im Ehebett statt … Wassergeburt war nicht: Als ich frisch gepresst wurde, war Freitag. Gebadet wurde immer samstags. Da hätten sie extra für mich den Badeofen anheizen müssen - und so weit ging die Liebe nun auch nicht …

Gestern bekam ich auch noch dieses Schreiben von der AOK: Mein Zahnersatz sei mit Experten nicht mehr zu finanzieren. Ich dürfte wählen: Einen Zahnmedizin-Studenten im ersten Semester, einen Schauspieler, der mal einen Zahnarzt gespielt hat oder einen gut etablierten Hochstapler, der sich für einen Zahnarzt hält …

Ich brauchte dringend Ablenkung von den finanziellen Herausforderungen im Alter - und beschloss, mal da hinzugehen, wo die Seniorenpopulation am Höchsten und eine Seniorenkopulation am Wahrscheinlichsten ist: Mottoparties für Ü-60-Singles.
Vorher brauchte ich aber noch eine kleine Typveränderung im Salon Haar-Scharf. Anschließend sah ich am Kopf aus wie Mrs. Pavian am Hintern. Also ab in den nächsten Salong (ich weiß, dass man das anders schreibt: Die ABC-Schützen dürfen heutzutage auch alles so schreiben, wie es sich anhört!) und mich für einen weiteren Hunni umfärben lassen …
Das alte Blond sei das neue Grau, sagt die Shamponeuse und ein Karottenkopp wie meiner sei mega-out – der Burner sei jetzt mausgrau, steingrau, silbergrau, aschgrau, graumeliert … alles mega-in!
„Nö“, weigere ich mich altersstarrsinnig, „seit man um das graue Haar von Frau Schrowange so ein Geschiss macht, färbe ich - schon aus Trotz!“

Auf der Mottoparty am Abend wurde die gleiche Musik wie zu meiner Schulzeit gespielt – nur, dass die Tanzmäuse aussahen wie Margaret Rutherford, die mit Johannes Heesters tanzt ... und dort hielt ich Ausschau nach einem älteren, wohlhabenden Knaben, der meine Vita und einen angemessenen Altersruhesitz finanzieren könnte. Wenn er mich als Begünstigte seiner Lebensversicherung einsetzte, würde ich ihm alles versprechen. Meinetwegen auch, ihn zu Tode zu schnackseln …

So habe ich dann Heinrich kennengelernt. Der hat mich gleich zu sich nach Hause eingeladen: In einen Schuhkarton, der als „barrierefreies Seniorenappartement im höheren Preissegment“ getarnt ist. Heinrichs Dackel, namens Parzival, begrüßte mich stürmisch. Er ist gerade in der Hundepubertät. Als Willkommensgruß steckte er mir erst seine Schnauze tief in den Schritt, dann begann er, mein Bein zu rammeln. Bei Hunden gilt das vermutlich als Verlobung …
Später hat Heinrich mich zum Essen in ein schickes Restaurant ausgeführt – früher ging man jedenfalls dort hin, um zu essen. Heute is(s)t man dort, um gesehen zu werden - oder um sein Essen zu fotografieren: Fleisch vom Kobe-Rind, Durac Loin Ribs, Japanisches Wagyu …
„Heinrich", flüsterte ich, "bist du verrückt, deine komplette Rente hier zu verprassen? Für ein winzigkleines Stückchen Fleisch an Gojibeeren und zwei Möhren? Das außerdem noch roh und blutig ist und fade schmeckt? Ich mag kein Fleisch im Mund haben, auf dem man unendlich lange herumkauen muss und das im Mund immer mehr wird. Womit wir das Thema auch gleich abgehakt hätten: Cunnilingus. Falls ich mal Lust auf einen Protein-Shake habe, hole ich mir selber einen runter: Aus dem obersten Fach in meinem Küchenschrank!“

Nach Einkauf, Friseur- und Restaurantbesuch war mein Budget für „soziale Teilhabe“ aufgebraucht. Spätabends ging ich dort hin, wo mein Bett steht – ein Zuhause kann man das nicht nennen. Es sei denn, man wäre ein Kanarienvogel.
Wer kann sich im Alter noch ansprechenden Wohnraum leisten? Für Ü-60-Singles gibt es nur noch diese „seniorengerechten“ Wohnklos in Appartementanlagen, die nicht gerade ein gesundes Umfeld für eine dynamische Ü-60igerin sind: Schön teuer und schön tot - wie der Friedhof meines Vertrauens.
Mein halbes Leben habe ich Umständehalber beengt leben müssen: In meiner ersten kleinen Bude, mit achtzehn – wir zogen noch von Zuhause aus - und später, in meinem kleinen „Appartement für Pendler und Studenten“ am Studienort … und anschließend, dieses unbeheizte Zimmer in der WG, weit draußen, in den öden Weiten Südniedersachsens … und später, die kleine Puppenstube, in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus meiner Schwester … Später habe ich viele Jahre im Appartement im Schwesternwohnheim der rheinischen Kliniken gewohnt: "Bullenkloster" hat man das genannt - wegen der einsamen Ärzte und Pfleger, die auch dort hausten … Anschließend die „kleine Wohnung für das kleine Budget“, nach meiner Scheidung … und jetzt: Seniorenwohnung in Sarggröße. Zum Eingewöhnen – damit es sich später, wenn man auf Torfatmung umgestiegen ist, nicht so beengt anfühlt …

Abgesehen von Altersarmut und beengten Wohnverhältnissen ist meine kleine, analoge Welt eigentlich ganz in Ordnung – solange mich keine jungen Leute besuchen.
Als ich mit meiner Enkelin einen Film mit Jennifer Anistan im Fernsehen schaute und sah, wie sie mit ihrem Handy telefoniert, rief ich enthusiasmiert:„Guck mal, Anna, die Jennifer hat das gleiche Handy wie ich!“
„Omma“, hat meine Enkelin gestöhnt und dabei die Augen verdreht, "der Film ist von zweitausendacht …!“
Auch wenn ich es nur ungern zugebe: Technikmäßig ist bei mir irgendwann die Zeit stehengeblieben.
Es hat so viel Mühe gemacht, bis ich verstanden habe, wie ich einige Funktionen meines Handys benutzen kann. Und es hat gedauert, bis ich keinen Nervenzusammenbruch mehr bekam, wenn auf meinem Laptop so komische Nachrichten aufgeploppt sind wie: „Wenig Speicherplatz“ oder „Die Suche nach Updates ist nicht möglich“ und „Ihr Browser ist veraltet“ …
Heutzutage weiß ich, wie frau souverän mit sowas umgeht: Einfach ignorieren!

Ich brauche jedenfalls im Alter keine Kaffeemaschine, für die man ein Informatikstudium absolviert haben muss, um zu kapieren, wie man sie bedient - und "Alexa" kann mich mal. Ich halte eine "Influenza" weiterhin für eine Grippe - und Mädels, die mich im Internet volltexten, was sie gerade shoppen und wie sie sich schminken und aufs Klo gehen, gehen mir am Allerwertesten vorbei. Ich halte die vorhandene Anzahl an Löchern in meinem Körper für ausreichend und komme wunderbar ohne "die Lochis" aus.
Ich will nicht, dass meine elektrische Zahnbürste mit mir spricht. Sie soll ihr Maul halten, während sie in meinem ihre Arbeit verrichtet.
Frau trägt schon schwer genug daran, älter zu werden: In Zeiten von Fifty Shades traut man sich ja nicht mal mehr in einem Baumarkt zu fragen: „Haben Sie Kabelbinder und Klebeband?“
Weil frau befürchten muss, dass der Verkäufer diesen Sebästschiän-Blick bekommt – und davon träumt, sie im Lederstring und Hottehü-Maske an seinen Heizkörper zu tackern …!

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Freitag, 23. Februar 2018
Alberta hat Besuch
"Blöde Sache …“, sagt Alberta zur Menschheit im Allgemeinen und zu Horst Kowalewski, dem Monteur für sanitäre Installationen, den sie nach Abschluss mehrtägiger Instandsetzungsarbeiten im Bad nun zu einer Tasse Kaffee in ihr Wohnzimmer genötigt hat.
„Seitdem ich dieses verdammte Buch im Internet veröffentlicht habe, vereinsame ich brutal, Herr Kowaletski …“
Der Fachmann für Gas-Wasser-Heizung beäugt skeptisch die intellektuelle Auslegeware in Albertas Bücherregalen. Peinlich berührt starrt er dann auf seine schmutzigen Arbeitsschuhe, die einen unangenehmen Kontrast zum cremefarbenen Flokati auf makellos glänzendem Parkettboden bilden.
Alberta bietet ihm einen Platz auf ihrem Sofa an. Kaum dass der Handwerker Platz genommen hat, zieht er mit schwieligen Pranken ein rosa Wildseidenkissen hinter seinem Rücken hervor und platziert es unbeholfen neben sich.
„Wie kann mein Ex nur glauben, ich würde in meinem Buch intime Details über ihn preisgegeben? Selbst meine Kinder unterstellen mir inzwischen ein ausschweifendes Leben, seitdem ich erotische Texte veröffentliche. Mache ich einen derart durchtriebenen Eindruck auf sie, Herr Kowaschinski?“, fordert Alberta eine deutliche Stellungnahme zu ihren Gunsten.
Der Monteur schaut verlegen an seinen Blaumann herunter, an dem Rohrreiniger, Muffenfett und schwarzer Schmodder aus unzähligen Rohren kleben und wechselt unbehaglich seine Position. Insgesamt macht der Mann des Handwerks den unfrohen Eindruck eines Hulks im Nagelstudio.
„Äh …haben sie Milch?“
„Wie bitte?“
„Für den Kaffee …“
„Ach so. Selbstverständlich.“
Während Alberta hausfraulich - geschäftig im Küchenbereich herumwuselt, wischt sich der Handwerker mit einem schmuddeligen Taschentuch den Schweiß von der Stirn.
„Heutzutage veröffentlichen doch alle alles im Internet!“, entrüstet sich Alberta laut in der Küche.
Horst Kowalewski betrachtet sinnend die schwarzen Ränder unter seinen Fingernägeln. Allem Anschein nach hilft ihm das beim Nachdenken.
„Nur weil ich erotische Texte schreibe …", sagt Alberta, im Türrahmen stehend, „… bin ich doch keine anrüchige Person. Ich bin eine Frau in den besten Jahren – da darf man doch wohl noch gewisse Phantasien haben ...“
Ihre beträchtliche Leibesfülle dezent kaschierend, wuchtet sie sich in ihren Ledersessel und lächelt gewinnend: „Machen sie es sich doch bequem, Herr Kowaschewski. Geben sie mir ihre Jacke, sicher ist es Ihnen hier zu warm …
Sie haben so schöne, kräftige Oberarme... steht Ihnen ausgezeichnet, dieses Muskelshirt!“
Ihr Gegenüber kratzt sich verlegen am tätowierten Oberarm.
„Kuchen?“
Umgehend reicht er seinen Teller, dankbar für jede Ablenkung vom Gespräch.
„Ich lege gleich mal zwei Stückchen drauf: Wer schwer arbeitet, soll auch gut essen, nicht wahr? Wo waren wir stehengeblieben …?"
Der Monteur kaut hochkonzentriert seinen Kuchen, dabei scheint es ihm unmöglich zu antworten.
„ … beim Schreiben! Das mache ich doch nur aus Langeweile. Sie glauben gar nicht, mit was für Männern ich seitdem Kontakt habe! Einer hat meinen Schreibstil sogar mit dem der Vavrik verglichen. Was sagen sie dazu, Herr Kokoschinski?“
Mit unverhohlenem Stolz setzt Alberta sich in Positur.
Ihr Gast zuckt ratlos mit den Schultern.
"Äh ... wer? Wawrick?"
„Elfriede Vavrik: Geronto-Porno - Sie wissen schon! Soll sich verkaufen wie geschnitten Brot. Hab` ich mir gesagt: Alberta, das kannste auch!"
Mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen und Verzweiflung reißt der Meister von Flansch und Flachzange seine Augen auf - er hat sich am staubtrockenen Marmorkuchen verschluckt. Röchelnd schnappt er nach Luft und spült hektisch mit heißen Kaffee nach. Was zur Folge hat, dass nun seine Luftröhre wieder frei ist, er sich jedoch den Mundraum verbrüht hat.
Alberta reicht ihm eine Serviette mit Rosendruck: „Geht` s?“
Der Installateur nickt stumm und nassäugig.
„Wo waren wir stehengeblieben …? Richtig: Erotische Literatur im Internet. Frauen im besten Alter sind wie ausgereifte und naturbelassene …?“ Alberta initiiert einen neckischen Augenaufschlag und fordert ihr Gegenüber durch eine längere Pause heraus, zu ergänzen.
„... Früchte?“, krächzt der Monteur.
Alberta beugt sich verführerisch über den Tisch und vollendet ihren Satz: „… Vollweiber!
Was die jungen Mädels so unter erotischer Literatur verstehen, ist doch oft der Rede nicht wert, nicht wahr? Spätestens seit Charlotte Roche wissen wir das doch alle – Sie haben doch ihre „Schoßgebete“ gelesen?“
Der Gast schüttelt energisch mit dem Kopf – und macht den nervösen Eindruck eines Getriebenen, der nicht merkt, dass er aus einer leeren Tasse trinkt.
„Da haben Sie nichts versäumt, Herr Kowaschewski. Dieses zweite Skandalbuch von der Frau Roche handelt von nichts anderem als von einer Oma-Ehe, in der eine jungen Frau um jeden Preis und mit allen Mitteln ihren Mann sexuell zufrieden stellen will und kaum, dass er vom schweren Tagwerk draußen im feindlichen Leben heimgekehrt ist, sich auf Knien an seinen Hosenhobbit heranrobbt. Kommt nicht gerade emanzipiert rüber – nicht wahr?“
Harald Kowalewski denkt gerade über seine Flucht über die offen stehende Balkontür nach – als ihn sein Handysignal aus der Duldungsstarre reißt. Erleichtert springt er auf, Wichtigkeiten andeutend. Das Handy am Ohr, rafft er eiligst Jacke und Handwerkskoffer an sich, dabei von „Rohrverstopfung“ und „dringenden Kundenterminen“ murmelnd.
Mit einem Ausruf des Bedauerns, dass ihre schöne Unterhaltung ein so jähes Ende finden muss, erhebt sich Alberta, will den Handwerker noch zur Tür geleiten. Doch der hat bereits grußlos das Weite gesucht.
Nach dem Schließen der Tür horcht Alberta noch ein Weilchen in die Stille des Raumes, dann lächelt sie zufrieden:„Läuft: Schon wieder eine erfolgreiche Konversation mit einem Mann …!“

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Dienstag, 20. Februar 2018
Lysistrata ist tot: Lang lebe Pandora!
Frau sein mag biologisch Vorteile haben, soziologisch kommt es - nach Meinung einiger narzisstisch gestörter Männer - einer Behinderung gleich.
Ich kann solches Hoden-Esperanto einfach nicht mehr hören, ohne mich erbrechen zu müssen. Diese dummdreiste Logik, mit der sich manche Mikropenisse hartnäckig für was Besseres und den Nabel der Welt halten und glauben, dass jede Frau unheimlich scharf darauf sein muss, ausgerechnet von ihnen gePIEPSt zu werden, scheißegal wie dumm, alt, fett, gestört, ungewaschen, unattraktiv man(n) daherkommt: All diese Recep Tayyips, Donalds, Jong Uns ... dieser Welt!

Als Frau braucht man nicht mal in die Ferne zu schweifen: Jede von uns kennt wenigstens einen narzisstisch gestörten Typen aus ihrem Familien-Freundeskreis oder Arbeitsleben, der mit den Parametern männlicher Dominanz daherschlawenzelt kommt und sich qua Geburt für den Punkt auf Mittelerde hält, um den Mädels sich zu drehen haben. Möglichst mit nacktem Hintern und freigelegten Möpsen.
Dagegen kommt man als Frau selbst mit sorgfältigst kultivierter Unsichtbarkeit nicht an. Selbst in Kleidung, die frau gerade aus einem Müllkontainer gefischt hat, auf der Flucht oder als Vertriebene, ungewaschen und fern der Heimat, irgendwo lauert immer so ein Kerl: „Willze ficken?“

Männer mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben das Gefühl der eigenen unantastbaren Größe und Einzigartigkeit und stechen durch selbst inszenierte Grandiosität und die ausschließliche Ausrichtung auf die eigene Person hervor. Durch ihre ausgeprägte Selbstverliebtheit und das Verlangen, von allen bewundert werden zu wollen, fallen sie auf - dass sie Frauen damit ganz schön auf den Wecker gehen, nehmen sie gerne in Kauf.
Sie sind nicht Papst, sie sind Erzengel, Luzifer und Godfather zugleich!
Als Ausgleich ihrer inneren Unsicherheit und Minderwertigkeit müssen sie sich ein positives Selbstbild von sich aufbauen, das durch exzessive Größenphantasien gestützt wird. Dadurch schaffen sie sich ein eigenes Idealbild, oder besser gesagt: ein Traumbild von sich und der Welt, wie sie sie gerne hätten.
Zeigt ihnen die reale Welt oder eine reale Frau jedoch ihre kalte Schulter, ignoriert sie sie gar, reagieren sie nicht wie ein enttäuschter Liebhaber, das wäre ihnen zu klein, zu banal. Wenn eine Frau die unverschämte Frechheit besitzt, sie, die Größten unter der Sonne (mit dem Größten in der Hose!) zu verschmähen, dann fühlen sie sich gleich von der ganzen Welt verschmäht!
Daraus kreieren sie ihr Recht, Frauen zu verachten, ganze Mädchenklassen zu entführen, zu vergewaltigen, zu versklaven, den Löwen zum Fraß hinzuwerfen und jede Frau, die es wagt, anderer Meinung zu sein als sie, erbarmungslos verbal oder in echt zu foltern und zu quälen - und hinterher final ans Kreuz zu nageln: „Die blöde Kuh hat es doch nicht besser verdient!“

Das Selbstwertgefühl solcher Großmäuler hängt fast ausschließlich von der Bewertung anderer ab: Solche Typen erwarten ständige und ununterbrochene Bestätigung - am Liebsten von willfährigen, untergeordneten Frauen. Selbstunsichere Männer können ihre Energie nicht aus dem Inneren beziehen und müssen zur Energiegewinnung Frauen „anzecken“ oder zum Opfer machen: Weibliche Aufmerksamkeits-Energie ist der Treibstoff, der sie nährt und antreibt - im Guten wie im Bösen: "Und bist du nicht willig, so brauch` ich Gewalt ...!"
Nur leider versiegt die Quelle abhängiger, unterwürfiger Frauen immer wieder und sie müssen sich ständig nach Nachschub umsehen: In Thailand, bei virtuellen Geishas oder sonst wo auf Ficki-Island …
Aus diesem Grund sind jederzeit bereit, sehr lange Wege und übermenschliche Anstrengungen auf sich zu nehmen, um die wirtschaftliche, private oder berufliche Abhängigkeit von Mädchen und Frauen anderer Länder auszunutzen, um für sich Aufmerksamkeit und Macht zu erschließen und sie zu erhalten.

Ihre als „Kritik“ getarnte Häme und Größenphantasien von sich und ihren Fähigkeiten verbreiten sie auch gerne in Großmanns-Manier auf einer anderen Baustelle: Am Arbeitsplatz. Als penible, kontrollierende Vorgesetzte, selbsternannte „Gurus“ oder „Heiler“ ...
Das gibt ihnen ein Gefühl grenzenloser Macht und Herrschaft. Durch maßlose Überheblichkeit und Selbstüberzeugung sowie einem unersättliches Anspruchsdenken stellen sie sich in Pose: „Mein Haus, mein Pool, mein Pferd, mein Auto, mein Doktortitel …!“ und erwarten dafür andächtige Bewunderung.
Für sie ist es lebenswichtig, dass alle Macht, jegliche Aufmerksamkeit, jedes Lob und jede Wertschätzung ihnen gelten. Sie können es einfach nicht ertragen, wenn nicht sie im Mittelpunkt stehen. Alle ihre Bemühungen richten sich darauf aus, machtvolle Positionen zu erreichen, einzunehmen, zu halten und zu verteidigen: Wehe dem, der ihre Kommentare, ihr Gesabbel und ihr Geschreibsel ignoriert, wer ihr grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit und Talente übersieht!

Mancher narzisstische Jungspund, der von Beruf Sohn ist, erwartet auch ohne entsprechende Leistung zu erbringen, als grandios und überlegen anerkannt zu werden. Mamas Liebling ist dermaßen selbstbesoffen und eingenommen von seinen Phantasien grenzenlosen Erfolgs, grenzenloser Macht, Brillanz, Schönheit, Talent oder idealer Liebe, dass er glaubt, besonders und einzigartig zu sein: Einfach, weil er daran glauben will.
Exzessive Bewunderung von Mama und allen Mama-Stellvertreterinnen ist sein tägliches Brot. Wer so einem Dieter-Bohlen-Verschnitt für Arme die Bewunderung seiner "Talente" verweigert, wird zur "Feindin No.One" erklärt. Mamasöhnchen haben das bewundernswert feindselige Talent, alles auf sich zu beziehen - und sei es noch so abwegig.

Wer schon einmal mit einem emotional Unbedarften eine Liaison eingegangen ist, weiß, dass frau besser Gespräche mit den Wollpullis in ihrem Schrank führen kann als mit manchen Männern: Männlicher Mangel an Empathie wird nur noch überragt durch männlichen Mangel an Emotion. In seinem hochnäsigen Auftreten blickt der Arrogante und Selbstgefällige und der passiv-aggressive Mann gerne auf Frauen herab. Durch seine kaltherzige Art und durch anmaßende und übertriebene Verurteilungen von weiblicher Intelligenz und Leistung fällt er auf - nur selten wird er öffentlich dafür gemaßregelt oder daran gehindert. Und wenn, winselt er schnellstmöglichst um Vergebung, gibt sich nach außen hin submissiv-gefügig - und lacht sich innerlich eins ins Fäustchen, weil Frauen so leichtherzig verzeihen.

Im Internet gefällt es Narzissten über die Maßen gut: Facebook, Twitter & Co stellen die Bühne zur Verfügung, die sie für ihre Selbstdarstellung und Großmannsphantasien brauchen.
Und niemand setzt sich ihnen zur Wehr und nur selten bietet ihnen jemand Paroli. So können sie weiterhin glauben, von allen weiblichen Usern um ihre Grandiosität, ihre Intelligenz, ihr Geld, ihre Titel, ihr Talent, ihren Besitz …angebetet zu werden.

Sie gehen gerne voran, übernehmen die Führerschaft und setzen sich über alles hinweg. Sie sehen nur ihre eigenen Interessen und ihre eigenen Ziele. Dabei ist der eigentliche Gegenstand des Zieles niemals primär. Für sie sind nur die Darstellung der eigenen Größe und die Lorbeeren, die sie durch Erfolge ernten, von Bedeutung. Genauso wesentliche Merkmale sind ihre übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen jeglicher Art, ein großer Mangel an Einfühlungsvermögen anderen gegenüber sowie die derbe und schamlose Entwertung von Frauen.

Das Unglück mancher Frauen ist, dass manche negativen narzisstischen Eigenschaften eines "Mr. Big" erst nach längerer Zeit oder einer intensiveren Beziehung sichtbar werden, denn manche verstehen es hervorragend, sich in den Werbewochen Frauen gegenüber von ihrer brillanten Seite zu präsentieren. Ihre wahren Absichten bleiben lange Zeit im Dunkeln, so dass Frauen oft nicht vermuten, dass sich hinter der Fassade ein äußerst übles Potenzial verbirgt.

In Zeiten des Internets bringt es nichts (mehr), Typen, die verbal oder in echt kriegerisch-metzelnd unterwegs sind oder mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung hinter den Schreibtischen der Macht thronen, den Geschlechtsverkehr zu verweigern wie einst Lysistrata - oder eine weinerliche Mee-Too-Debatte anzukurbeln, in der Frauen, die privat oder beruflich Opfer männlichen Dominanz- und Imponiergehabes und gewaltsamer Überschreitungen sämtlicher Grenzen des Anstandes geworden sind, hinterher auch noch öffentlich an den Pranger der Boulevard-Presse gestellt werden.

Wir könnten sie auf zwanzig krasse Arten killen. Aber so leicht sollen sie uns nicht davonkommen, diese machtgeilen Narzissten, Vergewaltiger und Mädchenverführer, die mit dem Schwanz denken. Für sie habe ich mir die grausamste Art zu sterben ausgedacht: Wir werden sie, wie einst in der griechischen Antike, nicht durch das Schwert, sondern durch weibliche List und Tücke erledigen. Wir werden die Büchse der Pandorra wieder öffnen:
Clamydien, Genitalherpen, Syhillis, humanes Paillomvirus, Ulcus molle, Hepatitis B, HIV, Gonokokken, Gonorrhoe …
Das kann doch nicht soo schwer sein, Mädels: Öffnet die Büchse der Pandora - und schnackselt solche Recep Tayyips, Donalds, Jong Uns … einfach ins Jenseits!
Mögen ihre Gemächte verdorren und tausend Kamele auf ihre Gräber scheißen, Tschakka!

Ähm …ich muss jetzt nur noch herausfinden, wie wir an den unentdeckten Tripper rankommen, mit dem wir diese Vollhörste infizieren können, ohne dass sie `s merken. Das ist mein schöner, perfider Racheplan für die nächsten Jahre …
















Wir googeln zur Frauenfortbildung:
Mythos Pandora:
Auf Weisung des Zeus hatte Hephaistos aus Lehm die erste Frau geschaffen, Pandora. Sie war ein Teil der Strafe für die Menschheit wegen des durch Prometheus gestohlenen Feuers. Prometheus’ Bruder Epimetheus und Pandora heirateten.
Zeus wies Pandora an, den Menschen die Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Doch sogleich nach ihrer Heirat öffnete Pandora die Büchse. Daraufhin entwichen aus ihr alle Laster und Untugenden. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das Schlechte die Welt. Zuvor hatte die Menschheit keine Übel, Mühen oder Krankheiten und auch den Tod nicht gekannt. Als einzig Positives enthielt die Büchse die Hoffnung (griechisch ἐλπίς elpís). Bevor diese auch entweichen konnte, wurde die Büchse wieder geschlossen. So wurde die Welt ein trostloser Ort. Gelegentlich findet man in Sekundärliteratur die Behauptung, die Büchse sei ein zweites Mal geöffnet worden, sodass auch die Hoffnung entweichen konnte. Dabei könnte es sich um Versuche handeln zu erklären, warum die Menschen die Hoffnung kennen. Im Original von Hesiod gibt es keinerlei Hinweis auf eine solche zweite Öffnung. Unbekannt ist darum auch, welches Übel als letztes entweichen konnte. Demgegenüber steht die Auffassung von Nietzsche, nach der die Hoffnung in Wahrheit das größte Übel aller in der Büchse befindlichen Flüche ist: Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.



Lysistrata (altgr. Λυσιστράτη Lysistrátē, aus λύσις lysis „Auflösung“ und στρατός stratós „Heer“), Die Heeresauflöserin, gehört zu den bekanntesten Komödien des griechischen Dichters Aristophanes. Sie wurde von ihm im Frühjahr 411 v. Chr. – im zwanzigsten Jahr des Peloponnesischen Krieges – bei den Lenäen zur Aufführung gebracht. Im selben Jahr entmachteten in Athen Aristokraten durch einen Putsch die radikaldemokratische Regierung. Lysistrata ist das dritte der pazifistischen Stücke des Aristophanes, die den Krieg zum Thema haben.
Inhalt:
Das Stück thematisiert den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Krieg und den damit verbundenen Leiden. Getragen von dieser Erkenntnis verschwören sich die Frauen Athens und Spartas, um den Frieden zu erzwingen. Sie besetzen unter Führung der Titelheldin Lysistrata die Akropolis und verweigern sich fortan sexuell gegenüber ihren Gatten. In Sparta wird durch Lampito ähnliches veranlasst. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen – führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg.

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Samstag, 17. Februar 2018
TV-Top-Tipps fürs Wochenende:
07:00 Die Sendung mit der Ratte
Klingt blöd. Ist aber so.
07:30 Volle Kanne. Frühstücksfernsehen
Manische Moderatoren servieren Senilfood für saublöde Senioren
9:00 Die letzte Kuh. Krimiserie
Wiederholung vom Vorabend: Der letzte Bulle trabt zum Besamungsfachwirt seines Vertrauens.
10:00 Welke Rosen. Telenovela für postmenopausale Mädels
10:30: Extrem leicht. Doku-Soap
Leichte Mädchen mit Menstruationshintergrund lernen unter Anleitung des Life-Coachs Felix Klemme, wie sie sich auf schweren Jungs anmutig bewegen
11:00 Verbotener Hass. Daily Soap
12:00 Gute Zähne, schlechte Zähne. Daily Soap
12:30 Bei Anruf Hiebe. Dating-Show
Heute kriegt Kevin hinter der Liebeswand von Chantal was auf die Fresse
13:00 Schlag mich doch! Doku Soap
Irene K. aus G. will`s hart und unbarmherzig. Doch Freund Dieter F. aus H. steht auf Blümchensex
14:00 Two and a Half Woman. Sitcom
Charly Sheen metzelt im Drogenrausch zwei Damen aus dem Vaginalbusiness ab, weil sie ihn verklagen wollten.
15:00 Shopping King
Jorge Gonzales und Bruce Darnell stöckeln auf high Heels durch Börlin und wollen an Guidos Designerstück
17:00 Explosiv – Laktose-Intoleranz und ihre Folgen
17:30 Exclusiv – das Amsel-Meise-Fink & Star-Magazin
18:00 Lasziv. Der König von Mallorca stellt auf dem Rentnerball seinen neuen Song vor: „Zu alt für Lambada, zu jung für den Seniorenteller“
18:30 Türkisch für Anfänger
Schimpfworte vom Bosporus, Lektion 1:
IschPIEPsedeineMutterduOpfa!
19:00 Henssler hinter Gittern. Kochshow
Knastjungfrau Ali steht vor seiner größten Herausforderung: Den Henssler richtig zu bedienen. Wird er es schaffen?
19:30 Bauer sucht Sau. Kuppel-Show
Heute: Bauer Heinrich isst wieder Schaf
20:00 Rach, der Raststättentoiletten-Tester
Der Kackerlakenprofi drückt es aus: Ihm stinkt`s gewaltig!
21:00 Sing my Song
Sara in Love und Yvonne Knatterfeld räkeln sich lasziv auf dem Schaffell vorm knisternden Kamin und Lederhosenrocker Thomas Gabalier kommt in Springerstiefeln reingeschuhplattelt und jodelt: “I sing a Liad für di, i hob a Engerl `gsehn, du geile Förschterin vom Pussywald!“ Im Hintergrund jammert ein selbstbesoffene Xavier Nadoo: „Sie wolln ons nech …dieser Weg wird kein seichter sein …“
22:00 Good bye Ausland! Reportagereihe
Heute: Daniela Katzenberger ist Kotza Kordalisübel: Ihre Schwester ist Dschungelkönigin! Daniela lässt sich spontan scheiden und heiratet auf Malle den Vater ihres unehelichen Kindes: Jens Büchner. Beide wollen jetzt ganz dolle Gas geben und bei POCO die Regale auffüllen
23:00 Auf und davon. Das Auswanderer-Magazin
Herrmann K. setzt alles auf eine Karte: Bevor er in Essen Alimente zahlen muss, will er in Portugal ein neues Leben beginnen. Oder in Korschenbroich …
24:00 The Gang Bang Theory
Damit Sheldon aufhört, sich immer wieder neue Krankheiten einfallen zu lassen, greift Stephanie zu einem Trick: Sie spielt nackt Klingonenscrabble mit ihm
1:00 How I Met your Samenspender. Sitcom
2:00 Auf Seife. Doku-Soap
Nachgestellte Szenen aus dem Polizeidienst. Heute: Ausgerutscht!
03:00 Arm & Hässlich
04:00 Leider geile Werbe-Titts! Erotikmagazin. Softpornos mit Dschungelkönigin Melanie Müller, mit Pöbelanrufen von Mark Madlock
05:00 Pups! Die Pannenshow.
06:00 Einsatz mit vier Händen – Spezial
Für Familie A. wurde ein Alptraum wahr: Wine Tittler stapft durch ihr Blumenbeet


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Donnerstag, 15. Februar 2018
Das Geheimnis der Begierde oder die Matrix der Lust
Wenn alle Männer Schweine sind - sind dann alle Frauen Perlen vor die Säue …?
Die Sendung „Das Geheimnis der Begierde oder die Matrix der Lust“ auf ARTE versucht darüber aufzuklären, dass im Tierreich als auch bei uns Menschen die Weibchen im gleichen Maße fremd gehen wie ihre männlichen Artgenossen:
Innerhalb einer Partnerschaft würden Frauen sogar früher daran denken als ihre männlichen Partner. Während Männer sich noch in der Partnerschaft wohlfühlen und alles prima fänden, machten ihre Frauen längst im Geiste den Einkaufszettel fürs Genshoppen ..
Wenn man den wissenschaftlichen Studien, die in der Sendung zitiert werden, glauben mag, gehen Frauen genauso gerne fremd wie Männer - nur behaupten sie gerne das Gegenteil. Schon rein rechnerisch ist das nicht valide, denn zu jedem Hetero-Mann, der sich fremdgehend ins Gebüsch schlägt, gehört auch eine Frau - zumindest eine.
An das Märchen, Frauen würden durch Pornos nicht erregt und zögen wegen Aufzucht der Brut die Monogamie vor, glaube heutzutage wohl keiner mehr, meint der Moderator. Statt auf Langeweile im Endzustand, die Ehe, seien Frauen ebenfalls auf serielle Monogamie und mehrere Lebensabschnittsgefährten ausgelegt. Spannend sei nach wie vor, warum Frauen das (immer noch) verheimlichen und Männer das (immer noch) nicht wahrhaben wollten.

Auch in der Primatenforschung tue man(n) sich schwer damit, wenn weibliche Lust offensiv eingefordert werde, wenn beispielsweise Herr Pavian von Frau Pavian zum Sex genötigt werde. Nichts sei im Tierreich so, wie es uns Dr. Grzimek früher Glauben machen wollte. Heute wisse man: Mme Pinguin sei lesbisch, Mrs. Schimpansin gehe fremd und Frau Kuckuck vögele lustig ohne Hochzeit - und lege hinterher ihre Brut einfach einer anderen ins Nest, die kleine Schlampe.

Eine weitere unangenehme Erkenntnis lauere in neuen Studien über die Sexualität der Frau: Frauen haben schmutzige Phantasien: Während er den doppelten Rittberger vom Schlafzimmerschrank in Szene zu setzen bemüht sei, rufe Madame in ihrer Phantasie die Herren Cloony, Schwarzenegger, Carpendale & Co zum Liebesdienst herbei. Will heißen: Während er glaube, seine Bettgenossin verdrehe in extatischen Wonnen die Augen, weil er sie gerade ins Nirvana schnacksele, gehe in Wahrheit in ihrem Frontallappen das Kopfkino ab – leider mit anderen Hauptdarstellern …
In Zukunft müsse er sich hinterher nicht nur fragen, ob die Frucht im Bauch seiner Angebeteten seinem Samen entspringe – er müsse sich auch Sorgen darüber machen, an wen sie währenddessen gedacht habe, während er sich auf/unter/neben ihr abgerackert habe.

Kleiner Tipp von mir an alle Männer, die diese Sendung auf allen Ebenen tief verstört: Seid wachsam!
Vor allem, was die vielfältigen Umstylingversuche eurer Liebsten an euren Astralkörpern betrifft: Erst wird ganz zufällig hier ein Pickelchen entdeckt und ausgedrückt, da eine Augenbraue gezupft …
Eines schönen Tages wird die Herzallerliebste übergriffig werden – und kalt lächelnd damit beginnen, Heißwachs auf eure Brust- und Beinbehaarung aufzulegen. Dabei handelt es sich nicht, wie ihr anfänglich glauben mögt, um geile SM-Spielchen, sondern um ein Ganzkörperwaxing - das mit der Enthaarung eurer Kronjuwelen endet.
Glaubt bloß nicht, dies entspringe dem fürsorglichen Pflegeinstinkt eurer Frau. Damit läst sie euch vier Liter Abführmittel schlucken und schickt euch anschließend zur Darmspiegelung ...
Die Enthaarungsarbeiten an ihrem Lebensabschnittsgefährten macht sie sich einzig und allein, um sein real existierendes Waschbären-Bäuchlein ihren Sexphantasien von halbnackten Fußballspielern anzugleichen.
Sie könnte ihm nachher auch ein: „Inspired by David Backham“ auf den nackten Hintern tätowieren lassen.

Auch für die Fortpflanzung seid ihr Jungs weitestgehend verzichtbar geworden: Eine Genshopping Queen kann das „Teelöffelchenvoll“ als Bestellung bei der Samenbank aufgeben (soll das `n Mädchen werden – oder kann das wech?) es einem A-Promi in der Besenkammer rauben oder mit C-Promis im Teppichgroßhandel ihres Vertrauens herumludern.
Die Dame von Welt braucht für ihre Lustentfaltung nur noch ein wenig Phantasie – und frische Batterien, mit denen sie den Schatterzapfen in ihrem Nachtschränkchen stets betriebsbereit hält.
Das war `s auch schon mit den schlechten Nachrichten.
Die gute Nachricht: „Fifty Shades of Grey“: Es soll noch Weibchen geben, die für gewisse sexuelle Präferenzen noch männliches Personal und Equipment aus Baumärkten brauchen.
Die auf primitivste Unterwerfungsrituale stehen und ihren „Sebästschän“ suchen - der morgens zur Arbeit geht und aussieht, wie der freundliche Herr von der Hamburg-Mannheimer – und abends als der geheimnisvolle Mr. Grey zurückkehrt, der sie mit Kabelbinder an die Waschmaschine tackert und ihnen anständig den nackten Hintern versohlt: Tschakkkkkkkkkaaaaah ...!






Anmerkung:
Die Sendung: „Das Geheimnis der Begierde oder: Die Matrix der Lust“ wurde zum ersten Mal auf ARTE am 10.06.2016 ausgestrahlt

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Sonntag, 11. Februar 2018
Konklusion
Hildegard ist sauer. Nichts Besonderes, nur eine plötzliche Verstimmung, eine knurrige Eingeschnapptheit … jedenfalls ist ihr Stimmungsbarometer in Richtung Übellaunigkeit umgeschlagen. Keine Ahnung, warum sie plötzlich so gereizt ist. So etwas kommt und geht bei ihr ...
„Was ist, Hilde? Heute keine Lust auf deine Tanzgruppe?“, frage ich.
Hilde macht ein fiependes Geräusch, schnalzt hörbar mit der Zunge, ihr linkes Auge zuckt nervös: „Aschloch – Schpass!“
Wenn sie nervös ist, laufen bei ihr solche Mechanismen ab, einschließlich dieser Floskel, die ihr aus dem Mund schießt wie ein Torpedo. Sie verliert leicht die Fassung - vor allem, wenn ich sie in die Klinik begleite. Habe ich sie jemals entspannt lächeln sehen? Öfter ist zu beobachten, wie sie andere barsch anfährt, herumkommandiert oder auftrumpft: „ICH bin betreutes Wohnen – ich bin nicht Patient!"
Dabei spuckt sie das Wort „Patient“ so verächtlich aus wie einen ausgekauten Kaugummi ...

Ihr halbes Leben musste Hilde hinter den Mauern der psychiatrischen Landesklinik verbringen – gegen ihren Willen und bereits in Zeiten, als Anstaltskleidung und Maßnahmen wie „Kalte Wickel“ und Fixierungen noch an der Tagesordnung waren. Erst mit fünfzig Jahren kam Hilde mit anderen Langzeitpatienten in die soziale Reha und ins betreute Wohnen, außerhalb der Klinik. Seitdem verbindet sie eine Art Hassliebe mit der „Klapse“, wie Hilde sie nennt.
Mit einer Mischung aus Sensationslust und unbewältigtem Kummer erzählt sie zuweilen von Demütigungen, Gewalt und Übergriffigkeiten, die ihr in ihrer Kindheit und Jugend durch medizinisches Personal widerfahren sind.
Dennoch zieht es Hilde immer wieder in die einst so verhasste Klinik zurück. Ich frage mich, warum. Vermutlich, weil es ihre Vergangenheit ist, ihre Kindheit, ihre Jugend -und weil sie keine andere hatte als diese ...

Vielleicht will Hilde auch nur deshalb an der Tanzgruppe in der Klinik teilnehmen, um dort ihre scheinbare Überlegenheit zu demonstrieren: Wenn der Kurs vorbei ist, müssen die Patienten bleiben – Hilde darf, in Begleitung, das Klinikgelände wieder verlassen. Für dieses Triumphgefühl nimmt sie den Aufwand in Kauf, ihre beste Kleidung anzuziehen, sämtlichen Schmuck anzulegen, sich zu parfümieren … um dann verdrossen neben mir an der Bushaltestelle zu hocken und auf den Bus zu warten.
„Wir können auch zurück gehen zur Wohngruppe, Hilde."
„Aschloch – Schpass! Bist du jetzt böse?“ Sie initiiert ein Grinsen und guckt finster.
„Was möchtest du: In die Klinik, zur Tanzgruppe – oder zurück zur Wohngruppe?“
„Nee, nicht zurück in die Scheißwohngruppe: Lieschen qualmt den ganzen Tag Zigaretten. Das stinkt. Und Ekki trinkt immer heimlich aus der Colaflasche ausm Kühlschrank. Das darf der nich`, der hat doch Zucker! Jasmin hat Herrn Garbelmann Geld geklaut, das hab` ich gestern selber gesehen …!"
Denunziation ihrer Mitbewohner scheinen Hildes liebstes Hobby. Das hat sie in der Klinik gelernt: Früher konnte sie sich damit erfolgreich beim Klinkpersonal anbiedern ...
Noch zehn Minuten bis der Bus kommt - so lange wird Hilde unverdrossen weiter versuchen, mir mit ihren Sensationsgeschichten eine Reaktion abzuringen
„… und Hitler hat gesagt …“
„Ähm …wer?“
„Hit-lor hat gesagt …“
„Meinst du etwa den neuen Mitbewohner? Der heißt: V-i-c-tor.“
„Ich hab` zu Fiktor gesagt: Du hast mir gar nichts zu sagen! Und Fiktor: Dohoch. Du bist nämlich behindert. Was heißt eigentlich „behindert“?“
Gute Frage.
Nächste Frage: Wie erkläre ich Menschen mit Doppeldiagnose: Chronische psychische Erkrankung und schwere kognitive Einschränkungen, dass sie eine psychische Erkrankung und schwere kognitive Einschränkungen haben?
Unser Bus biegt um die Ecke. Das kommt mir gelegen. Doch es ist nicht unsere Linie sondern der Bus der Lebenshilfe, dessen Türen sich gerade zischend öffnen.
Ein junger Mann klettert mühsam die Stufen hinab. Durch eine rechtsseitige Spastik ist er in der Bewegung stark eingeschränkt, sein Kopf ist zur rechten Schulter geneigt, der rechte Arm verkrümmt und in Pfötchenstellung zum Kinn gezogen.
Hilde macht ein fiependes Geräusch, schnalzt hörbar mit der Zunge, ihr linkes Auge zuckt: „Aschloch - Schpass!“
Sie fuchtelt mit dem Arm und zeigt auf den Jungen: „Der da – der is` behindert, nä?“
„Ja, Hilde, der junge Mann hat ein körperliches Handycap.“
Hildegard senkt den Kopf und überlegt. Dann schaut sie mich unverwandt an: „Und ich - wo bin ich denn behindert?“

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Freitag, 9. Februar 2018
Alberta erzieht
Alberta ist eine Frau mit guten Vorsätzen. Bis zum Abendbrot kann sie sich auch halbwegs daran halten. Doch bei der Geräuschkulisse entgleiten sie ihr langsam - die guten Vorsätze und die Snacks zum Rotwein.
Während sie sich schwerfällig bückt, um eine Olive unter dem Sofa hervorzufischen, wummern aus der Nachbarwohnung die Bässe im Takt ihrer geschwollenen Halsschlagader. Die neuen Nachbarn lärmen nach Kräften. Es scheint sich um diese Art Feierfreunde zu handeln, die gerne mal die Inneneinrichtung zu Bushiodo - Klängen auseinandernehmen und anschließend ihr Dönerscharfundmitalles und diverse Pils in den Flur erbrechen ...

Alberta hat einen anstrengenden Job. Nach Feierabend will sie wohnen: Im Walla-Walla-Gewand auf ihrem Sofa residieren; Rotwein, Oliven und Cracker in greifbarer Nähe, während aus dem Hintergrund die schwermütigen Gesänge eines Leonhard Cohen ins Gemüt tropfen.
Stattdessen horcht sie seit Stunden in Erdmännchenmanier zur Nachbarswohnung hinüber, aus der dumpfes Gepolter und alkoholisiertes Gegröle dringt. Es klingt, als ob Pogo getanzt wird ...
Verdrossen genehmigt sie sich ein weiteres Glas auf den nachbarlichen Krach, der ihr den gemütlichen Abend vergällt.

Um Mitternacht ist ihre Laune am Gefrierpunkt. In der Nachbarswohnung wird infernalisch mit Türen geknallt, enthemmtes Mädchengekreisch hallt durch den gutbürgerlichen Hausflur.
Wie man hören kann, sind nicht alle Probleme in Alkohol löslich: Manche können schwimmen …
Fast sehnt Alberta den Hausmeisterfaschismus ihrer Kindheit herbei, als ältere Herren im Graukittel noch energisch an Nachbarstüren klopften und Nachtruhe einforderten.
Sie gähnt herzhaft und schlurft in ihren Plüschpantoffeln ins Bad. Als sie sich anschließend in ihrem Bett auf die Matratze wuchtet, muss sie feststellen, dass sie nun direkt neben dem Epizentrum der nachbarlichen Orgie liegt, wo dumpfe Bässe auf ihrem Zwerchfell wummern: "Umpfumpfumpf dadadadada umpf umpf braaaaaahtbraaaaht umpf umpf ..."
Albertas Blutdruck schwillt in unangenehme Höhen, während ihr Herz beginnt, im ungewohnten Wacken-Rhythmus zu hämmern.

Gefühlte Stunden später ist man nebenan von Bushido auf Metallica und Subway to Sally umgestiegen und veitstanzt dazu:

"...Bluuut, Bluuut, Räuber saufen Bluuut
Raub und Mord und Überfall sind guuut.
Hoch vom Galgen klingt es
Hoch vom Galgen klingt es, Raub und Mord und Überfall sind guuut ..."

Unruhig wälzt sich Alberta von der Rücken- in die Bauchlage und wieder zurück. Was gäbe sie jetzt dafür, neben einem altdeutschen Ehebrocken zu liegen, den sie aus dem Schlaf rütteln und anmotzen könnte: „Geh rüber und beschwer dich!“
Stattdessen kramt sie in ihrer Nachtischschublade und sucht nach der Schachtel Oropax. Komisch, denkt sie, während sie sich hermetisch vom Rest der Welt abschirmt: Dabei haben die kleinen Arschrampen bei ihrem Einzug noch so harmlos ausgesehen wie die Stubenbesen …!

Einige Stunden später schreckt Alberta aus unruhigem Schlaf hoch: Weltuntergang!
Die rosa Geräuschabdichter hängen ihr auf Halbmast aus den Ohren, ihr Haar hat sich elektrisiert aufgestellt. Mit schreckensweiten Augen starrt sie ins Dunkel, wo gutturale Rülpsgesänge und entfesselte Falsetts, die geradewegs aus der Hölle zu kommen scheinen, durch die Wand dringen.
Es klingt, als habe jemand Hyronismus-Bosch-Bilder vertont: Bands wie „Freitod“ und „Luzifers Order“ brüllen ihre Harmageddon - Fantasien ins Mikro.
Mit zitternder Hand tastet Alberta zum Lichtschalter.
Nachdem sie sich vergewissert hat, dass die Welt nicht untergeht, sondern nebenan nur akustisch eine schwarze Messe zelebriert wird, schiebt sie energisch ihr Deckbett zur Seite. Um vier Uhr früh „Zeit des Gemetzels“ anhören zu müssen, ist nun wirklich zu viel!

Sie mus erstmal runterkommen - und ausgiebig frühstücken: Mit klassischer Musik auf den malträtierten Ohren!
In der Küche inspiziert sie den Inhalt ihres Kühlschranks. Alberta braucht jetzt Nahrhaftes!
Vor ihrer Haustür okkupieren Jugendliche den Flur, dort scheint einiges außer Kontrolle zu geraten: Der Geräuschkulisse nach sind alle ordentlich abgefüllt … vermutlich will man sich auf der Flurtreppe ein paar Stellungen aus dem Komasutra beibringen ...
Schrille Mädchenstimmen kreischen Unflätiges und erweisen sich als nicht beischlafkompatibel. Einige Möchtegern-Hulks lassen daraufhin ihren Frust an den Briefkästen aus.
Alberta sieht zur Küchenuhr: Morgens, halb fünf, in Deutschland ...
Auch die letzten Gäste verlassen die Wirkungsstätte des Grauens, nebenan läuft die Musik im Endlosmodus.

Nachdem Alberta geduscht und sich angezogen hat, startet sie einen Rundruf bei ihren Nachbarn – mit Ausnahme der Neuen nebenan. Die Gespräche sind kurz, man lacht und ist sich schnell einig.
Versonnen steht Alberta anschließend vor ihrer Stereo-Anlage und durchforstet ihre CD-Sammlung. Dort findet sie jedoch nicht das Richtige. Sie kramt so lange in Schubladen, bis sie einen Fund herauszieht, die ihr sichtlich gefällt: Ein spitzbübisches Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie die CD der „Oberkrainer Volksmusikanten“ auflegt, auf „maximale Lautstärke“ einstellt und auf „endlos“ drückt ...

Eligst ergreift sie Tasche und Mantel und verlässt ihre Wohnung – um an der Wohnungstür der jungen Feierfreunde Sturm zu klingeln.
Keine Reaktion. Vermutlich ist man inzwischen mit dem Kopf in der Kloschüssel oder im Kartoffelsalat eingenickt ...
Alberta klingelt zuversichtlich weiter. Nach einer Weile ist drinnen Gepolter zu hören, dann wildes Fluchen und Flaschenklirren.
Als Alberta auf die andere Hand wechselt, weil ihr Klingelfinger einzuschlafen droht, wird die Tür aufgerissen:" Ey, was soll der Scheiß, Mann?!"
Ein junger Kerl in Unterhosen und verwahrloster Frisur starrt sie feindselig an.
"Schönen guten Morgen", flötet Alberta.
Der Bursche kratzt sich die zerstauste Mähne und kneift seine Augen vor dem grellen Flurlicht zusammen: "Und ...?"
"Ich wollte nur, dass Sie Bescheid wissen: Ich bin jetzt mal wech!" Albertas Mundwinkel meyseln einen ältere-Damen-Charme.
Der Ungekämmte stützt seinen tätowierten Arm am Türrahmen ab: "Und, was geht mich das an, ey?"
"Na, Sie haben mich doch die letzten vierundzwanzig Stunden so nett an Ihrem Leben teilhaben lassen … da wollte ich mich jetzt mal revanchieren und Sie auch mal unterhalten. Leider ist meine Anlage schon etwas älter und hat nicht so tolle Bässe wie Ihre – aber schön laut ist sie auch ...

Verdutzt horcht der Unrasierte in den Flur. Aus Albertas Wohnung trompeten, posaunen und jodeln die Oberkrainer Volksmusikanten, dass die Fliesen im Flur vibrieren.
Alberta lächelt verzückt: „Schön, nicht? Da wird man doch gleich frisch und munter am Morgen! Ach, apropos: An Ihrer Stelle würde ich gar nicht erst versuchen, zu schlafen. Gleich fängt der Herr Schröder über ihnen an: Zu bohren. Der renoviert so gerne …
Nur die Frau Schröder, die ist leider so lärmempfindlich. Sie schreit immer so. Die Demenz, wissen Sie ... Deshalb will er sie gleich zu Ihnen bringen. Sie sind ja noch jung und mögen bizarre Geräusche, wie wir heut Nacht hören konnten ...
Auch Ihre Nachbarin, links neben Ihnen, will Sie besuchen: Ihre vier Kinder sind schon ganz wild auf Sie - bei Ihnen dürfen sie sicher schön laut und krawallig spielen ...
Apropos Geräusche: Ist das ihr Auto, das immer so laut aufheult, wenn Sie Gas geben? Sind Sie doch so nett und fahren unseren Opa Specht aus dem ersten Stock um zehn Uhr zu seinem Arzttermin. Ich mach` das ja sonst, aber heute kann ich leider nicht - ich hab` einen Termin zur Massage: Leider schlafe ich in letzter Zeit so schlecht ...
Ach, noch etwas: Legen Sie etwas Zeitungspapier auf Ihren Beifahrersitz. Sicherheitshalber. Opa Specht könnte ein klitzekleines bisschen auslaufen, falls die Fahrt zu rasant wird, Sie wissen schon:Inkontinenz …!“
Alberta lächelt wie die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch.
„Ach, Sie ahnen ja nicht, junger Mann, wie wir uns hier alle darauf freuen, Sie jetzt auch Tag und Nacht an unserem Leben teilhaben zu lassen …!“

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Dienstag, 6. Februar 2018
Ausgerechnet Sylt
Jede andere Frau hätte trunken vor Wonne Heim und Brut verlassen, ihre Scheckkarten gezückt und wäre mit dem bewilligten Kur-Antrag ab nach Westerland.
Doch sie stiert unmotiviert in ihren Kleiderschrank und konstatiert, dass sie klamottentechnisch allerhöchstens für eine meerumtoste Hallig oder ein sturmgebeuteltes Friesendorf gerüstet wäre – sie besitzt weder Hermes-Tüchlein noch Gucci-Sonnenbrille, mit der sie bei einer Magnum Pommery Brut im Sansibar auf Sylt abhängen könnte.
Am nächsten Tag stapft sie entschlossen durch Schnee- und Hagelstürme zur Krankenkasse ihres Vertrauens und erklärt dem Sozialversicherungsfachangestellten, dass die Bewilligung ihrer Reha ja nett gemeint sei, sie ihre Atemwegserkrankung doch lieber im Westerwald statt in Westerland auskurieren möchte.
Der Sachbearbeiter für die Buchstaben S-Z sieht sie an wie jemanden, der sich über Geschenke einfach nicht freuen kann: "Ich rate Ihnen dringend, nicht ohne triftigen Grund abzusagen. Wir haben Mitglieder, die schwer erkrankt sind und jahrelang auf einen Kurplatz warten."
Draußen klatschen eisige Graupelschauer ans Fenster. Sie atmet ein. Sie atmet aus. Ihre Bronchien fiepen "Kapitän von Bord". Sie nimmt einen Hub aus ihrem Inhalator, räuspert sich und sagt: "Verstehe: Wat mut, dat mut!"
Sich ihrem Schicksal ergebend versichert sie dem Angestellten, dass sie sich jetzt vor Freude kaum halten könne, bald aktiver Kurgast auf Sylt im Kreise der großen ASKLEPIOS - Familie sein zu dürfen. Außerdem könne man den Satz: „… als ich Zweitausenddrei nackt in den Sylter Dünen gelegen habe …“, ganz gut in seiner Biografie gebrauchen.
„Blöd nur, dass sie im Februar dort hinfahren“, meint der Angestellte säuerlich und händigt ihr den Reha-Antrag aus: "Einen angenehmen Aufenthalt auf Sylt!“



Die Zugfahrt von Köln bis Hamburg hat sie verdöst und ist erst wieder auf dem Hindenburg-Damm so richtig wachgeworden. Verwundert reibt sie sich die Augen und staunt nicht schlecht: All överall Nordsee ringsum: Wenn dat mol nich gediegen is`…!
Gleich nach ihrer Ankunft in der Reha-Klinik wird ihr im Speisesaal von einem Service-Mitarbeiter ein Tisch gezeigt, auf dem bereits ihr Namensschild aufgestellt ist. Unter ihrem Namen steht „Reduktionskost“. Das erinnert sie an ihre erste Kur an der See, als kleines Mädchen. Damals sollte sie noch an der Seeluft groß und stark werden - und alles essen, was auf den Tisch kam.
Heute ist sie das, was man mit einigem Wohlwollen "gut sichtbar" nennen kann. Deshalb hat die kranke Schwester bei der Eingangsuntersuchung wohl auch „adipös“ in ihrer Akte vermerkt. So ändern sich die Zeiten. Aber scheinbar nicht der übergriffige Charakter einer ärztlich verordneten Reha: Kaum angekommen, ist die Selbstbestimmung per du…
Sie ahnt bereits: Zu viel Fremdbestimmung wird ihren infantil-trotzigen Widerstand wecken – und sie zum gern gesehenen Gast sämtlicher Fress-Tempel zwischen Wenningstedt und Westerland machen ...

In ihrem spartanisch eingerichteten Zimmer studiert sie erst einmal in aller Ruhe den Hochglanz-Klinikprospekt. Zu ihrem Erstaunen entdeckt sie, dass sich im Anbau der Rehaklinik sehr schick und nobel eingerichtete Suiten mit Balkon und Meerblick befinden: Für Selbstzahler - nicht für Kassenpatienten. Denen macht man unmissverständlich mittels rigider Hausordnung klar, dass sie zur Reha geschickt wurden, nicht Kur. Erholung und Wellness steht hier wohl nur Privatpatienten zu. Die medizinische Leitung scheint jedenfalls fest entschlossen, ihre Rehabilitanten nicht in den Dünen brachliegen zu lassen: Ein straff organisiertes Sportprogramm und diverse Heilanwendungen sind ganztägig abzuarbeiten. Mangelnde Compliance in Form unerlaubten Alkoholgenusses, ungebührlichem Geräuschpegel oder romantischer Kerzenbeleuchtung auf dem Zimmer wird von der Klinik-Polizei mit Abschiebung geahndet.
Sie hatte es ja gewusst: Sylt ist nix für sie ...!
Mäßig begeistert packt sie ihre Koffer aus: Einschlägige Ware für den frühen Sylter Kurgast: Winter-Daunenjacke, Stiefel, Pudelmütze, warme Unterwäsche … und einen blau-weiß gestreiften Dittsche-Bademantel. Danach geht sie erstmal gucken, was die Nordsee so macht …


Mitten in der Nacht um sieben Uhr dreißig, schlurfen am nächsten Morgen kleine Grüppchen sportiv Gekleideter durch die Klinik. Frühturnen ist angesagt: „Rhythmische Früh-Gymnastik mit Frauke“.
Die erklärt auf friesisch-herbe Art, während sie Bälle, Keulen und Seile austeilt, dass es erst Frühstück gibt, nachdem Mensch und Material dreißig Minuten zum Einsatz gekommen sind.
Gleich nach dem Frühstück geht` s ab ins Reizklima: „Power-Walken mit Imke“. Erst gegen den Wind von Wenningstedt runter nach Westerland, dann mit Rückenwind von Westerland rauf, Richtung Wenningstedt. Nach einigen Tagen ersehnt man eine Alternative. Doch man ist ja auf einer Insel ...
Nach dem Walken schließen sich in bunter Reihenfolge diverse Vormittags-Termine an: Physiotherapie bei Sven, Yoga mit Henning, Sandliege bei Silke, Hydro-Jet bei Malte, kneippsches Wassertreten bei Ole, Atemgymnastik mit Birte, Muckibude mit Hinnerk …und last but not least: Inhalieren bei Sören: Fiepst du noch oder atmest du schon?

Nach dem Mittagessen schleppen alle ihre vollen Ranzen zum Tai Chi bei Wibke. Die mit der Reduktionskost haben ein gutes Chi, alle anderen liegen bei der anschließenden „Achtsamkeitsmeditation mit Heike“ übersäuert auf der Matte - mit und ohne lustige Schnarchgeräusche.
Anschließend muss in Windeseile die Sporttasche fürs Schwimmbad gepackt werden. Dort wartet bereits Schwimmnudel-Fiete mit der Aqua-Fitness. Mit einer Kleingruppe adipöser Mitstreiter werden sie mit Aqua-Jogging-Gürtel, Schwimmnudel und Kick-Box-Handschuhen zu Wasser gelassen und bewegt: DER Burner!
Am Spätnachmittag hastet sie mit nassen Haaren durch die Klinikflure, um noch rechtzeitig zur psychologischen Gesprächsrunde mit Frau Dr. Hansen zu kommen. Wer mag, kann hier tabulosen Seelenstriptease zelebrieren. Während andere ihr Leben ausbreiten, übt sie sich in teilnehmender Beobachtung und empathischem Schweigen. Danach erwartet man sie und andere Neuankömmlinge zum Gesundheitsvortrag von Herrn Professor Wedekind: „Teilnahme erwünscht!“
Der Professor sieht nicht gerade aus wie Doktor Strunzgesund aus der Schwarzwaldklinik. Selbstbewusst trägt er sein kugelrundes Bäuchlein vor sich her. Er darf das: Er ist Arzt. Wenn auch kein guter Werbeträger für Knäckebrot und Müsli, die er im Vortrag den Adipösen wärmstens ans Herz legt. Gefühlte Stunden referiert er über die bronchialen Wonnen eines täglichen Dauerlaufs entlang des Küstensaumes und gastroenteritische Wonnen eines Heb-Senk-Einlaufs zur Entschlackung.

Beim Abendbrot um achtzehn Uhr bespricht sie matt mit ihren den Tisch - und Leidensgenossen das abendliche Programm. Heute ist Ergotherapeutin Ute im Angebot: Töpfern und Korbflechten, bis der Arzt kommt … oder Volkstanz mit Inken. Man munkelt, da gingen nur postmenopausale Frauen hin, um dort eine Deppen-Choreo einzustudieren und händchenhaltend im Kreis zu veitstanzen. Kommt also beides nicht in Frage. Stattdessen findet sich am Abend eine kleine Schar Abtrünniger bei Fisch-Gosch in Westerland ein. Beim anschließenden Absacker in einer kleinen Kneipe gesellt sich ein hochgewachsenes Alphamännchen mit gepflegtem Erscheinungsbild und holländischem Akzent an ihre Seite. Und bleibt …
Er lässt sie wissen, dass er Jan-Willem van Helsen heißt, aus den Niederlanden stammt und in Bad Tölz hochpreisige Küchen vertickt. Als privater Kurgast residiert er in der gleichen Kurklinik wie sie – nur schöner. Generös lädt er sie zu einem Schnäpschen ein - und zu einer Besichtigung seines Luxusappartements in den nächsten Tagen. Das gibt ihr gleich das schöne Gefühl, minderprivilegiert zu sein. Auch weil Jan-Willem damit angibt, dass er in seiner Freizeit den Golfschläger schwingt und über einen imposanten, vierrädrigen Männerverschönerer verfügt, den er ihr neben anderem Bildmaterial: Mein Haus! Mein Garten! Meine Kinder! Mein letzter Urlaub! via Smartphone zur Ansicht unterschiebt.

Höflich nippt sie an dem spendierten Schnaps, lächelt sparsam über seinem Smartphone und überprüft dabei unauffällig mit der Zunge, ob nicht noch Matjesrestchen an ihren Zähnen kleben. Unterdessen ergeht sich Jan-Willem in detaillierte Schilderungen seiner Stirnhöhlen – und Atemprobleme. Fehlt nur noch, dass er ihr jetzt seine Verdauungsprobleme schildert!
Bevor das geschehen kann, wird sie von ihm zu einem Tänzchen aufgefordert. Beim Discofox geht aber beiden schnell die Puste aus. Lachend und verschwitzt lassen sie sich wieder auf die Barhocker plumpsen. Nach einigen Gläschen Schampus nennt sie ihn ihren "fiependen Holländer" und er sie „mijn schat“.
Zusammen mit den anderen Gästen und den "Ärzten" wird der Westerland-Song gegrölt, bis sie heiser sind, um sie herum steppt der Sylter Bär: Man tanzt auf dem schmalen Grat zwischen „noch nicht“ und „vielleicht“. Man klönt und trinkt sich gegenseitig beischlafkompatibel. Zwischendurch werden Matjes-Brötchen und Schampus geordert: "Noch `ne Runde, Frau Wirtin: Vor Mitternacht müssen wir im Klinikbettchen liegen - muss ja nicht das Eigne sein, wuharr, harrr ...!"

Am nächsten Morgen erscheinen die Feierfreunde sichtbar verkatert und vergrätzt zum Frühturnen. Frauke grinst, als sie die Untoten erblickt und verteilt unbarmherzig die Keulen: „Wer lange feiern kann, kann auch lang schwingen! Aufgepasst, Herrschaften: Und eins und zwoo …!“ Während das Gerät geschwungen wird, wünscht so mancher im Stillen die blonde Frauke an diesem Morgen auf einen fernen, ungastlichen Planeten …
Nur der fiepende Holländer Jan-Willem schwingt dermaßen beflissen die Keulen, dass in ihr langsam der Verdacht aufkeimt, dass er sie beeindrucken will. Warum ausgerechnet mit rhythmischer Sportgymnastik, bleibt ihr ein Rätsel.
Als Jan sie dann am Morgen – und später am Mittags-Buffet betreut, beim Power-Walken vor ihr hermarschiert und dabei auffällige Hüftarbeit demonstriert, ihr bei der Physiotherapie und beim Inhalieren galant den Vortritt lässt, ihr beim Thai Chi "die Wildgans breitet ihre Flügel aus" vorturnt, bei der Aqua-Fitness devot die Schwimmnudel reicht, in der Psycho-Gruppe neben ihr sitzt und teilnahmsvoll mitschweigt und sie beim drögen Vortrag von Professor Strunzgesund mit Mineralwasser versorgt, geht ihr langsam ein Licht auf: Der mittelalte Holländer ist im Flirtmodus!

Als sie am späten Abend in der kleinen Kneipe mit einer Gruppe Frauen aus der Klinik eng beisammen sitzen und er sie mit der Selbstverständlichkeit eines Galans flankiert, nimmt sie ihn im allgemeinen Trubel, leise flüsternd ins Kreuzverhör:" … und falls du hier nur rückgratlose Weibsbilder suchst, die du abschleppen kannst, Jan-Willem: Denk nicht mal daran! Jedenfalls nicht, was mich betrifft!"
"Warom niet?" erwidert Jan, lächelt unwiderstehlich und atmet tief und begehrlich den Duft ihres Parfums ein.
"Weil du bereits einen Ehevertrag mit deiner Frau abgeschlossen hast: Vor des lieben Gottes Antlitz in einer Bad Tölzer Gnadenkapelle!“
„Bad Tölz is so weit wech – un ik ben hier altijd zo alleen …!“ flüstert er ihr ins Ohr und knabbert dabei ganz zart an ihrem Ohrläppchen.
„Wenn du dich schon nach ein paar Tagen ohne deine Frau so einsam fühlst – warum rufst du sie nicht an, sie soll sofort herkommen?“, fragt sie und lächelt dabei süffisant.
"Ik zou liever bij je zin‎!", raunt der niederländische Frauenflüsterer.
Was für ein sexy Dialekt! Sie muss sich räuspern. "Hmm. Verstehe: Morgens Fango, abends Tango …?"
"Je bent schattig! Kom naar mijn kamer - da zin wir nich` so gestört." radebrecht er und lächelt dabei verführerisch.
"Ja. Nee. Ist klar: In deine Suite - NACH Mitternacht …!"
"‎Ben je bang?"
"‎Ich hab` keine Angst … sagte das Rotkäppchen und guckte ganz lieb!"
"Oh, maak je geen zorgen, ik will niet met je slapen. Ik ben impotent."
" …? "
"Seit die Sache mit die Prostata …"
Zu viele Informationen, denkt sie. Zu viele Informationen!
"Ik geh ganz open um damit."
Ja, denkt sie. Leider.
"Ik will alleen met jou zijn en knuffelen …“
Kuscheln? Das letzte Mal, als man(n) sie zum „kuscheln“ eingeladen hat, da trug sie noch Zöpfe! Was will dieser Typ eigentlich? „Verheiratet“ ist in ihren Augen kein Gütesiegel oder Zeichen, dass jemand kein Ladenhüter ist. Sie ist gerade glücklich geschieden – was sie jetzt ganz und gar nicht braucht, ist ein Fern-Konkurrenzkampf mit einer Bad Tölzer Ehefrau. Sie war selber mal eine. So viel Frauen-Solidarität muss sein.
Andererseits: Wenn er impotent ist … wäre es ja nur ein kleiner Flirt …
Der fiepende Holländer mit der erektilen Dysfunktion versprüht einen Verkäufer-Charme, der sie irritiert. Versonnen schaut sie ihm nach, als er von zwei Frauen aus ihrer Gruppe aus dem innigen Gespräch gerissen und auf die Tanzfläche gezogen wird. Sofort gibt er den gut gelaunten Tanzbär, der sich wendig auf dem Tanzparkett bewegen kann. Ständig schaut er zu ihr hinüber und zwinkert ihr zu. Ein Womanizer, der es darauf anzulegen scheint, bei Frauen gut anzukommen. Ab heute ist sie wohl die Einzige, die ahnt, warum …

Auf dem Heimweg über die Strandpromenade legt er galant seinen Arm um sie. Ihre anschmiegsame Seite fühlt sich wohl und besonders begehrt im Arm eines gutaussehenden Mannes, der charmant um sie wirbt. Seine Aufmerksamkeit tut ihr gut. Schön, wenn das Ego gestreichelt wird …
Eine andere, rationalere Seite rät ihr, auf der Hut zu bleiben.
Er geht sehr langsam, die anderen aus der Gruppe sind bereits weit vorausgegangen. Fürsorglich stellt er den Kragen ihrer Windjacke hoch, damit sie besser vor dem kalten Wind geschützt ist. Dabei flüstert er: „Ik woon al zo lang alleen, voor mij zou het spannend zijn om naakt naast jou te liggen!“
Whow. So etwas hat ihr schon lange keiner mehr gesagt: Dass es für ihn aufregend genug wäre, nackt neben ihr zu liegen. Sie kichert dümmlich. Ihre letzte Affäre war eine Verhängnisvolle und ist schon einige Zeit her. Um ehrlich zu sein: Eine Ewigkeit …

In den folgenden Tagen unternimmt sie mit Jan weitläufige Spaziergänge durch die Dünen. Sie machen Besichtigungstouren mit dem Rad in die nähere Umgebung, nehmen an Rundfahrten um die Insel teil. Seit man sie auf Reduktionskost gesetzt hat, ist sie leicht verführbar. Beispielsweise durch frisch gebackenen Sylter Käsekuchen. „Für ältere Menschen soll Essen ja der neue Sex sein!“ winkt sie lachend den Kellner herbei. Bei Kaffee und Kuchen lässt es sich so schön heftig debattieren: Je wortkarger Jan-Willem sich verteidigt, umso mehr lamentiert sie und regt sich auf. Zum Beispiel über seine lauwarme Ehe: Die sei, so sagt er, nicht so kalt, dass man friere aber auch nie so heiß, dass das Blut in Wallung gerate.
Sie gehört zur sinnenfrohen Fraktion, die entweder eine leidenschaftliche, lebendige Beziehung hat – oder keine. Beides mit Genuss und Überzeugung. Sie kann sich nur in Beziehungen wohlfühlen, in denen es geistige, seelische oder körperliche Übereinstimmung gibt. Deshalb kann sie nicht verstehen, dass Jan stoisch in einer Ehe verharrt, die nur noch ein Nebeneinander statt ein Miteinander ist. Er versucht, seine Inkonsequenz zu verteidigen: Er habe doch seinen gut bezahlten Job, vielseitige Interessen … und die Golfplätze dieser Welt. Warum also gesellschaftliches Ansehen und sozialen Status gefährden? Außerdem wären da ja noch die gemeinsamen Kinder …
Damit bestätigt Jan-Willem nicht nur eines ihrer Vorurteile gegen Kurschatten: Fremdflirtende, verheiratete Männer sind feige.


Nach zwei Wochen Inselkoller werden die beiden von vielen Kurgästen für ein Paar gehalten, weil man sie nur zusammen sieht. Tolles Paar! amüsiert sie sich im Stillen: Ich kann, aber will nicht – er will, aber kann nicht!
Einige Frauen schauen ihnen neidisch hinterher, wenn sie Hand in Hand am windumtosten Meeressaum entlang stapfen oder an einer Fischbude heiße Grogküsse austauschen. Auch das genießt sie inzwischen – mehr als sie zugeben mag. Um einen Mann beneidet zu werden, ist gut fürs Ego.
Außerdem fühlt sie sich in männlicher Gesellschaft wohler als in weiblicher - und es ist schöner, gemeinsam etwas zu unternehmen. Das hat sie sehr vermisst: Wohin sie auch geht – immer ist jemand dabei, mit dem sie sich direkt austauschen kann. Sie ist ein kommunikatives Wesen, sie liebt es, jemanden zum Klönen und Lachen an ihrer Seite zu haben oder, dick eingemummelt im Strandkorb, bei einem Glas Wein miteinander die erste Frühlingssonne zu genießen. Auch Jan-Willem unterhält sich gerne – vor allem mit Frauen. Für ihre Tischnachbarinnen, die sie abends gerne mitnehmen, macht er ebenfalls den gut gelaunten Tanzbär und Unterhalter.
Mit nie gekannter Großzügigkeit gönnt sie ihm seine kleinen Flirts mit anderen Frauen. Sie kann sich ja denken, warum dieser Mann permanent auf der Suche nach Bestätigung und Aufmerksamkeit ist. Da er sie tagsüber immer bevorzugt beflirtet und sich aufmerksam und wertschätzend ihr gegenüber verhält, besteht für sie kaum noch Anlass, allzu misstrauisch zu sein. Obwohl Jans offener Umgang mit seinem Handicap und seine ausdauernde Flirtbereitschaft in ihr auch ambivalente Gefühle wecken. Was will dieser Mann wirklich? Und was will sie? Einerseits will sie nicht zu weit gehen, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen oder aufdringlich zu erscheinen. Andererseits bittet er sie jeden Abend, noch mit zu ihm in sein Appartement zu kommen um, wie er es sagt: „Goede nacht“ zu sagen.“
Manchmal fühlt sie sich regelrecht provoziert und herausgefordert, nachzuprüfen, ob seine angebliche Impotenz nicht vielleicht nur eine Erektionsstörung ist – die mit einer bestimmten Sexualpartnerin zu tun hat: Seiner Frau. Vielleicht kann und mag er nur bei seiner Frau nicht (mehr)? Und sie könnte ihm zu einer befriedigenden Sexualität verhelfen … sie, die Sexgöttin: Tschakka!

Eines Abends sinniert sie wieder vor dem Badezimmerspiegel, was Jan-Willem wohl unter "kuscheln" verstehen mag. Ein heißes Vorspiel kann wohl nicht gemeint sein. Kein Mann würde einer Frau erst Appetit machen - um ihr dann den Braten vor der Nase … Allmächtiger, ich denke nur noch ans Essen! Grinsend legt sie etwas Nachtcreme auf. Während sie sich bettfertig macht, überlegt sie, warum Jan wohl jeden Abend solchen Wert darauf legt, dass sie abends noch zu ihm aufs Zimmer kommt. So etwas wünscht man(n) sich doch nur, wenn er auf einer Mission possible ist - nicht auf einer Mission impossible!
Sie ist eine erfahrene Frau – doch hat sie im Urlaub jemals einen Mann auf seinem Zimmer besucht, ohne anschließend Sex mit ihm zu haben? Wenn Jan tatsächlich impotent ist, wäre das ihre erste Erfahrung – mit einem Mann, der ein Handicap hat. Vielleicht der Beginn einer ganz großen Freundschaft?

Sie glaubt, dass die Dinge sich nie so entwickeln, wie man es erwartet. Und erteilt sich dahingehend psychologische Absolution, dass die Suche nach einfühlsamem Verständnis, Zärtlichkeit und Nähe menschlich ist und in Anbetracht der Situation hier niemandem weh tut. Deshalb macht sie sich heute mutig auf den Weg, um ihrem fiependen Holländer an diesem Abend tatsächlich mal „eine gute Nacht" zu wünschen. Kritisch betrachtet sie sich im im Spiegel: Nachthemd, das geht gar nicht! Zu sexy! Sie entscheidet sich für die sportlichere Variante, ihren Jogging-Anzug. Der würde sich auch besser machen, falls ihr auf dem Weg durch die schwach beleuchteten Flure jemand begegnet.

Als sie dann vor Jans Appartement steht, ist sie nervös: Und wenn er doch abgeschlossen hat? Vorsichtig drückt sie die Türklinke. Tatsächlich ist die Tür nicht verschlossen: „Für DICH ist meine Tür immer offen ...!“
Als sie den kleinen Flur seines Appartements betritt, dringt aus dem gegenüberliegenden Raum leise Musik und gedimmtes Licht.
Hoffentlich schläft Jan noch nicht! Auf Zehenspitzen tapst sie auf die angelehnte Tür zu. Sie möchte ihn nicht aufwecken. Falls er schon schläft, wird sie ihm einen Kuss auf …
Was sie nun zu sehen bekommt, trifft sie mit der Wucht eines mittleren Erdbebens.
Dabei bildet der nackte Hintern des fiependen Holländers das Epizentrum. Wem der mächtige Frauenhintern gehört, den er mit beiden Händen umfasst und gerade bearbeitet, ist nicht festzustellen.
Zu hören sind eindeutige weibliche Beifallsbekundungen: “Aaah, jaaa, oh mein Gott, Jaaan ...!“
Sieht ganz danach aus, als sei der Golfer Jan gerade dabei, sein Handicap zu verringern und einzulochen.
Mit total verblüfftem Schamgefühl bleibt sie wie angewurzelt im Türrahmen stehen. Mit zitternder Unterlippe stammelt sie: "Du … du … Sackgesicht!"“

Als sie mit wild pochendem Herzen eiligst die Flucht ergreift und durch die langen Flure hastet, fasst sie den grimmigen Entschluss, morgen früh bei der rhythmischen Sportgymnastik dermaßen die Keulen zu schwingen und dabei diesen Matjeskopp von einem Holländer versehentlich zu entmannen …

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Sonntag, 4. Februar 2018
Highway to Ayurveda
In letzter Zeit verbreiten sich unter ihren Kollegen immer häufiger arbeitsbedingte Erschöpfungen. Bei sich selbst diagnostiziert sie schlimmere Symptome: Eine generalisierte Arbeitsplatzabneigung bei Annäherung oder Gedanken an ihren Arbeitsplatz oder arbeitsplatzassoziierte Stimuli wie Kollegen, Vorgesetzte ...
Eine Vermeidungstherapie in Form einer längeren Reise und eines zweiwöchigen Wellness - Urlaubes scheinen ihr angebracht: Sündhaft teuer und in der meditativen Abgeschiedenheit eines Ayurveda-Reservats: Man gönnt sich ja sonst nichts!
Aus dem verrückten Treiben dauernder Geschäftigkeit zieht es sie in die „Erlebnisregion Elbtalaue Wendland, eine einmalige Urlaubslandschaft mit Elberadweg und fünf ausgezeichneten Wanderwegen …“
Indische Naturheilkunde und auch das Wendland sind für sie bisher unbekanntes Terrain. Sie gibt dem Wendland dem echten, wahren Ayurveda in Indien den Vorzug, weil sie befürchtet, das übervölkerte Indien könne sie vermutlich nervlich als auch finanziell komplett ruinieren.
Ob durch Alltagsgeschäfte gleichgültig geworden oder im Sturm und Drang des Anfängergeistes - bucht sie im Voraus das volle Programm: Von Stirnguss bis Synchronmassage, inklusive strengster Entschlackungsdiät: All you can Ayurveda, sozusagen.
Ein klitzekleines bisschen Panik wird auch dabei gewesen sein, in völliger Ereignislosigkeit einfach nur brachzuliegen. Der Hochglanzprospekt informiert: Keine Annehmlichkeiten einer nahegelegenen Zivilisation. Handys, Smartphones, Laptops nicht erwünscht. Kein TV, kein Alkohol, kein Tabak, kein Naschwerk - nur Einzelzimmer ohne nennenswerten Ausblick. Dafür aber Einläufe, Glaubersalz und Ingwer-Tee gratis so viel man möchte - oder kann ...


Als sie als einziger Reisegast an einem menschenleeren, verrottenden Bahnhofsgebäude aussteigt, ahnt sie, dass diese spezielle Mischung aus bäuerlicher Struktur mit Kartoffelanbau, so weit das Auge blicken kann und altindischer Gesundheitslehre eine Herausforderung sein wird.
Zunächst scheint es erst einmal darum zu gehen, hier draußen in der Pampa einfach nur zu überleben. Die Erkältung, die sie seit Wochen mit sich herumschlleppt, hüllt sie ein in eine Art Duldungsstarre. Sie fühlt sich matt, müde und marode - eigentlich ist ihr jetzt mehr nach einer Woche betreutem Wohnen auf der mütterlichen Couch (dazu: Kohlrouladen in Rotweinsauce mit Erbsenpüree, Vanillepudding mit Amaretto-Kirsche)zumute ist – und nicht mehr nach Darmsanierung, Entschlackung und Entsagung …

Das Ayurveda-Reservat besteht aus einem Rundlingsdorf aus mehreren sanierten, reetgedeckten Bauernhäusern. Nach dem Einchecken betrachtet sie ihr holzvertäfeltes Gästezimmer, das an eine Sauna erinnert, in die man Bett, Schrank, Stuhl, Tisch geschoben hat: Kein gemütlicher Schnickschnack, nur blankgeputzte Nichtrauchersiute.
Unmotiviert packt sie ihren Koffer aus und sortiert das Medikamentensortiment auf ihren Nachttisch: Grippolan-Erkältungstropfen, Rhinozid- Nasensalbe, Medi-Day-and-Night-Erkältungssaft extra-strong, Broncholind-Hustentropfen, Fung-Kuh-Heilpflanzenöl … alles schnell noch auf der Hinreise am Umsteigebahnhof in einer überfüllten Apotheke geordert. Normalerweise nimmt sie nur wenig Medikamente – aber jetzt fühlt sie sich außerstande, den Strapazen des Ayuveda ohne chemische Keule entgegenzusehen.
Da sie kurz vor Ostern gebucht hat, stehen ihr noch zwei Feiertage zur Verfügung, an denen sie sich erholen kann. Sie will jetzt nur noch schlafen …!
Vorher muss sie aber noch an der Rezeption ihre Anwendungstermine checken – dort angekommen, erfährt sie, dass man ihr zum Empfang gleich die Wohltat eines Heb-Senkeinlaufs auf ihrem Zimmer zukommen lassen möchte. Verschreckt fragt sie nach Alternativen. Mit einem warmen Lächeln wird ihr ein Tütchen Glaubersalz gereicht:“ Bitte in reichlich Wasser auflösen und in kleinen Schlucken trinken. Die Lösung bindet im Darm durch Osmose Wasser, wodurch sich der Flüssigkeitsanteil stark erhöht. Je nach Stärke der Dosis, werden Sie in ein bis drei Stunden einen mehr oder weniger starken Drang verspüren …“
Wieder auf ihrem Zimmer, ist sie heilfroh, einer demütigenden Prozedur entkommen zu sein. Nicht ahnend, dass das gallebitter schmeckende Zeug, das sie stattdessen einnimmt, sie die nächsten vierundzwanzig Stunden mehrmals den Erfinder, „diesen gottverdammten Johann Rudolf Glauber!“ zur Hölle wünschen lässt.

Am nächsten Morgen sieht sie sich genötigt, der Ayurveda-Ärztin einen Antrittsbesuch zu machen – nachdem ihr im Frühstücksraum schlecht geworden ist. Ob das die Räucherstäbchen, die gutturalen indischen Gesänge oder das Reissüppchen mit Zimt verursacht haben, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist sie auch wegen des akuten Schlafmangels einfach nur überdreht. Oder etwas dehydriert: Das Glaubersalz hat sie die ganze Nacht wach gehalten - bis sie schließlich entkräftet auf der Badematte eingenickt war.
Die indische Ärztin im purpurroten Sari fühlt Puls, misst Blutdruck, wirft einen Blick in Rachen, Ohren und Pupillen und verordnet im schönsten Pidgin-Englisch: „You have to drrrink a lot of Ingwerrrtea. Not eating, only drrrinking. If you want, you can have a Synchrrronmassage today …
Dann entlässt die junge Ärztin sie mit einem warmen Lächeln und Händedruck in die Feiertage - zu aufwendigeren medizinischen Maßnahmen ist sie nicht Willens oder in der Lage.

Ohne Kraft zur Gegenwehr schlurft die schwächelnde Patientin in Duldungsstarre zurück in ihre holzgetäfelte Saunasuite. Dort krümmt sie sich in embyonaler Haltung unter ihrer Bettdecke zusammen. Wenn ihr kraftloser Blick auf die Toilettentür fällt, summt sie das Mantra: Ommmmmmichmussssssssssnichtschonwiederommmmm …!
Auf dem Rückweg vom Örtchen des Grauens krampft ihr Gedärm, ihr Brustkorb schmerzt, der Husten bellt und ihr Kopf droht fast zu zerplatzen.
Mit dem Ingwer-Tee aus der Thermoskanne spült sie eine Handvoll Medikamente runter, die sie wahllos einwirft – dabei stellt sie fest, dass sie den Geschmack von Ingwer nicht ausstehen kann. Anschließend fällt sie in wirre Fieberträume, aus denen sie schweißgebadet und mit Wick-Medinight-Brodem im ausgedörrten Mund aufwacht.
Es klopft an ihrer Tür: „Zur Synchronmassage, bitte!“.

Im Jogginganzug, der ihr um das zitternde Gebein schlottert, wankt sie zum Nachbargebäude. Dort warten bereits zwei tatkräftige Wendländerinnen darauf, sie synchron zu massieren: Splitternackt. Das mag sie noch weniger, als kannenweise Ingwer-Tee zu trinken: Sich vor bekleidetem Publikum auszuziehen. Außerdem ist der Raum wintertaghell ausgeleuchtet und erscheint ihr eiskalt. Ihre Haut sieht aus wie die eines bratfertigen Huhnes.
Im Hintergrund intonieren indische Frauensingtimmen einen katzenhaften Singsang, während die Masseurinnen ihre Haut mit warmem Öl einmarinieren: Handwarmer Ölregen dröppelt über Hautfalten und fließt in sämtliche Vertiefungen. Sämig schmatzend wird von warmen Frauenhänden synchron eingearbeitet. Leider muss sie permanent husten und bekommt kaum Luft: Wohlige Regression sieht irgendwie anders aus ...!
Zu mehr Hingabe ist sie jedoch nicht in der Lage, obwohl sie nach Kräften bemüht ist, eine Entspannung zu forcieren. Sie möchte die beiden Masseurinnen nicht um das Erlebnis betrügen, sie ins Kraulkoma zu streicheln. Mit aller Kraft reißt sie sich zusammen und täuscht Wohlbefinden vor: Hier ein wohliges Stöhnen, dort ein leises Seufzen …
Nach gefühlten Stunden lässt man von ihr ab und geleitet die glitschig-ölig Nackte unter die Dusche.

Wie sie danach auf ihr Zimmer gekommen ist, daran kann sie sich nicht erinnern, als sie gegen dreiundzwanzig Uhr abends aufwacht. Sie liegt jedenfalls im Bett. Und droht zu ersticken. Ihr Unterbewusstsein hat sie nur geweckt, damit sie bei vollem Bewusstsein den Löffel abgeben kann.
Mit zitternder Hand greift sie zum Medikamentendepot auf dem Nachttisch und spült ihre restlichen Pillen mit viel heißem Ingwertee, in den sie drei Tropfen japanisches Heilpflanzenöl getropft hat, hinunter.
Beunruhigt tastet sie ihren Puls - obwohl das nicht nötig wäre, denn ihr Herz klopft fühlbar und in beunruhigend-rasantem Stakkato.
Nachdem sie ihr verschwitztes Nachthemd gewechselt hat, beginnt sie erbärmlich zu frieren … So zittert sie sich in das Morgengrauen, inzwischen ist es Karfreitag und sie ist sich sicher: Ihr letzter.

Etwas Ähnliches vermutet auch der ärztliche Notdienst, den sie im Morgengrauen herbeitelefoniert: Atemnot, Schweißausbrüche im Wechsel mit Schüttelfrost und Tachykardie: Verdacht auf Herzinfarkt!

Nach etlichen Untersuchungen gibt es im Krankenhaus am nächsten Tag Entwarnung:"Nur eine Lungenentzündung“, versucht der Oberarzt zu beruhigen. „Sie bleiben noch eine Woche bei uns - das kriegen wir schon in den Griff!“
„Und was wird aus meinem sündhaft teuren Ayurveda-Urlaub?“, krächzt sie in einem letzten Aufbegehren, müde und erschöpft von der ganzen Aufregung.
„Ayurveda – hier bei uns, im Wendland?“ wundert sich der Oberarzt
„Und alles im Voraus bezahlt:" jammert sie. "Ayurveda-Stirnguss, Kapha-Diät, Yoga, Meditation, Synchronmassagen, Ayurveda-Blütenessenzen-Bäder …“
Der Oberarzt dreht sich zur Stationsschwester um und grinst perfide: “Schwester Ursula: Unsere Patientin hier hat Ayurveda gebucht. Das kriegen wir doch wohl auch hin: Steht nicht im Abstellraum noch so eine alte, verrostete Zinkwanne …?“

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Sonntag, 28. Januar 2018
Es muss was Wunderbares sein ...
Bestimmte Menschen verkleiden, wenn sie etwas von anderen wollen, als Geben: Anfangs geben sie sich so charmant, zuvorkommend, aufmerksam … dass der Verdacht einer Manipulation nicht aufkommt. Im Gegenteil, sie können sich sehr gut den Anschein geben und dir das Gefühl vermitteln, dich zu verstehen und sich für dich einzusetzen, wie niemand sonst. Sie können dich glauben machen, sich für dich aufzuopfern und nur für dich da zu sein.
Mit der Zeit wirst du das unbestimmte Gefühl haben, ihnen etwas schuldig zu sein und dich verpflichtet fühlen, im Gegenzug auch etwas für sie tun zu müssen …

Denn ihre Liebe ist ein Geschäft, eine Ware Liebe, die –bewusst oder unbewusst – manipulativ und geschäftsmäßig benutzt wird, um von anderen zu bekommen, was sie wollen.
Wenn bestimmte Gegenleistungen für Zuwendung erwartet werden, kann dies bereits als Indiz gelten, wie sehr andere in eigennütziger Weise am Zugewinn interessiert sind, der sich durch eine Beziehung ergibt: Aufmerksamkeit, Zuwendung, Loyalität, Bewunderung …
Es wird sich manipulativ anfühlen, wenn man dir auf eine bestimmte Art schmeichelt und dich lobt, indem man dich auf ein Podest hebt. Du beginnst, dich in ihrer Gegenwart unwohl zu fühlen – weil du dich im Stillen fragst, welche Gegenleistung sie wohl von dir verlangen werden: Anpassung, Willfährigkeit, Unterordnung …?

„Wenn du mich liebst, tust du, was ich will!"
Das sind gefährliche Worte, die einer gefährlichen Einstellung entsprechen: Da ist jemand, der alles tun wird, um seine Bedürfnisse und Wünsche dir gegenüber durchzusetzen. Damit wird die Phase eingeleitet, in der sich jemand das Recht nimmt, dich als Rollen - oder Funktionsträger einzusetzen, der nach seinem Gusto zu „funktionieren“ hat.
Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit versuchen immer, etwas von anderen zu bekommen, indem sie - subtil oder offen - emotionalen Druck ausüben. Ihre stumme Erwartungshaltung ist immer spürbar: sie erwarten, dass man sich ihnen gegenüber auf eine bestimmte Weise verhalten soll.
Der Preis ihrer Anerkennung ist hoch: Während du versuchst, es ihnen recht zu machen, verrätst du dich, deine Wünsche und Interessen - immer dann wird dein Herz einen kleinen Sprung bekommen.

Der größte Fehler, den Narzissten in Beziehungen machen, ist der zu glauben, andere wandeln nur aus einem einzigen Grund hier auf Erden: um ihre Bedürfnisse zu befriedigen – und das auch noch genau so, wie sie es sich vorgestellt haben.

Wenn du beginnst, dich gegen ihre Spielregeln zur Wehr zu setzen, werden sie versuchen, dich eifersüchtig unter ihre Kontrolle zu bringen - ein weiterer kläglicher Versuch, dich dazu zu bewegen, doch noch alles auf ihre Art und Weise zu tun – damit sie sich ein klein wenig sicherer fühlen können.
Manchmal wirst du Mitgefühl haben mit ihnen, denn ihr eifersüchtiges und einnehmendes Verhalten hat den Anschein von Wertschätzung und wirkt nicht ganz so abstoßend wie Manipulation.
Doch manchmal wird dir ihr Gesichtsausdruck und ihr Verhalten schmerzhaft bewusst machen, dass Eifersucht nichts mit Wertschätzung zu tun hat, sondern mit Kontrolle - und eine versteckte Form der Einschüchterung ist.

Ihre unterschwellige Wut und ihr Besitzdenken werden bei dir zu Ablehnung und Groll führen – und zu unzähligen Machtkämpfen. Je mehr sie versuchen, dich „in die Pflicht“ zu nehmen und dir Schuldgefühle einzureden, umso mehr wirst du versuchen, dich ihnen zu entziehen. Um dich zu schützen, wirst du ihnen gegenüber emotional Unnahbar.
Obwohl dir langsam klar wird, dass ihre Manipulationen, ihre Eifersucht, ihr Neid und ihr Kontrollwahn fehlgeleitete Versuche sind, mit ihrer Angst umzugehen, wirst du dich dagegen zur Wehr setzen müssen: Weil du es anderen nicht gestatten solltest, dich zu manipulieren, zu kontrollieren, dich zu instrumentalisieren und dein Leben in Besitz zu nehmen.

Das wird dein Glück und ihr Unglück sein in eurer Beziehung: Irgendwann wirst du erwachsen und mutig genug sein, zu erkennen, dass nichts Wunderbares daran ist, so „geliebt“ zu werden.

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Samstag, 27. Januar 2018
Frauenzimmer
Hin und wieder lege ich Wert klarzustellen: Ich bin ganz anders. Damit das mal klar ist.
Jedenfalls bin ich nicht so eine „Wünsch-dir-was-Else“ wie meine Kollegin: Dieser Lehrerinnen-Typ, der mit dem Gesicht verhütet, ausdrucksarm dreinschaut wie Knäckebrot und in Dienstbesprechungen mit einem Rasierklingenlächeln sagt: „ICH hätte mir mehr a, b,c … und weniger ... x, y ,z von Euch gewünscht!“
Booah.
Warum können solche Frauen nicht dazu stehen, dass sie zu allem und jedem eine Anspruchs - und Erwartungshaltung haben?
Warum positionieren die sich nicht unmissverständlich und sagen nie offen ihre Meinung?
Stattdessen kultivieren sie eine sinnfreie Phrasendrescherei - zu Geschehnissen, die bereits vergangen und daher ohnehin unabänderlich sind, indem sie verbal herumeiern: „Ich hätte mir mehr/weniger/kein/ein/ ... gewünscht!“

Wenn frau schon etwas zu sagen hat: Bitte klar und deutlich. Beispielsweise: „Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an …“ oder: „Dein Ding ist zu groß – für jemanden, der nicht damit umgehen kann.“
Und nicht postkoital rumsülzen „Ich hätte mir an entscheidender Stelle ein klitzekleines bisschen mehr … äh … „Substanz“ gewünscht.“
Und dann per SMS Schluss machen. Mit Smilies: „… und lass uns Freunde bleiben, ja?“

Frauen sollten sich auch abgewöhnen, in Kritikgesprächen permanent zu lächeln.
Und Frauenseminarfloskeln von sich zu geben, diese unerträgliche Seichtigkeit des Schleims: „Ich hätte mir da mehr Initiative und Engagement gewünscht …“
Hmpf.

Ich höre ihn bereits, den Sturm der Entrüstung: Huch. Wie gemein ist das denn?!
Ich kann noch viel gemeiner: Meine beste Freundin ist eine „Hab-keinen-Hunger-Helga“: Immer auf Diät, wenn ich mit ihr Essen gehen will.
Und kaum, dass ich meine Bestellung bei der Servicekraft aufgegeben habe, sagt sie: „Es macht mir ü-ber-haupt-nichts aus, dass du dir ausgerechnet heute, wo ich nichts essen darf, dieses superleckere, superteure Gericht bestellt hast, das ich auch soo gerne mag, ährlich ...!“
Die mir die gute Stimmung und die Vorfreude auf das Schlemmen und den Rotweinrausch vermiest und tapfer und lustlos in ihrem kleinen Salat herumstochert und mit stillem Wasser „Stösschen“ macht.
Und sobald mein Teller serviert wird, gierig guckt. Oder neidisch.
Oder traurig …
Und das mit einer Penetranz, bis ich genervt frage: „Mal probieren?“
Die dann gierig die besten Stücke von meinem Lendenbraten auf ihren Teller bugsiert, sämtliche Garnelen und die drei Jacobsmuscheln aus meinem Gemüse-Arragement pickt, die Spargelköpfe auf meinem Teller abzutzelt, den gesamten Inhalt des Brotkorbes in meine Sauce tunkt, jede meiner Pommes einzeln und mit Fingern von meinem Teller klaut, sich final auch noch mehr als die Hälfte meines Desserts reinschlenzt und dann seufzt: „Booah. Was habe ich heute einen kleinen Magen, ich schaffe ja nicht mal mehr meinen Salat – möchtest du den nicht auch noch aufessen? Wär` doch schade drum …!“

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