Dienstag, 24. Juli 2018
Das Sommermärchen: Ein feuchte-Männer-Traum
Wieder so ein gleißend heißer Sommertag, unzumutbar schön. Ich bin`s nicht. Eigentlich mach` ich im Sommer tagsüber Männerfasten. Aber es hilft ja nix, irgendwann halte ich es nicht mehr aus, wie ein Grottenolm in der abgedunkelten Wohnung zu hocken: Ich muss raus ins Freibad.
Schon der Weg dorthin bringt mich an die Grenze körperlicher Belastbarkeit. Ich gebe das traurige Bild eines verschwitzten, schnaufenden Geschöpfes in ausgelatschten Schandalen ab - die einzigen Schuhe, in denen ich mit angeschwollenen, feuchten Füßen keine Blasen bekomme. Ich bin wohl auch die einzige Frau auf Mittelerde, die bei Vierzig Grad Hitze keine Sommerkleidchen oder Röckchen trägt. Weil sich die Innenseiten ihrer Oberschenkel beim Gehen gerne Hallo sagen – und bei viel Reibung entsteht viel Hitze …apropos Hitze: Bei mir wirkt die nicht aphrodisierend.
Sobald ich mich aus dieser Freibad-Umkleide in Sarggröße herausgepellt habe, kauere ich erstmal mit total verblüfftem Schamgefühl auf einer Sonnenliege und weiß nicht, wo ich hingucken soll: Die meisten Kerle kleidet Nacktheit nicht. Fremde Arschbacken gehören zu fremden Ärschen, die sich mir in Riech- und Greifweite zur Ansicht aufdrängen.
Ich veratme den Geruch dieses Sommers: Chlor, Sonnencreme, feuchte Badehandtücher, Frittenfett ...
Bei steigenden Temperaturen nehmen die Probleme, die ich schon an kühleren Tagen mit Männern habe, überproportional zu: Alles was heißblütig, hitzig oder scharf daherkommt, kann mich mal. Ich vertrage nicht mal mehr harmlose Schwimmbadflirts. Ganze Romane könnte ich schreiben über männliches Elend in Badehosen. Das von hinten drängelt und mich an schwitzende, behaarte Männerrücken vor mir quetscht, wenn wir am Büdchen Schlange stehen.
An sich nichts Schlimmes, speckige Herren, die aussehen wie Shreck im Tanga-Höschen lächle ich heiter an und denke dabei: „Gott, ist das schön, dass ich mit dir keinen Sex haben muss!“
Blöd ist nur, wenn mir der eine oder anderen Herr in let-him-swing-Schlotterbuxe irgendwie bekannt vorkommt - weil wir vermutlich gemeinsam zur Schule oder in die Disco gegangen sind … in den Siebzigern: DEN „all you can fuck“ Siebzigern …!

Scheiße, ist das etwa Bodo - DER Bodo? denke ich, als ich im Schwimmerbecken meine Bahnen ziehe und mich ein männliches, stark bebauchtes und behaartes Exemplar aus der Ferne angrinst. Ich fürchte, er könnte tatsächlich einer meiner zahlreichen Jugendsünden sein - wir hatten ja damals nix, in den Siebzigern, außer Sex and Drugs ...deshalb tauche ich möglichst unauffällig unter zwei nebeneinander schwimmende Ufos (unförmige frauliche Objekte) in Einteilern aus dem Sanitär-Fachgeschäft ab, als mir eine der Senioritas derart in den Magen tritt, dass ich lierweise Wasser schlucken muss und fast absaufe …

Das Leben könnte so schön sein – wenn nicht Sommer wäre. Während ich nach meinem Beinaheuntergang wie ein gestrandeter Wal auf meiner Sonnenliege brachliege, unterhalten sich auf den Liegen neben mir zwei junge, halbnackte Testosteronbündel mit Migrationshintergrund:
Hey, was geht ab, Alta: Auch Eia schaukeln?
Jap, Bruda. Hab` noch Kata von gestan …
Hast du die Bitch gefickt? Hast du, Alta?
Boah, dieses Miststück hat mich da in was reingezogen …“
Muschi.
Hä?
Heißt Muschi, in was sie dich reingezogen hat, Alta! Wuharrr, harrr …
.
Aber der Bademeister unseres Freibades ist dieses Jahr der Burner: Eine Mischung aus dem jungen David Beckham und dem alten George Clooney …und seine gut gefüllte Badehose: Ein Träumchen! Diesem glutäugigen Latino dauernd aufs Gemächt zu starren wäre würdelos – in meinem Alter muss frau das heimlich machen. Gehe also oft ins Wasser. Sehr oft. Gerade, als ich anmutig durchs Wasser kraule und mir dabei verstohlene Seitenblicke auf den Beau gönne, wie er da in Orang-Utan-Pose mit weit geöffneten Schenkeln auf seiner Bank sitzt – springt der übergewichtige Monsterwabbelbauch von Bodo Sohnemann mit einer Angeberarschbombe vom Seitenrand. Vor mir schießt Wasser auf wie von einer Unterwassergranate, dann taucht er direkt vor mir auf, mir seinen Rotz ins Gesicht prustend ...

„Es war nicht das, wonach es aussah“, versuche ich mich später zu rechtfertigen, als der Bademeister Bodo Sohnemann das Wasser aus den Lungen gepumpt hat und der nach Luft japst.
„Ich kenne diesen Mann nicht – und dass ich ihm ins Gemächt getreten habe, tut mir leid, ährlich …!“

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Dienstag, 17. Juli 2018
Mahlzeit!
Mutter hat mich zum Essen eingeladen. Also quasi. Aus ihrer überquellenden Gefriertruhe musste die unterste eingetupperte Ware raus. Bei unserer letzten gemeinsamen Inspektion ihrer Truhe des Grauens vor cirka einem Jahr war ich rigoros zur Tat geschritten und gerade dabei, sämtliche Eisblöcke ohne sicht- und erkennbares Einfrierdatum zu entsorgen, als meine Mutter sich dermaßen lautstark in Rage zeterte und final theatralisch schützend über ihre Gefriertruhe warf - einen Herzinfarkt vortäuschend, um das Schlimmste zu verhindern - dass die Nachbarn Polizei und Krankenwagen gerufen haben …
Noch im Krankenhaus musste ich ihr - in Anwesenheit eines Arztes und zweier Krankenschwestern – quasi an ihrem Sterbebett - in die Hand versprechen, nie wieder etwas in ihrem wohlgeordneten, tipptoppen Haushalt anzurühren oder zu entsorgen. Muss ich erwähnen, wie mich das medizinische Personal dabei ansah?
Nachdem Mutter mir dieses Versprechen abgerungen hatte, stöhnte und weinte sie noch ein Weilchen publikumswirksam vor sich hin. Erst als alle anderen das Zimmer verlassen hatten, wischte sie Patientenverfügung, Pflegevollmacht und Testament beherzt vom Nachttisch, richtete sich zur vollen Würde in ihren Kissen auf und sah mich an:“ Erst mal sehen, ob`s hier im Krankenhaus was Gescheites zu essen gibt – sonst bin ich ruckzuck Morgen wieder Zuhause!“

Wie durch ein Wunder hat sie sich so schnell erholen können, dass sie sich bereits einige Tage später – gerade war ich wieder in meinem Zuhause angekommen – bereits stark genug fühlte, um zum Telefon zu greifen und mich fürs Wochenende zum Essen einzuladen.
Also quasi. Eine Wahl hatte ich eigentlich nicht. Jetzt, wo sie eigenhändig alle alten Lebensmittel aus der Truhe entsorgt hatte, wie sie mir stolz versicherte. Sie habe auch gleich mal ihre Konservenvorräte durchgesehen: Wenn schon, denn schon! Zum Kalbsbraten würde es Erbsen mit Möhren geben - aus der Dose ...
Obwohl ich Angst vor der Antwort hatte, fragte ich:
„Kann es sein, Mutter, dass du mir gerade die Resteverwertung abgelaufener Lebensmittel als wahnsinnig feudales Essen verkaufen willst?“
„Das Kalbfleisch war teuer - sowas kann man doch nicht einfach wegschmeißen!" entrüstete sie sich. "Der Fisch war auch nicht billig!" fügte sie, etwas kleinlauter, hinzu."Ich kann`s erst endgültig sagen, was es gibt, wenn das ganze Zeug hier abgetaut ist …“
Unverhofft wechselte sie zum Frontal-Angriff:„Und du tu`bloß nicht so Etepetete, Frollein!“
Es folgte ein Monolog über die Verschwendung von Lebensmitteln im Allgemeinen - und meine im Besonderen. Ich legte mein Handy auf den Küchentisch, schnitt Zwiebeln für mein Mittagessen, setzte Nudelwasser auf, goß die Blumen ... und als ich damit fertig war, kam auch Mutter in larmoyantem Tonfall langsam zum Ende: „...früher war dir mein Essen immer gut genug! Du hast dich verändert, Kind. Und nicht zum Guten ...“ Geräuschvolles Schnäuzen ins Taschentuch.
"Du gehst immer so verschwenderisch um mit allem ..."
Schweres Seufzen am anderen Ende der Leitung.
"Wenn du den Krieg erlebt hättest wie ich, wärst du froh, überhaupt was zum Essen zu haben. Du bist so verwöhnt und heikel, was Essen angeht ...!"
Auf diesen Tonfall reagiere ich mit schlechtem Gewissen wie der Pawlowsche Hund mit Speichelfluss. Seit Kindertagen versteht sich meine Mutter darauf, souverän jene Tasten der Klaviatur meiner Emotionen zu drücken, bei denen ich nach innen aufheule wie ein gequältes Schoßhündchen.
„War nicht so gemeint, Mama – ich hab` nur Angst vor Salmonellen …“
„Nun hör´ aber auf,Kind: Ich bin jetzt an die Achtzig – und nie war irgendwas, was ich gekocht habe, schlecht – im Gegensatz zu dem Fleisch, was du mir neulich in so`m Nobelrestaurant andrehen wolltest …“
„Das war ein Dry Aged Steak aus einem Fleischreifeschrank!“ bölkte ich entnervt ins Handy. "Das musste so sein – und ist aasig teuer gewesen!“
„Sah jedenfalls aus wie Aas, war schwarz wie Blutwurst und trocken wie Brotkruste!“ antwortet meine Mutter ungerührt.
„Was ist: Kommste nun am Sonntach oder hat Madame wieder „Termine“?"
Ich sagte zu. Wie immer – obwohl ich ahnte, dass Einiges auf mich zukommen würde – außer dem Essen …

Sobald ich die Seniorenwohnung meiner Mutter betrete, mutiere ich für sie zur Erstklässlerin: Zur Begrüßung werde ich angeraunzt, mir gefälligst die schmutzigen Schuhe auszuziehen - auch wenn sie neu und sauber sind. Kommentarlos werden mir gefilzte Senioren-Puschen vor die nackten Füße geklatscht. Dann erwartet sie, dass ich mich nützlich mache. Aber nicht nützlich wie ich es gerne würde - sondern nur so, wie sie es mir vorschreibt.
Lustlos decke ich den Tisch mit ihren grauenhaft kitschigen Platzdeckchen und suche im Schrank nach einigermaßen sauberen Gläsern - während Mutter stundenlang hausfraulich-geschäftig wie ein aufgezogenes Duracell-Häschen in ihrer Küche herumwuselt – obwohl sie de facto nur aufgetaute, vorgekochte oder aus Dosen stammende Lebensmittel aufwärmt ...

„Und zum Nachtisch gibt `s ` Vanillepudding!“ erschallt es Beifall erheischend aus der Küche, „… den magst du doch so gerne!
Ja - wenn er frisch ist – und keine Elefantenhaut hat! denke ich und schaudere.
„Und den Gurkensalat hab` ich mit viel saurer Sahne gemacht!“ sagt sie, als sie mich im Türrahmen der Küche stehen sieht. Wie gut, dass ich Lactose-Intolerant bin …
Wenn wir am Tisch sitzen, nimmt sie ungefragt meinen Teller und kellt ihn voll - in stillschweigender Erwartung, dass ich in Duldungsstarre schon alles in mich hineinschaufeln werde. Auch den Pudding. Mit Haut. Und die schlabberigen Gurkenstückchen in saurer Sahne – die letzte Woche noch süße Sahne war und mir von ihr als Sahnehäubchen auf einem Napfkuchen kredenzt wurde. Inzwischen ist der zu einem keksartigen Gebilde im Brotkasten zusammengeschrumpelt. Den wird es sicher später geben, zum Kaffe …

Nach dem Essen ist meine Mutter erschöpft. Und macht keinen Hehl daraus, dass das von den Mühen herrührt, die eine alte Mutter auf sich genommen hat, um für ihre Tochter ein Vier-Gänge-Menue zu kochen. Und weder Kosten noch Arbeit gescheut hat, um ihr Kind glücklich zu machen.
Das hat Aufforderungscharakter: Ihr zuliebe versuche ich das Sodbrennen, das aus der Kombi von Fett, Sahne, dicker Mehlschwitze und Zucker herrührt, dezent wegzurülpsen und heuchele satte Zufriedenheit – und das ich nach dem Essen gerne abwasche und das Küchen-Chaos beseitige, während sie schläft.

Fluchend durchforste ich die komplette Küche nach dem Spülmittel – das sie immer irgendwo versteckt, wenn sie weiß, dass ich komme. Weil ich zu viel davon verbrauche. Sagt meine Mutter. Doch mit der Zeit kenne ich ihre Verstecke. Während meiner Suche entdecke ich noch einige Lebensmittel-Notfälle: Verschrumpeltes Obst als Fruchtfliegenbrut- und Sterbestätte, eine Tüte mit verschimmeltem Brot, die im Backofen auf fettig-verkohlten Nahrungsresten der vergangenen Wochen auf den Backblechen lagert…
Wie immer muss alles leise und schnell gehen: Ich habe höchstens eine Stunde Zeit - für die Grundreinigung der Küchenschränke, des Kühlschranks, die Entsorgung vergammelter und abgelaufener Lebensmittel – während die Backbleche in der Badewanne einweichen und die Kukident-Tabs das Grünalgige im Wasserbehälter der Kaffeemaschine wegsprudelt.
An guten Tagen schaffe ich es sogar, noch die Böden zu wischen, Staub zu saugen, zwei Maschinen Wäsche zu waschen und ihre vertrocknenden Blumen zu gießen. Kommt auf meine Tagesform an…

Pünktlich um drei Uhr zur Kaffeezeit sind die Lebensgeister meiner Mutter wieder geweckt. Nach dem Kaffee hat sie Lust auf Eierlikör. Mit dem pichelt sie sich munter durch den Nachmittag.
Abends, zum Abendbrot, kommen noch diverse Bierchen dazu - zum betreuten Fernsehen. Mir tut der Hintern weh - und langsam auch das Hirn - weil Mutter ihren Fernsehmarathon nicht alleine bestreiten will. Von Musikantenstadel bis Trash-Fernsehen zappt sie rauf- und runter. Falls aus Versehen mal was Interessantes läuft, quatscht sie permanent diskussionsfreudig dazwischen.
Bei mir schleicht sich mit der Zeit eine vorübergehende, situativ bedingte Depression ein: Meine Stimmung schwankt zwischen Angeödetsein, Groll, Überdruss, Sarkasmus und Fremdschämen. Was immer ich sage - ihr missfällt es. Sie fällt mir über den Mund und insistiert auf befremdlich-kruden Ansichten. Oder sie springt einfach während ich rede auf, schreibt Einkaufszettel und pusselt im Wintergarten an ihren Blumen rum. Falls sie überhaupt mal zuhört, bezichtigt sie mich mit schwerer Zunge als "reichlich naiv" und will mir die Welt nochmal von vorne erklären ...
Worüber wir früher oder später in erbitterten Streit geraten, in dem ich irgendwann resigniere und in dumpfem Groll verstumme. Und mir einrede, dass ich die Jüngere und Vernünftigere sei und nur aus Rücksicht auf ihr Alter zurückstecke.
Ich will ja keine Arschlochtochter sein.
Lieber bin ich eine stumm grollende, entnervte, depressive, ausgebrannte … „brave“ Tochter, als mich aus der Erwachsenen-Position auf Augenhöhe ernsthaft mit der Mutter auseinandersetzt - und sich gegen ihre Bevormundung, Übergriffigkeit, Unhöflichkeit, Besserwisserei, Larmoryanz, Streitlust, Nachlässigkeit, Geringschätzung, den Altersstarrsinn … zur Wehr setzt:
"Ich bin kein Kind mehr, das ohnmächtig und willenlos alles runterschlucken muss, was ihm von dir vorgesetzt oder zugemutet wird. Ich bin eine erwachsene, eigenständige, selbständige Frau - mit eigener Meinung, eigenen Lebenserfahrungen, eigenen Leben und eigenem Geschmack ... und nun: Mahlzeit, Mutter!"

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Sonntag, 24. Juni 2018
Die Marc-Uwe Offenbarung
Oder: Warum ich weiß, wem Marc-Uwe Kling seinen Erfolg zu verdanken hat.



Dunstige Morgennebel steigen langsam auf im alles überstrahlenden Sonnenlicht; erste Vögel tirilieren flügelschlagend im Geäst, auf den Wiesen karnickeln Hasen, am Waldesrand röhren Hirsche in der Brunft: Eine herrlicher Sommertag, zum Ficken schön ...und ich kauere seit Tagen ungewaschen hinter heruntergezogenen Jalousien über meinem Laptop und versuche, gefällige Texte zu schreiben.
PLING. Da ist sie wieder, diese Erscheinung, die sich Marc-Uwe nennt - und mir weismachen will, sie sei meine Muse. Grinsend schwebt sie über mir. Mein Gesichtsausdruck mäandert von irritiert zu empört.
„Marc-Uwe!“, schreie ich spitz. „Ich sitz` hier aufm Klo – schon mal was von Intimsphäre gehört?“
„Hello, agäin …“, näselt die Stimme aus dem Off. Die Erscheinung macht ein Peace-Zeichen und schwebt durch die geschlossene Badezimmertür: „Dann warte ich eben draußen. Mach hinne, Frollein:Ich hab`nicht ewig Zeit, dich zu küssen!“
Langsam mache ich mir Sorgen: Ich bin so was nicht gewöhnt – und ich weiß nicht, ob ein Dialog mit einem Geist noch als Gebet durchgeht oder bereits als Psychose gilt. Oh. Mein. Gott.
„Gott ist schon mal `ne schöne Anrede“, kommentiert Marc-Uwe meine Gedanken von draußen. „Haste was Verwertbares geschrieben, während ich kurz abwesend war, Herzelinde?“
„Aufgepasst“, sage ich drohend. „Ich arbeite hier an meinem künstlerischen Durchbruch: Gestern Abend hab` ich was Neues im Blog gepostet …“
„Why not“, sagt Marc-Uwe und gähnt herzzerreißend. „Liest aber niemand, oder?“
„War eh nur zum Spaß“, murmele ich defätistisch und lasse meinen Kopf in Kutschbockhaltung über dem Badezimmerflausch hängen. „Und mit in Ruhe kacken wird` s wohl auch nichts …“
„Mit voller Buxe ist gut stinken“, näselt Marc-Uwe und versucht, mir einen gehauchten Musenkuss durchs Schlüsselloch zu pusten. „Mach` dir lieber mal Gedanken, wo wir deine Textsammlung verramschen können, statt faul aufm Klo abzuhängen!“
„Die wollen mich partout nicht verlegen“, greine ich. „Dabei habe ich die mehrfach aufgefordert …“
„Ullstein auch?“
„Jap.“
„Hättste lieber vorneweg auf mich gehört: Weibliche Ironie und bissigen Sarkasmus über arme, wehrlose Männer zu kübeln, damit wirste keinen Blumentopf gewinnen – höchstens sehr, sehr einsam …“
„Was soll ich machen, die „Känguru-Chroniken" sind ja nun schon mal geschrieben– warum biste nicht bei Kling geblieben? Eure Zusammenarbeit war doch so erfolgreich?“
„Kling braucht mich nicht mehr. Der hat jetzt das Känguru ... und ich bin auf der Suche nach was Neuem, Unverbrauchten: Your name is my name. Your brain is my brain. Außerdem kann ich besser mit Frauen-Verlagen. Ich hab` den pinken Verlegerinnen-Daumen. Mach mich zu deinem Agenten!“
„Was noch: Muse, Co-Autor, Agent …?“
„Ich verstehe mich als großen Förderer feministischer Schreibkultur und radikal-feministischer Menstruationsprosa …“, schmeichelt Marc-Uwe hinter der Tür.
„Sarkast!“
„Schreib lieber was Verwertbares, Schätzelein: Wir haben bald keine Kohle mehr …“
„Wir?“, brülle ich durch die geschlossene Tür. „Kümmerst du dich jetzt auch noch um meine Finanzen oder was?“
„Du bist ab jetzt im betreuten Schreiben. Sieh mich einfach als dein Alter Ego …“
„Wozu?“
„Ich meine es bereits hinreichend überzeugend dargestellt zu haben: Du brauchst meine Hilfe: Ich küsse - du schreibst. Ich inspiriere - du bietest dich Verlagen an … und dann schickt man uns beide auf Lese-Tour, quer durchs Sauerland. Wir werden Auslagen haben. Allein die überteuerte Beerenauslese, die du abends brauchst, um überhaupt Brauchbares in die Tasten zu hauen …“
„Du, du … hältst dich wohl für den Größten, was?“
„Ich kann einfach nicht umhin, indirekt meine Vorzüglichkeit zu inszenieren.“ Marc-Uwe grinst perfide. "Aber Größe zwingt zu Toleranz. Muss sich ein Porsche mit einem Golf messen? Kann er machen, muss er aber nicht.“
„Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass mir dein Narzissmus auf den Sack geht? Gibt einfach schon zu viele wie dich: All die Donalds, Recep Tayyips, Wladimirs …!“
„Locker bleiben!“, sagt Marc -Uwe. „Du kannst ja nicht mal vernünftig Texte redigieren …“
„Ha“, sage ich und zerre entnervt zum Beweis eine alte Ausgabe des Dudens aus dem Stapel Zeitschriften neben dem WC. Hier, kuck: Ich verfüge über ein gerütteltes Maß an Bildung, du Spacken!“
„Typisch“, sagt Marc-Uwe. „Nicht mal` n anständiges Schreibprogramm auf der Festplatte, sich aber über seine Muse mokieren …“
„Ich brauch` keine Muse!“ flüstere ich heiser und lehne erschöpft meine heiße Stirn gegen die Wandfliesen. „Erst recht keine, die mich auf dem Klo heimsucht. Ich halte jetzt einfach so lange die Luft an, bis du dich in Luft aufgelöst …ähm … du hier weg bist. Lass mich einfach in Frieden, ja?“
„Wie süß“, säuselt er hinter der Tür. „Bist du wirklich so naiv zu glauben, du könntest es im Alleingang schaffen – ungeküsst? Was seid Ihr Schreiberlinge doch für ein eingebildetes Pack: ICH habe dich auserwählt, o Schreibaffine – damit du MIR zu Willen bist!“
„Hast du etwa … Marc-Uwe Kling geküsst? Mit Zunge? Moahhhh: Brokeback Mountain - mit Känguru! “
„Ich bin variabel und nicht genderspezifisch festgelegt - so wie du!“, unterbricht mich Marc-Uwe. „Und ich muss unsichtbar bleiben – weil Genie unabhängig sein muss von schnöder Wirklichkeit.“
„Ich will aber nicht von einem schwulen Geist geküsst werden …“, antworte ich trotzig. Und vervollständige leise flüsternd den Satz: „…der sich Marc-Uwe nennt!“
„Na gut, du willst es nicht anders, dann muss ich wohl deutlicher werden, Liebelein. Zit. Pschyrembel: „Ego und Alter Ego sind zwei miteinander in Widerspruch stehende Seiten einer gespaltenen Persönlichkeit …“
„Du bist es doch, der mich hier mit aggressiver Arroganz verfolgt und mir permanent sinnfreie Gespräche aufdrängt! Du bist doch hier das hochgradig neurotische Phänomen!“
„Ah ja?“, fragt er. „Und wer ist mittlerweile so sozial depriviert, dass er glaubt, ein Blog aufmachen zu müssen, um mal Kontakte zu haben, die er nicht aus seiner Selbsthilfegruppe kennt?“
„Du hast mein Blog gelesen?“ kreische ich hysterisch und lasse alarmiert die Klopapierrolle aus den Händen fallen.
„Während du gestern Abend rotweinselig über deinem Läppi eingeschnarcht bist …“, sagt Marc-Uwe und rülpst undezent ein wenig Luft auf „…hatte ich Bock, dein Geschreibsel im Netz mal anzuklicken – und zu kommentieren …“
„Ich fühle mich von dir so … benutzt“, wispere ich und meine Unterlippe zittert.
„Und du wirst hier auf Erden nicht einen Therapeuten finden, der dir das abnimmt: Morbide und krankhaft-neurotische Abhängigkeit zu einer Muse …
Daher: ICH bin dein HERR, dein MEISTER, Amen“, klingt` s pastoral aus dem Jenseits der Badezimmertür.
Ich könnte wetten, dass Marc-Uwe sich gerade bekreuzigt. Apropos Kreuz …
„Marc-Uwe“, flöte ich. „Ich bräuchte dringend ein Relaxans - damit geht `s sicher schneller hier. Würdest du bitte so lieb sein und mir was aus der Küche …?“
„Was?“ Marc-Uwe klingt genervt.
„Im braunen Tontopf, über der Spüle!“, rufe ich.
Eine Weile ist es still. Dann der erlösende, spitze Schrei …
Ich war mir nicht sicher, ob die vertrocknete Knoblauchknolle noch ausreichen würde - scheint aber geklappt zu haben.
So. Wo war ich stehengeblieben?
…und ich kauere seit Tagen ungewaschen hinter heruntergezogenen Jalousien über meinem Laptop und versuche, gefällige Texte zu schreiben …










Neu überarbeitete Fassung

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Mittwoch, 13. Juni 2018
Endlich neurotisch!
Das Leben kann schrecklich sein. Einfach zu real für meinen Geschmack.
Was waren das noch für Zeiten, als wir mit einem Überfluss an Selbstvertrauen und einem unbestrittenen Glauben an die eigene Größe, Einzigartigkeit und immerwährende Jugendlichkeit als winziges Energiebündel mit Hopsassa und Juchheißa jeden jungen Tag begrüßten und uns bombensicher waren, dass es nichts gab, was wir nicht tun oder werden konnten und es keinen Menschen gab, den man nicht für sich gewinnen konnte - wenn man den Weg zum Kindergarten erst ohne sich in die Hose zu machen überstehen würde …

Einige Jahre später hatte ich Schließmuskel und Grob- und Feinmotorik soweit unter Kontrolle, dass ich die Grundschule besuchen durfte und an jenem schwül-warmen Junitag stand ich nun vor einer mit Filz bespannten Tafel und sollte Äpfel plus Birnen addieren sowie Kirschen minus Pflaumen subtrahieren.
Bisher hatte ich den Unterricht im Rechnen bei der strengen Frau Richter nur in teilnehmender Beobachtung verfolgt. Mit Zahlen hatte ich es (noch) nicht so. Doch das von meiner Lehrerin heute eingesetzte, pädagogisch wertvolle Montessori-Material hatte es mir angetan: Bunte, an der Filztafel selbstklebende Abbildungen von Obst - das sich den Anschein einer fröhlich-bunten Mathematik gab - so dass mein Arm ohne mein bewusstes Zutun begeistert hochschnellte, um mich freiwillig zu melden.
Meiner Selbsteinschätzung nach war es so gut wie sicher, dass ich mit der stummen Bewunderung meiner Klassenkameraden rechnen konnte und das mir mein erstes Schaurechnen jene lang ersehnte Wertschätzung dieser gestrengen Lehrerin in Form ihrer verwundert und erstaunt hochgezogenen Augenbraue und einen ersten Einser-Eintrag in ihr Notizbuch einbringen würde, den ich schon lange heiß ersehnte.
Doch als ich den schier endlosen, langen Gang nach vorne getrabt war und in meiner Winzigkeit vor dieser verflixt hohen Tafel stand - eine feixende und tuschelnde Klasse im Rücken, der zur Eile gemahnende Blick von Frau Richter, die auf mich herabsah, das Stakkato ihrer gefährlich langen Krallen, die ungeduldig an die Tafel trommelten im Ohr - schien sich die Optik zu verändern und das Obst begann vor meinen Augen zu schwimmen und sich zu einem bunten Obstsalat zu mischen …
Um es kurz zu machen: Das Ganze entwickelte sich zum ersten, desaströses Erlebnis meines Scheiterns – noch dazu vor aller Augen und knapp kommentiert von Frau Richter: “Du bist offensichtlich noch viel zu verspielt, um dem Unterricht wirklich folgen zu können, Kind!“
Mit gesenktem Kopf stand ich gedemütigt da und ließ die Infragestellung meiner Schulfähigkeit und das darauf folgende, höhnische Raunen und Gekicher meiner Schulkameraden zutiefst beschämt über mich ergehen, während ich tapfer gegen den Kloß im Hals und erste, aufsteigende Tränen ankämpfte.
Mein glorifiziertes Selbstbild als Schulmädchen, dem alles mühelos gelingt, hatte erste Risse bekommen. Es sollten weitere folgen - und die nächsten Jahre bei Frau Richter sollte ich stabil glück- und erfolglos in Mathe bleiben.

Doch ich war nicht das, wonach ich aussah: Meine gesamte Schulzeit hindurch blieb ich zwar die Kleinste in der Klasse, doch meine Merkfähigkeit und Lernfreude wuchs mit den Jahren - und was Mathe und „Superpädagogen“ wie Frau Richter betraf, entwickelte ich einen stabilen Stolz und ein geradezu neurotisches Ehrgefühl bezüglich meiner schulischen und intellektuellen Leistungen – und konnte zuweilen so rachsüchtig reagieren wie ein gepeinigter Elefant, den man durch Demütigung, Schläge und Machtdemonstrationen versucht hat zu dominieren: Ich würde jedem jede Gemeinheit und Ungerechtigkeit heimzahlen - eines Tages, wenn ich größer und stärker sein würde …!

Wohl aus Gründen solcher frühkindlichen Traumen und narzisstischen Kränkungen ging ich als Erwachsene gerne und fleißig einige Jahre zur Abendschule – und absolvierte mit Achtunddreißig mein Abitur: Mit einer Durchschnittsnote von Einskommasechs.
Das ich es gewesen sein soll, die mit ihrem Abi-Zeugnis bei Vollmond, nachts um zwölf, auf dem Friedhof mit einer schwarzen Katze auf dem Buckel, auf dem Grab meiner ehemaligen Lehrerin, Frau Richter, herumgetanzt und dabei in triumphales Gekicher ausgebrochen sei, halte ich für ein Gerücht.
Wahr ist, dass ich nach persönlichen Kränkungen und Verletzungen meines Stolzes zuweilen zu einem rachsüchtigen, kleinen Aas mutieren konnte:

„Was hast du gerade gesagt?“
„Hast schon richtig verstanden: Ich verlasse dich.“

„Was muss ich hier lesen?“
„Ja, ich kündige. Ich packe jetzt meine Sachen und komme nie wieder.“

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Montag, 21. Mai 2018
Ich bin dann mal ...wech.
Willkommen in meiner Welt. Ich muss vor mir warnen: Ab heute umgibt mich der verrottende Hauch des Nichtstuns ...
Meine schönste Erinnerung an mein Arbeitsleben: Mein Burnout, vor einigen Jahren. Kurklinik auf Sylt und endlich mal ausschlafen ...!
Später, beim Erstkontakt mit einem Jobcenter, wurde mein Fallmanager deutlich: „Bisher haben Sie sich eingeredet, mit einem beruflich-genderspezifisch-politisch-sozialbedingten Burnout in den Sylter Dünen brach liegen zu dürfen. Wir sehen das so: Sie haben gerade Ihre Biographie an die Wand gefahren. Und wir schauen Ihnen auf der Gegenfahrbahn dabei zu: Ganz entspannt, im Hier und Jetzt …“
Ich lächelte submissiv-gewinnend, kreuzte die Finger hinter meinem Rücken und versicherte bei allen Heiligen dieser Sekte, die sich „Jobcenter“ nannte, dass ich bereit und willig sei, jeden, aber auch jeden noch so mies bezahlten Job anzunehmen.
Was so glatt und geschmeidig dahergelogen kam wie das Rasierklingenlächeln, mit dem man mich dort als „Kundin“ bezeichnete - und in Verhören, die als „Gespräch“ getarnt waren, meine Vita auseinandernahm, um mir anschließend neue Glaubensinhalte einzusuggerieren wie bei Scientology.
Mein Glück, dass ich eine therapeutische Ausbildung gemacht habe. Ich war es gewohnt, mit Leuten umzugehen, die eine diffuse, wahnhafte Wahrnehmungen der Realität haben ...

Dabei hatte ich schon lange keinen Bock mehr darauf, „therapeutisch“ tätig zu sein. In teilnehmender Beobachtung ließ ich diverse Fallmanager gewähren und schaute Ihnen dabei zu, wie sie meinen beruflichen Werdegang wie einen Kuchen betrachteten, von dessen Existenz nur noch Erinnerungskrümel in Arbeitszeugnissen zeugten.
In sogenannten „Maßnahmen“ sollten diese Erinnerung- und Qualifizierungskrümel mit penibler Gründlichkeit zusammenfegt werden – vor allem jene, die ich lieber unter den Teppich gekehrt hätte:"Modulare Qualifizierung für Kaufleute:Windows/Word" - hatte ich diese Fortbildung tatsächlich mal gemacht? Und warum bloß ...?
Diese Art beruflicher Spurensuche wurde als „Bewerbungstraining“ ausgegeben und sollte offiziell dazu dienen, "Ressourcen" zu entdecken. Für dubiose Unternehmen eine Gelddruckmaschine - mit der sie per erzwungener Unterschrift zur Willenlosigkeit Verdammte, die man als "Kunden" verhöhnte, in hässliche Hinterhöfe und stickige, miefige Arbeitsräume verbrachte und sie viel Zeit damit totschlagen ließ, unter Aufsicht ihren hmpfzigsten Lebenslauf und ihre hmpfzigste Bewerbung zu schreiben - was man später als „Wiedereingliederungs-Maßnahme“ schöndokumentierte.
Weibliche Angestellte wurden "gecoacht", sich für Bewerbungsgespräche ein Submissivitäts-Vokabular anzueignen und wie Torten in der Auslage feilzubieten: „…für meine (männlichen) Vorgesetzten bin ich gerne das Sahnehäubchen auf der Herrentorte … niemals die (zu) fette Buttercreme, die im Abgang sauer aufstoßen lässt. Sehr gerne wäre ich das leckere, alkoholisierte Früchtchen auf Ihrer Betriebsfeier …!“
Nach solchen „Ü-50-Maßnahmen“ und diversen zwangsvermittelten Vorstellungsgesprächen kam es mir vor, als sollte ich auf diversen Provinz-Bühnen mit wechselnden Ensembles Theater spielen: vor Publikum mit Abonnements auf das übliche Unterhaltungs-Programm und vor selbsternannten Juroren mit überzogener Erwartungs- und Anspruchshaltung.
Die Anforderungen für mich als Akteurin bestanden ausschließlich aus Anpassungsleistung an die Vorstellungen anderer, virtuosem Rollenspiel und dem Auswendiglernen vorgegebener Texte: Ob Drama oder Tragödie, Komödie oder bürgerliches Salontheater … Hauptsache, ich funktionierte aufs Stichwort.
Irgendwann fragte ich mich, wer ich eigentlich wirklich bin - ohne die schmückende Kulisse eines Arbeitsplatzes, dem Sozialprestige, das damit verbunden ist oder ohne diese Jobcenter-Souffleure, die ihre Monologe mit Manierismen von Großgrundbesitzern gegenüber ihren Leibeigenen abspulen.
Früher hatte ich diese irre Lust nach „authentische“ Menschen gehabt - solche, die „echt“ waren, statt Rollen zu spielen. Warum ich die ausgerechnet in therapeutischen Berufen in psychiatrischen Kliniken zu finden glaubte, ist mir heute ein Rätsel. In vielen Berufsjahren medizinisch-therapeutischer Tätigkeiten bin ich vielen Menschen begegnet -vor allem so richtig authentisch Durchgeknallten: Patienten und medizinisch-therapeutisches Personal. Mein Bedarf an „therapeutischer Arbeit“ ist jedenfalls gedeckt.

Vielleicht mache ich ein Seniorenstudium: Beruflich habe ich bereits viele Senioren studiert, dass ich mich befähigt fühle, darüber schreiben zu können. Nicht für die Apotheken-Rundschau, sondern richtig. Bücher und so …
Als ich mich bei Germanys next Dschobcenter nach einem Sponsering für mein Start-up-Unternehmen „Spätberufene mit künstlerischen Ambitionen 60plus“ erkundigte, meinte man, ich könne ja nicht mal richtig gut mit dem Schreibprogramm umgehen. Da habe ich denen geantwortet: „Da sollten Sie mich aber erst mal ´ne Tabellenkalkulation machen sehen …!“
Ich könne es für möglich halten (mehr Konjunktiv geht nicht) noch lernfähig zu sein: Leben an sich verursache irgendwie schon ein postmenopausales Lebensklugheitssyndrom. Auch wenn man sich nie darum gerissen und eigentlich keinen Bock darauf gehabt habe: Hinterher sei man automatisch klüger. Auch nach dem Arbeitsleben. Mein Fazit: Vorgesetzte seien auch nur Menschen. Und für andere gelte: Fuck you, ashole …!

Ich weiß, ich muss meine Talente jetzt nicht mehr in den Raum plärren, um von einem dumm-stolzen Vorgesetztenblick mit dem Sonnenschein der Ermutigung gestreift zu werden.
In meinem bewegten Arbeitsleben habe ich meine Trennungskompetenzen ausreichend erweitern können: Bei mir sind immer beide Augen trocken geblieben, nachdem ich gekündigt hatte ...

Was ich sagen wollte: Der Drops ist gelutscht. Der mit der Arbeit.
Mit altersmildem Abschiedsblick schaue ich zurück auf meine Zeit erfolgloser Zwangsvermittlung: Fallmanager sind auch nur Menschen.
Für die anderen gilt: Fuck you, ashole …!

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin lieber freiwillig in Vorruhestand gegangen - und habe dem Zwang, miese, schlecht bezahlte Jobs, miese Arbeitsbedingungen und noch miesere Vorgesetzte annehmen zu müssen, den Stinkefinger gezeigt.
Das erforderte nicht mal Mut. Diese Option steht jedem langjährig Versicherten frei - wenn er bereit ist, den Preis dafür zu zahlen: Monetäre Abzüge in der ohnehin schmalen Rente. Mir war`s die Sache wert: Freiheit!

Ich habe jetzt also viel Zeit – eigentlich so viel, wie vorher. Nur darf ich die jetzt nach eigenem Gusto so kreativ verbringen, wie ich möchte: Keine "Einladungen" mehr von Germanys next Dschobzänta ... und sämtliche Bewerbungsschreiben in die Tonne gekloppt.

Jetzt werde ich mich nur noch um mein Privatleben kümmern – zum Beispiel um meine langjährige Beziehung. Vielleicht gönne ich mir jetzt mal eine Therapie … so eine richtig langwierige Paartherapie, davon habe ich schon lange geträumt: Mal so richtig zu Wort kommen ...da hätte ich jetzt richtig gute Chancen – als Single!
Eigentlich die beste meiner Beziehungen: Ich kann mich ganz alleine ärgern, unterhalten, ganz bezaubernd finden oder unerträglich langweilen - nur eine Trennung wäre blöd, die hieße dann Suizid …
Ich habe mir viel vorgenommen: Mal wieder mehr unter Leute zu gehen – die ich nicht aus der Selbsthilfegruppe kenne. Oder vom Beckenboden-Training ...
Ich könnte mein spätes Glück suchen. Liebe im Alter soll ein ganz besonderer Genuss sein. Weil beide wissen: Soo lange kann das jetzt nicht mehr dauern, bis man da wieder wegkommt …?!
Vielleicht hab`ich auch irgendwann mal wieder so richtig Bock drauf, zu arbeiten: An einem Arbeitsplatz mit hilfsbereiten, freundlichen, inspirierenden, teamfähigen Kollegen ...und einer angemessen Entlohnung ... mit wertschätzenden, die Kollegen nach ihren Begabungen und Fähigkeiten fördernden Vorgesetzten ...ähm ... Entschuldigung: bin kurz über der Tastatur eingenickt und so ins Träumen geraten ...

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Freitag, 4. Mai 2018
Mitmach-Dialog für c. fabry
So, meine werte Schreibkollegin, Frau @c.fabry: Hier ist das Mitmach-Projekt "Dialogeschreiben just for fun"!


Setting: Ein erstes (und letztes?) Treffen der fitten Senioren (die ca. `68 in Blüte standen) Hedwig und Heinz, beim Tanznachmittag im Seniorenheim "Waldesruh".
Ich habe mal die Hedwig übernommen - wo die Auslassungspunkte "..." sind, könntest Du Heinz zu Wort kommen lassen. Wenn`s uns Spass macht, spinnen wir weiter dran, wenn nicht: War`s den Versuch wert!;)








Last Date



„Hallo, ich bin die Hedwig – und du bist also der Heinz?! Leider hab` ich meine Gleitsichtbrille vergessen, das wird also hier quasi eine Blindverkostung …“

„Hach, was bin ich aufgeregt: Erste Treffen mit möglichen Liebhabern waren früher schon dermaßen frustrierend, demütigend und beschämend: Schweißnasse Hände, hormonelle Aufruhr und ein lahmgelegtes Sprachzentrum. Was soll man erst zu letzten Dates sagen, nä, Heinz?“

Ich schlage vor, wir machen erstmal Konversation – über unverfängliche Themen. Weltfrieden oder so was … ähm, ja: Ich mache mir gerade große Sorgen. Über den ansteigenden Meeresspiegel. Ich werde die Erste sein, die absäuft: Ich bin nur ein Meter und fünfundfünfzig …“

"Oder lass uns über Hobbys reden, das geht immer: Eines meiner Talente sind ironische Kommentare. Nach dem Sex. Ich bin berühmt für meinen Sarkasmus …
Falls du ein emotionaler Analphabet sein solltest, werde ich für dich kleine Scharaden veranstalten: zum Beispiel Emojies darstellen - damit du raten kannst, wie ich mich gerade fühle."

"Ein anderes Hobby von mir ist fotografieren. Ich mach` auch gerne Selfies … an außergewöhnlichen Orten: Auf dem Gynäkologen-Stuhl oder im O.P., vor meiner ersten Darmspiegelung … soll ich dir mal eines zeigen? Guck hier, das bin ich mit meiner Tante – an ihrem offenen Grab …Ich fotografiere auch gerne Essen. Mein letztes Menue-Foto hab` ich gestern Nacht um halb zwei bei facebook reingestellt: Ein halbverdautes Dönerscharfundmitalles, ein Mousse Eau Chocolat und zehn Bier … an Bordsteinkante. Und was machst du so in deiner Freizeit?“

"Ich war nur vier Mal verheiratet. Mehr habe ich beim besten Willen nicht geschafft. Ich war eine Männermacherin. Nachdem ich die ungelenken Jungs unter meine Fittiche genommen hatte, waren sie einigermaßen vorzeigbar: Neue Frisur, neues Outfit … und vor allem: Neue Unterwäsche. Meine Ex-Ehemänner waren ganz okay: Kein Unwürden Don Promillo darunter und auch kein Honk aber eben auch kein Mr. Right … und du, warste auch mal verheiratet, Heinz?“

„Gesundheitlich geht `s mir gut: Ich feiere jeden Tag, an dem mir nichts wehtut, mit `ner Valium. Damit es mir am nächsten Tag wieder so richtig mies geht. Mein Arzt hat beim letzten Gesundheits-Check gemeint, ich bräuchte jetzt wohl mal Cholesterin-Senker. Ich hab` ihm gesagt, ich schlucke alles, was er mir verordnet – wenn sich die Medikamente mit Alkohol vertragen und ich`n Joint dabei rauchen kann …“

„Worüber soll ich noch reden? Ich bin nicht reich genug, um tolle Reisen zu machen und nicht arm genug um über die Abenteuer berichten zu können, die man erlebt, wenn man sein Essen aus dem Container am Supermarkt fischen muss …“

„Was soll ich sagen, ich bin gerade etwas nervös: Ich will charmant rüberkommen – aber auch so kratzbürstig, dass ich Poser, Macker und Meuchler abschrecke. Das letzte Mal, als ich versucht habe, „nett“ zu Männern zu sein, war ich nicht sehr erfolgreich: Die haben mir trotzdem den Kredit nicht bewilligt …“

„Klar können wir eng tanzen. Ich muss sowieso mal aufstehen, meine linke Pobacke wird langsam taub ...“

„Ich finde es ganz in Ordnung, dass du eine Glatze und Bauchansatz hast. Wenn du mich erst in meiner Form- und Stützunterwäsche gesehen hast, weißte, woher meine radikale Akzeptanz kommt, hö, hö ...“

„Nö, auf junge Männer stehe ich nicht mehr: Warum sollte eine reife Frau noch mal mit einem testosterongeschwängerten Jüngelchen ganz von vorne anfangen – wenn sie einen, von diversen Vorgängerinnen bereits ordentlich domestizierten Gefährten haben kann, bei dem eine nachgewiesene, langjährige Beziehungserfahrung und emotionale wie intellektuelle Intelligenz vorauszusetzen ist.“

„Was ich von der wahren Liebe halte? Ich will um meiner selbst willen geliebt werden. Und nicht, weil ich dieselbe Blutgruppe habe wie du oder dir eines Tages ein Organ spenden könnte.
Ist nicht so einfach, seinen Single-Status aufzugeben: Es hat schließlich Jahre gebraucht, bis man eine passgerechte Mulde in sein Sofa eingesessen hat, nä Heinz?“

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Freitag, 30. März 2018
Patati, patata
`allo?

"…"

"Bist du es, Angelique?"

"…"

"Sag doch was!"

"Was willst du?"

"Ich rufe an, weil ich dich wiedersehen muss, mon amour!"

"Und wozu?"

"Du willst mich nicht wiedersehen? Aber wenn ich mit dir zusammen bin, wenn ich an dich denke, wird mein Leben schöner ...Trotz meiner Probleme lache ich, sobald ich deinen Pupillen begegne, mon ceur ..."

"Leg` auf!"

"Warum? Dein Lächeln gibt mir das Glück zurück, dein Blick ist so süß, er lässt mein Herz schneller schlagen, mon tresor …"

"Du langweilst mich: Leg auf und trink` eine Flasche Pastis!"

"Bist du böse auf mich, mon chèrie?"

"Warum sollte ich böse auf dich sein, Idiot?"

"Ich vermisse dich. In deinen Augen verliere ich mich. Und ich entdecke mich. Deine Worte in unserer Liebesnacht überfluten mich endlos, mon désir ..."

"Hör` auf zu jammern, ich hab` Besuch."

"Du hast Besuch? Und das sagst du mir erst jetzt? Ist es ein Mann? Los, sag` mir, das du einen Liebhaber in deiner Wohnung hast, kleine Schlampe!"

"Mach` gefälligst nicht so ein Theater, du Schuft! Ich kann zu Besuch haben, wen ich will, es ist meine Wohnung. Wenn auch nicht ganz ... eigentlich die meiner Mutter ..."

"Habt ihr gefickt? Hat er dich gefickt?"

"Was geht dich das an? Ja, er hat mich gefickt. Ziemlich gut sogar. Jedenfalls besser als du."

"Oh, mon Dieu! Du machst mich fertig, Angelique! Und was ist mit unserer Liebe, die auf dem Champs Elise begann?"

"Was soll damit sein?"

"Du hast mir geschworen, für immer bei mir zu bleiben: Wenn man liebt, hat man Lust es von den Dächern zu schreien. Zu singen, zu tanzen, manchmal zu weinen … und jetzt leckst du seine Eier. Leckst du sie? Bestimmt leckst du sie ..."

"Patati, patata: Man redet viel, wenn der Abend lang ist … außerdem war ich betrunken. Ich bin ein böses Mädchen. Ich habe schmutzige Phantasien ..."

"Du brichst mir das Herz, Angelique."

"Das muss ich auch."

"Warum?"

"Weil wir gerade einen grottenschlechten Dialog in einem stinklangweiligen französischen Film abspulen, der nachmittags auf arte gezeigt wird, mon soleil …"

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Sonntag, 25. März 2018
Auferstehungs-Blues
Meine Zukunft soll alles sein – außer Beige. Es merkelt weiter und weiter ...
Generation Zwieback: Getunkt. In den Strassen meiner kleinen Stadt beherrschen Beigegekleidete mit Rollatoren das Straßenbild: Kaffeefahrten-Groove, komatös vor dem Fernseher abhängen und vor sich hin Stoffwechseln. An den Wohltaten des Staates partizipieren ohne zu seinem Wohlergehen beitragen zu müssen: Rentnerdasein. Das kleine Glück: Kurzes, episodisches Wohlbehagen und Gassi gehen fürs Sozialprestige: Ein Leben in Senior-City als ärztlich betreute Langeweile im Endzustand.
Fitte Suggaropas wandern aus - nach Thailand zu den Mädchenfrauen, in der irren Hoffnung, dass sie dort noch gepampert werden, wenn die Rente verprasst ist. Reiche Senioritas bieten barbusig ihr welkes Fleisch an sonnigen Stränden Kaffeelands feil und winken gelangweilt den Kellnern des Lebens: „Dasselbe noch einmal – nur diesmal ohne Heinrich, Albert oder Jürgen ...!“

Habe nur ich dieses Gefühl, dass wir in Deutschland diese Zukunft schon mal hatten: Als Vergangenheit? Die Führer unseres Volkes sehen aus wie Reiseleiter - aus einem Land, wo ich nie hinmöchte. Dazu fehlt mir die Muttivation.
Politiker mit professionell eingeschränkter Wahrnehmung streiten um Positionen, Macht und Bezüge, während Ewiggestrige und Rechtspopulisten wieder in einer ziemlich abwegigen Location salonfähig geworden sind: Dem Bundestag.
Jedes Land hat die Regierung, die es verdient. Manche Wähler/Innen scheinen nicht nur an Realitätsverlust zu leiden, sie scheinen ihn auch zu genießen: Als „alternative Fakten“. Bei deutlich geringer werdenden Wahlfähigkeit und -kompetenz fange ich an, ernsthaft zu überlegen, ob Demokratie wirklich noch eine gute Idee ist: Immer nur Fremdschämen bringt auch nicht weiter.
Meine Empörungsbereitschaft ist ungebrochen, doch mangelt es mir manchmal an Energie, um einen aufrichtigen Shitstorm anzuzetteln. An Tagen wie diesen fühle ich mich einfach zu schwach, meine Mundwinkel zu heben. Damals, in den 68ern, dachte ich noch, gegen beige-braune Gesinnung, Ausländerfeindlichkeit und Verhöhnung von monetär oder sonst wie Benachteiligten muss man nur lautstark protestieren und kämpfen, so blöd können die Nachgeborenen ja nicht sein …

Einstein soll einmal gesagt haben: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, musst du vor allem ein Schaf sein“.Ich mag immer noch nicht mit den Schafen blöken: Wer immer nur in der Herde läuft, sieht stets nur Ärsche vor sich …
Ich mag auch nicht mit den Wölfen heulen.
Sollen mich doch die Schafe ungehorsam nennen und die Wölfe ungesellig.

Sorry, aber ich bin nicht Deutschland. Ich war auch nicht Papst. Oder Weltmeister.
Ich lass` das wohl in Zukunft mit dem Wählen. Und mit dem Sex. Beides wird auf Dauer unbefriedigend, wenn sich da jeder Idiot beteiligen darf.

Ich möchte meine Kernkompetenzen nutzen, solange sie noch vorhanden sind.
Wechseljahre sind keine Herrenjahre: Als Frau, die nach dem eigenen, individuellen Glück, nach Entfaltung und Selbstbestimmung strebt, war man früher wie heute so willkommen wie Herpes beim Küssen: Die Berufswelt soll kein Selbsterfahrungs-Paradies sein. Sondern Anpassungsdruck, harte Arbeit, unbezahlte Überstunden, geringer Verdienst – jedenfalls für Frauen.
Von älteren Frauen wird erwartet, dass sie sich ins Private zurückziehen – es sei denn, sie sind Bundeskanzlerin. Ansonsten werden alternde Frauen in diesem Land als erledigt betrachtet. Es sei denn, sie haben es im Hosenanzug und Betonfrisur geschafft, in eine der männlich dominierten Domänen vorzudringen: Afghanistan, morgens um sieben, Truppenappell: Die Frisur sitzt …!
Der Rest „verwelkter Ware“ soll Zuhause seine Rosen begießen, Stützstrümpfe tragen und Enkelkinder hüten. Und Abschied nehmen vom Land des Hechelns.

Ich habe mich geübt im Soloing: Die meisten leiblichen Genüsse werden selbst herbeigeführt. Keine Zweckbündnisse mehr zur gegenseitigen Nutzung primärer und sekundärer Geschlechtsorgane. Einfach alles lassen und in Würde politisch desinteressiert und völlig unengagiert altern …
Ich würde ja gerne – aber ich kann es nicht. Ich habe dieses Submissivitäts-Gen nicht. Und ich habe nach dem Aufstehen andere Sorgen, als die, wie ich in Würde altern soll. Ich habe pubertiert, menstruiert, mich Männern gegenüber klar artikuliert … Ich will diesen Planeten nicht kampflos verlassen, ich werde keine beigen Stretchhosen und Inkontinenz-Höschen tragen und nicht die Schnauze halten, über Pflegenotstand , Altersarmut und jede Art von Diskriminierung in diesem, unserem Land.

Obwohl ich weiß, dass der deutsche Otto Normalverbraucher nicht bewusst leben will – er will nur bewusst essen: Otto N. interessiert sich lieber dafür, ob Milch, Wurst und Fleisch von glücklichen Kühen stammt, statt zu hinterfragen, warum er die Frau, die in seiner Küche oder als Service-Kraft bei Mac Ungesund seinen Burger brät, als „Service-Kuh“ betrachtet, die unter Mindestlohn für ihn putzen, seine Kinder hüten und im Büro seine Briefe tippen darf.
Bei YouTube betrachtet Otto N. lieber aufgespritzte, aufgepushte Barbies, die sich bis zur Unkenntlichkeit beim Schönheitschirurgen optimieren lassen, sich bis zur Geruchs- und Geschmacklosigkeit desodorieren, einparfümieren und Shugardaddys Kohle vershoppen … Damit sich die Herren Hipster, Rapper, Checker & Co. mit dem sprechenden, denkenden Rest der Frau nicht weiter beschäftigen müssen.

Ich bin der bockige Rest radikal-feministischer Überzeugungen.
Am besten, ich wandere zum Altwerden auch aus: Böse Überraschungen erlebt man besser an einem schönen Ort …
Vielleicht gehe ich nach Amerika: Klingonenscrabble spielen mit Donald. Einmal nur - ihn an den Eiern packen, bis er quietscht – und dabei dieses (etwas abgewandelte) Zitat von ihm benutzen: „When you are a star they let you do anything ... and fuck men and groping them without waiting for their consent ... When I meet an ugly men like you I feel able to grab you by your Dingelingeling …!”.

Wahrscheinlicher aber ist: Ich werde nichts tun.
Mich weiter fremdschämen. Für mein Land. Und den Bullshit, der von angeblichen Volksvertretern vor laufenden Kameras verkündet wird.
Ich werde nicht auf die Straße gehen und brüllen: „ICH bin NICHT das Volk!“
Ich werde nicht auswandern.
Und erst recht nicht in Würde altern.
Wahrscheinlicher ist, dass ich stattdessen Buddhistin werde:
Vor der GroKo hackte ich Holz und trug ich Wasser.
Nach der GroKo hacke ich Holz und trage ich Wasser …

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Dienstag, 27. Februar 2018
Harte Zeiten
Ich bin gerade ausgeraubt worden - beim Discounter um die Ecke: Hundertzehn Euro! Ein Einkauf und das ganze Geld war futsch ...
Ich dachte, dort könne man billig einkaufen – doch inzwischen sind die auf Qualität umgestiegen: Nur noch Luxusartikel im Regal, lauter hochpreisige Ware ... wo soll das hinführen, wenn man als Rentner selbst beim Discounter nicht mehr billig einkaufen kann? An der Kasse fragt man sich: Sind diese Preise schon passive Sterbehilfe?

Gäbe es ein Handbuch fürs Altern, ich würde es nicht lesen: In Würde zu altern ist in Deutschland Luxus geworden – und hört spätestens in der Warteschlange vor der TAFEL auf …
Ich hab `s nicht geschafft, jung zu sterben. Obwohl man damals, als meine Mutter mit mir niederkam, kein Gedöns gemacht hat mit Schwangeren: Kein Ultraschall, keine Vorbereitungskurse, keine Ehemänner im Kreißsaal … nicht mal im Kreißsaal hat meine Mutter gelegen, meine Geburt fand Zuhause, im Ehebett statt … Wassergeburt war nicht: Als ich frisch gepresst wurde, war Freitag. Gebadet wurde immer samstags. Da hätten sie extra für mich den Badeofen anheizen müssen - und so weit ging die Liebe nun auch nicht …

Gestern bekam ich auch noch dieses Schreiben von der AOK: Mein Zahnersatz sei mit Experten nicht mehr zu finanzieren. Ich dürfte wählen: Einen Zahnmedizin-Studenten im ersten Semester, einen Schauspieler, der mal einen Zahnarzt gespielt hat oder einen gut etablierten Hochstapler, der sich für einen Zahnarzt hält …

Ich brauchte dringend Ablenkung von den finanziellen Herausforderungen im Alter - und beschloss, mal da hinzugehen, wo die Seniorenpopulation am Höchsten und eine Seniorenkopulation am Wahrscheinlichsten ist: Mottoparties für Ü-60-Singles.
Vorher brauchte ich aber noch eine kleine Typveränderung im Salon Haar-Scharf. Anschließend sah ich am Kopf aus wie Mrs. Pavian am Hintern. Also ab in den nächsten Salong (ich weiß, dass man das anders schreibt: Die ABC-Schützen dürfen heutzutage auch alles so schreiben, wie es sich anhört!) und mich für einen weiteren Hunni umfärben lassen …
Das alte Blond sei das neue Grau, sagt die Shamponeuse und ein Karottenkopp wie meiner sei mega-out – der Burner sei jetzt mausgrau, steingrau, silbergrau, aschgrau, graumeliert … alles mega-in!
„Nö“, weigere ich mich altersstarrsinnig, „seit man um das graue Haar von Frau Schrowange so ein Geschiss macht, färbe ich - schon aus Trotz!“

Auf der Mottoparty am Abend wurde die gleiche Musik wie zu meiner Schulzeit gespielt – nur, dass die Tanzmäuse aussahen wie Margaret Rutherford, die mit Johannes Heesters tanzt ... und dort hielt ich Ausschau nach einem älteren, wohlhabenden Knaben, der meine Vita und einen angemessenen Altersruhesitz finanzieren könnte. Wenn er mich als Begünstigte seiner Lebensversicherung einsetzte, würde ich ihm alles versprechen. Meinetwegen auch, ihn zu Tode zu schnackseln …

So habe ich dann Heinrich kennengelernt. Der hat mich gleich zu sich nach Hause eingeladen: In einen Schuhkarton, der als „barrierefreies Seniorenappartement im höheren Preissegment“ getarnt ist. Heinrichs Dackel, namens Parzival, begrüßte mich stürmisch. Er ist gerade in der Hundepubertät. Als Willkommensgruß steckte er mir erst seine Schnauze tief in den Schritt, dann begann er, mein Bein zu rammeln. Bei Hunden gilt das vermutlich als Verlobung …
Später hat Heinrich mich zum Essen in ein schickes Restaurant ausgeführt – früher ging man jedenfalls dort hin, um zu essen. Heute is(s)t man dort, um gesehen zu werden - oder um sein Essen zu fotografieren: Fleisch vom Kobe-Rind, Durac Loin Ribs, Japanisches Wagyu …
„Heinrich", flüsterte ich, "bist du verrückt, deine komplette Rente hier zu verprassen? Für ein winzigkleines Stückchen Fleisch an Gojibeeren und zwei Möhren? Das außerdem noch roh und blutig ist und fade schmeckt? Ich mag kein Fleisch im Mund haben, auf dem man unendlich lange herumkauen muss und das im Mund immer mehr wird. Womit wir das Thema auch gleich abgehakt hätten: Cunnilingus. Falls ich mal Lust auf einen Protein-Shake habe, hole ich mir selber einen runter: Aus dem obersten Fach in meinem Küchenschrank!“

Nach Einkauf, Friseur- und Restaurantbesuch war mein Budget für „soziale Teilhabe“ aufgebraucht. Spätabends ging ich dort hin, wo mein Bett steht – ein Zuhause kann man das nicht nennen. Es sei denn, man wäre ein Kanarienvogel.
Wer kann sich im Alter noch ansprechenden Wohnraum leisten? Für Ü-60-Singles gibt es nur noch diese „seniorengerechten“ Wohnklos in Appartementanlagen, die nicht gerade ein gesundes Umfeld für eine dynamische Ü-60igerin sind: Schön teuer und schön tot - wie der Friedhof meines Vertrauens.
Mein halbes Leben habe ich Umständehalber beengt leben müssen: In meiner ersten kleinen Bude, mit achtzehn – wir zogen noch von Zuhause aus - und später, in meinem kleinen „Appartement für Pendler und Studenten“ am Studienort … und anschließend, dieses unbeheizte Zimmer in der WG, weit draußen, in den öden Weiten Südniedersachsens … und später, die kleine Puppenstube, in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus meiner Schwester … Später habe ich viele Jahre im Appartement im Schwesternwohnheim der rheinischen Kliniken gewohnt: "Bullenkloster" hat man das genannt - wegen der einsamen Ärzte und Pfleger, die auch dort hausten … Anschließend die „kleine Wohnung für das kleine Budget“, nach meiner Scheidung … und jetzt: Seniorenwohnung in Sarggröße. Zum Eingewöhnen – damit es sich später, wenn man auf Torfatmung umgestiegen ist, nicht so beengt anfühlt …

Abgesehen von Altersarmut und beengten Wohnverhältnissen ist meine kleine, analoge Welt eigentlich ganz in Ordnung – solange mich keine jungen Leute besuchen.
Als ich mit meiner Enkelin einen Film mit Jennifer Anistan im Fernsehen schaute und sah, wie sie mit ihrem Handy telefoniert, rief ich enthusiasmiert:„Guck mal, Anna, die Jennifer hat das gleiche Handy wie ich!“
„Omma“, hat meine Enkelin gestöhnt und dabei die Augen verdreht, "der Film ist von zweitausendacht …!“
Auch wenn ich es nur ungern zugebe: Technikmäßig ist bei mir irgendwann die Zeit stehengeblieben.
Es hat so viel Mühe gemacht, bis ich verstanden habe, wie ich einige Funktionen meines Handys benutzen kann. Und es hat gedauert, bis ich keinen Nervenzusammenbruch mehr bekam, wenn auf meinem Laptop so komische Nachrichten aufgeploppt sind wie: „Wenig Speicherplatz“ oder „Die Suche nach Updates ist nicht möglich“ und „Ihr Browser ist veraltet“ …
Heutzutage weiß ich, wie frau souverän mit sowas umgeht: Einfach ignorieren!

Ich brauche jedenfalls im Alter keine Kaffeemaschine, für die man ein Informatikstudium absolviert haben muss, um zu kapieren, wie man sie bedient - und "Alexa" kann mich mal. Ich halte eine "Influenza" weiterhin für eine Grippe - und Mädels, die mich im Internet volltexten, was sie gerade shoppen und wie sie sich schminken und aufs Klo gehen, gehen mir am Allerwertesten vorbei. Ich halte die vorhandene Anzahl an Löchern in meinem Körper für ausreichend und komme wunderbar ohne "die Lochis" aus.
Ich will nicht, dass meine elektrische Zahnbürste mit mir spricht. Sie soll ihr Maul halten, während sie in meinem ihre Arbeit verrichtet.
Frau trägt schon schwer genug daran, älter zu werden: In Zeiten von Fifty Shades traut man sich ja nicht mal mehr in einem Baumarkt zu fragen: „Haben Sie Kabelbinder und Klebeband?“
Weil frau befürchten muss, dass der Verkäufer diesen Sebästschiän-Blick bekommt – und davon träumt, sie im Lederstring und Hottehü-Maske an seinen Heizkörper zu tackern …!

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Dienstag, 20. Februar 2018
Lysistrata ist tot: Lang lebe Pandora!
Frau sein mag biologisch Vorteile haben, soziologisch kommt es - nach Meinung einiger narzisstisch gestörter Männer - einer Behinderung gleich. Ich kann dieses Hoden-Esperanto einfach nicht mehr hören, ohne mich erbrechen zu müssen. Diese dummdreiste Logik, mit der sich manche Mikropenisse hartnäckig für was Besseres und den Nabel der Welt halten und glauben, dass jede Frau unheimlich scharf darauf ist, ausgerechnet von ihnen gePIEPSt zu werden, scheißegal wie dumm, alt, fett, gestört, ungewaschen, unattraktiv sie daherkommen.
Als Frau brauchst du nicht mal in die Ferne zu schweifen: Jede kennt wenigstens einen narzisstisch gestörten Typen aus ihrem Familien-Freundeskreis oder Arbeitsleben, der mit den Parametern männlicher Dominanz daherschlawenzelt kommt und sich qua Geburt für den Punkt auf Mittelerde hält, um den Mädels sich zu drehen haben. Möglichst mit nacktem Hintern und freigelegten Möpsen.
Dagegen kommst du als Frau auch mit sorgfältigst kultivierter Unsichtbarkeit nicht an. Selbst in Kleidung, die frau gerade aus einem Müllkontainer gefischt hat, auf der Flucht oder als Vertriebene, ungewaschen und fern der Heimat, in jeder Ecke lauert so einer: „Willze ficken?“

Auch gebildete und sozial anerkannte Alpha-Männchen im Business-Anzug können ganz schön nerven, wenn sie narzisstische Persönlichkeitsstörungen haben, die ihnen das Gefühl der eigenen unantastbaren Größe und Einzigartigkeit geben und die durch selbst inszenierte Grandiosität und die ausschließliche Ausrichtung auf die eigene Person hervorstechen. Durch ihre ausgeprägte Selbstverliebtheit und das Verlangen, von allen bewundert werden zu wollen, fallen sie auf - dass sie uns Frauen damit ganz schön auf den Wecker gehen, nehmen sie gerne in Kauf.
Sie sind nicht Papst, sie sind Erzengel, Luzifer und Godfather zugleich! Als Ausgleich ihrer inneren Unsicherheit und Minderwertigkeit müssen sie sich ein positives Selbstbild von sich aufbauen, das durch expressive und exzessive Größenphantasien gestützt wird. Dadurch schaffen sie sich ein eigenes Idealbild, oder besser gesagt: ein Traumbild von sich und der Welt, wie sie sie gerne hätten.
Zeigt ihnen die reale Welt oder eine reale Frau jedoch ihre kalte Schulter, ignoriert sie sie gar, reagieren sie nicht wie ein enttäuschter Liebhaber, das wäre ihnen zu klein, zu banal. Wenn eine Frau die unverschämte Frechheit besitzt, sie, die Größten unter der Sonne (mit dem Größten in der Hose!) zu verschmähen, dann fühlen sie sich gleich von der ganzen Welt verschmäht!
Daraus kreieren solche Typen ihr Recht, Frauen zu verachten, ganze Mädchenklassen zu entführen, zu vergewaltigen, zu versklaven, den Löwen zum Fraß hinzuwerfen und jede Frau, die es wagt, anderer Meinung zu sein als sie, erbarmungslos verbal oder in echt zu foltern und zu quälen - und hinterher final ans Kreuz zu nageln: „Die blöde Kuh hat es doch nicht besser verdient!“

Das Selbstwertgefühl solcher Großmäuler hängt fast ausschließlich von der Bewertung anderer ab: Solche Typen erwarten ständige und ununterbrochene Bestätigung - am Liebsten von willfährigen, untergeordneten Frauen. Selbstunsichere Männer können ihre Energie nicht aus dem Inneren beziehen und müssen zur Energiegewinnung Frauen „anzecken“ oder zum Opfer machen: Weibliche Aufmerksamkeits-Energie ist der Treibstoff, der sie nährt und antreibt - im Guten wie im Bösen: "Und bist du nicht willig, so brauch` ich Gewalt ...!"
Nur leider versiegt die Quelle abhängiger, unterwürfiger Frauen immer wieder und sie müssen sich ständig nach Nachschub umsehen: In Thailand, bei virtuellen Geishas oder sonst wo auf Ficki-Island …
Aus diesem Grund sind jederzeit bereit, sehr lange Wege und übermenschliche Anstrengungen auf sich zu nehmen, um die wirtschaftliche, private oder berufliche Abhängigkeit von Mädchen und Frauen anderer Länder auszunutzen, um für sich Aufmerksamkeit und Macht zu erschließen und sie zu erhalten.

Ihre als „Kritik“ getarnte Häme und Größenphantasien von sich und ihren Fähigkeiten verbreiten sie gerne in Großmanns-Manier auf dieser Baustelle: Am Arbeitsplatz. Als penible, kontrollierende Vorgesetzte, selbsternannte „Gurus“ oder „Heiler“ ...
Das gibt ihnen ein Gefühl grenzenloser Macht und Herrschaft. Durch maßlose Überheblichkeit und Selbstüberzeugung sowie einem unersättliches Anspruchsdenken stellen sie sich in Pose: „Mein Haus, mein Pool, mein Pferd, mein Auto, mein Doktortitel …!“ und erwarten dafür andächtige Bewunderung.
Für sie ist es lebenswichtig, dass alle Macht, jegliche Aufmerksamkeit, jedes Lob und jede Wertschätzung ihnen gelten. Sie können es einfach nicht ertragen, wenn nicht sie im Mittelpunkt stehen. Alle ihre Bemühungen richten sich darauf aus, machtvolle Positionen zu erreichen, einzunehmen, zu halten und zu verteidigen: Wehe dem, der ihre Kommentare, ihr Gesabbel und ihr Geschreibsel ignoriert, wer ihr grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit und Talente übersieht!

Mancher narzisstische Jungspund, der von Beruf Sohn ist, erwartet auch ohne entsprechende Leistung zu erbringen, als grandios und überlegen anerkannt zu werden. Mamas Liebling ist dermaßen selbstbesoffen und eingenommen von seinen Phantasien grenzenlosen Erfolgs, grenzenloser Macht, Brillanz, Schönheit, Talent oder idealer Liebe, dass er glaubt, besonders und einzigartig zu sein: Einfach, weil er daran glauben will.
Exzessive Bewunderung von Mama und allen Mama-Stellvertreterinnen ist sein tägliches Brot. Wer so einem Dieter-Bohlen-Verschnitt für Arme die Bewunderung seiner "Talente" verweigert, wird zur "Feindin No.One" erklärt. Mamasöhnchen haben das bewundernswert feindselige Talent, alles auf sich zu beziehen - und sei es noch so abwegig.

Wer schon einmal mit einem emotional Unbedarften eine Liaison eingegangen ist, weiß, dass frau besser Gespräche mit den Wollpullis in ihrem Schrank führen kann als mit solchen Männern: Männlicher Mangel an Empathie wird nur noch überragt durch männlichen Mangel an Emotion. In seinem hochnäsigen Auftreten blickt der Arrogante und Selbstgefällige und der passiv-aggressive Mann gerne auf Frauen herab. Durch seine kaltherzige Art und durch anmaßende und übertriebene Verurteilungen von weiblicher Intelligenz und Leistung fällt er auf - nur selten wird er öffentlich dafür gemaßregelt oder daran gehindert. Und wenn, winselt er schnellstmöglichst um Vergebung, gibt sich nach außen hin submissiv-gefügig - und lacht sich innerlich eins ins Fäustchen, weil Frauen so leichtherzig verzeihen.

Im Internet gefällt es Narzissten über die Maßen gut: Facebook, Twitter & Co stellen die Bühne zur Verfügung, die sie für ihre Selbstdarstellung und Großmannsphantasien brauchen.
Und niemand setzt sich ihnen zur Wehr und nur selten bietet ihnen jemand Paroli. So können sie weiterhin glauben, von allen weiblichen Usern um ihre Grandiosität, ihre Intelligenz, ihr Geld, ihre Titel, ihr Talent, ihren Besitz …angebetet zu werden.

Sie gehen gerne voran, übernehmen die Führerschaft und setzen sich über alles hinweg. Sie sehen nur ihre eigenen Interessen und ihre eigenen Ziele. Dabei ist der eigentliche Gegenstand des Zieles niemals primär. Für sie sind nur die Darstellung der eigenen Größe und die Lorbeeren, die sie durch Erfolge ernten, von Bedeutung. Genauso wesentliche Merkmale sind ihre übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen jeglicher Art, ein großer Mangel an Einfühlungsvermögen anderen gegenüber sowie die derbe und schamlose Entwertung von Frauen.

Das Unglück mancher Frauen ist, dass manche negativen narzisstischen Eigenschaften eines "Mr. Big" erst nach längerer Zeit oder einer intensiveren Beziehung sichtbar werden, denn manche verstehen es hervorragend, sich in den Werbewochen Frauen gegenüber von ihrer brillanten Seite zu präsentieren. Ihre wahren Absichten bleiben lange Zeit im Dunkeln, so dass Frauen oft nicht vermuten, dass sich hinter der Fassade ein äußerst übles Potenzial verbirgt.

In Zeiten des Internets bringt es nichts (mehr), Typen, die verbal oder in echt kriegerisch-metzelnd unterwegs sind oder mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung hinter den Schreibtischen der Macht thronen, den Geschlechtsverkehr zu verweigern wie einst Lysistrata - oder eine weinerliche Mee-Too-Debatte anzukurbeln, in der Frauen, die privat oder beruflich Opfer männlichen Dominanz- und Imponiergehabes und gewaltsamer Überschreitungen sämtlicher Grenzen des Anstandes geworden sind, hinterher auch noch öffentlich an den Pranger der Boulevard-Presse gestellt werden.

Wir könnten sie auf zwanzig krasse Arten killen ... doch so leicht sollten sie uns nicht davonkommen.
Wir könnten sie - wie einst in der griechischen Antike - nicht durch das Schwert, sondern durch weibliche List und Tücke erledigen. Wir könnten die Büchse der Pandorra öffnen: Clamydien, Genitalherpen, Syhillis, humanes Paillomvirus, Ulcus molle, Hepatitis B, HIV, Gonokokken, Gonorrhoe ...
und diese Recep Tayyips, Donalds, Jong Uns sind Geschichte.

Ich muss nur noch herausfinden, wie ich an unentdeckten Tripper rankomme, mit dem ich diese Vollhörste infizieren kann, ohne dass sie `s merken. Das jedenfalls ist mein schöner, perfider Racheplan für die nächsten Jahre …
















Wir googeln zur Frauenfortbildung:
Mythos Pandora:
Auf Weisung des Zeus hatte Hephaistos aus Lehm die erste Frau geschaffen, Pandora. Sie war ein Teil der Strafe für die Menschheit wegen des durch Prometheus gestohlenen Feuers. Prometheus’ Bruder Epimetheus und Pandora heirateten.
Zeus wies Pandora an, den Menschen die Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Doch sogleich nach ihrer Heirat öffnete Pandora die Büchse. Daraufhin entwichen aus ihr alle Laster und Untugenden. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das Schlechte die Welt. Zuvor hatte die Menschheit keine Übel, Mühen oder Krankheiten und auch den Tod nicht gekannt. Als einzig Positives enthielt die Büchse die Hoffnung (griechisch ἐλπίς elpís). Bevor diese auch entweichen konnte, wurde die Büchse wieder geschlossen. So wurde die Welt ein trostloser Ort. Gelegentlich findet man in Sekundärliteratur die Behauptung, die Büchse sei ein zweites Mal geöffnet worden, sodass auch die Hoffnung entweichen konnte. Dabei könnte es sich um Versuche handeln zu erklären, warum die Menschen die Hoffnung kennen. Im Original von Hesiod gibt es keinerlei Hinweis auf eine solche zweite Öffnung. Unbekannt ist darum auch, welches Übel als letztes entweichen konnte. Demgegenüber steht die Auffassung von Nietzsche, nach der die Hoffnung in Wahrheit das größte Übel aller in der Büchse befindlichen Flüche ist: Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.



Lysistrata (altgr. Λυσιστράτη Lysistrátē, aus λύσις lysis „Auflösung“ und στρατός stratós „Heer“), Die Heeresauflöserin, gehört zu den bekanntesten Komödien des griechischen Dichters Aristophanes. Sie wurde von ihm im Frühjahr 411 v. Chr. – im zwanzigsten Jahr des Peloponnesischen Krieges – bei den Lenäen zur Aufführung gebracht. Im selben Jahr entmachteten in Athen Aristokraten durch einen Putsch die radikaldemokratische Regierung. Lysistrata ist das dritte der pazifistischen Stücke des Aristophanes, die den Krieg zum Thema haben.
Inhalt:
Das Stück thematisiert den Kampf einiger Frauen gegen die Männer als Verursacher von Krieg und den damit verbundenen Leiden. Getragen von dieser Erkenntnis verschwören sich die Frauen Athens und Spartas, um den Frieden zu erzwingen. Sie besetzen unter Führung der Titelheldin Lysistrata die Akropolis und verweigern sich fortan sexuell gegenüber ihren Gatten. In Sparta wird durch Lampito ähnliches veranlasst. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen – führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg.

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Samstag, 17. Februar 2018
TV-Top-Tipps fürs Wochenende:
07:00 Die Sendung mit der Ratte
Klingt blöd. Ist aber so.
07:30 Volle Kanne. Frühstücksfernsehen
Manische Moderatoren servieren Senilfood für saublöde Senioren
9:00 Die letzte Kuh. Krimiserie
Wiederholung vom Vorabend: Der letzte Bulle trabt zum Besamungsfachwirt seines Vertrauens.
10:00 Welke Rosen. Telenovela für postmenopausale Mädels
10:30: Extrem leicht. Doku-Soap
Leichte Mädchen mit Menstruationshintergrund lernen unter Anleitung des Life-Coachs Felix Klemme, wie sie sich auf schweren Jungs anmutig bewegen
11:00 Verbotener Hass. Daily Soap
12:00 Gute Zähne, schlechte Zähne. Daily Soap
12:30 Bei Anruf Hiebe. Dating-Show
Heute kriegt Kevin hinter der Liebeswand von Chantal was auf die Fresse
13:00 Schlag mich doch! Doku Soap
Irene K. aus G. will`s hart und unbarmherzig. Doch Freund Dieter F. aus H. steht auf Blümchensex
14:00 Two and a Half Woman. Sitcom
Charly Sheen metzelt im Drogenrausch zwei Damen aus dem Vaginalbusiness ab, weil sie ihn verklagen wollten.
15:00 Shopping King
Jorge Gonzales und Bruce Darnell stöckeln auf high Heels durch Börlin und wollen an Guidos Designerstück
17:00 Explosiv – Laktose-Intoleranz und ihre Folgen
17:30 Exclusiv – das Amsel-Meise-Fink & Star-Magazin
18:00 Lasziv. Der König von Mallorca stellt auf dem Rentnerball seinen neuen Song vor: „Zu alt für Lambada, zu jung für den Seniorenteller“
18:30 Türkisch für Anfänger
Schimpfworte vom Bosporus, Lektion 1:
IschPIEPsedeineMutterduOpfa!
19:00 Henssler hinter Gittern. Kochshow
Knastjungfrau Ali steht vor seiner größten Herausforderung: Den Henssler richtig zu bedienen. Wird er es schaffen?
19:30 Bauer sucht Sau. Kuppel-Show
Heute: Bauer Heinrich isst wieder Schaf
20:00 Rach, der Raststättentoiletten-Tester
Der Kackerlakenprofi drückt es aus: Ihm stinkt`s gewaltig!
21:00 Sing my Song
Sara in Love und Yvonne Knatterfeld räkeln sich lasziv auf dem Schaffell vorm knisternden Kamin und Lederhosenrocker Thomas Gabalier kommt in Springerstiefeln reingeschuhplattelt und jodelt: “I sing a Liad für di, i hob a Engerl `gsehn, du geile Förschterin vom Pussywald!“ Im Hintergrund jammert ein selbstbesoffene Xavier Nadoo: „Sie wolln ons nech …dieser Weg wird kein seichter sein …“
22:00 Good bye Ausland! Reportagereihe
Heute: Daniela Katzenberger ist Kotza Kordalisübel: Ihre Schwester ist Dschungelkönigin! Daniela lässt sich spontan scheiden und heiratet auf Malle den Vater ihres unehelichen Kindes: Jens Büchner. Beide wollen jetzt ganz dolle Gas geben und bei POCO die Regale auffüllen
23:00 Auf und davon. Das Auswanderer-Magazin
Herrmann K. setzt alles auf eine Karte: Bevor er in Essen Alimente zahlen muss, will er in Portugal ein neues Leben beginnen. Oder in Korschenbroich …
24:00 The Gang Bang Theory
Damit Sheldon aufhört, sich immer wieder neue Krankheiten einfallen zu lassen, greift Stephanie zu einem Trick: Sie spielt nackt Klingonenscrabble mit ihm
1:00 How I Met your Samenspender. Sitcom
2:00 Auf Seife. Doku-Soap
Nachgestellte Szenen aus dem Polizeidienst. Heute: Ausgerutscht!
03:00 Arm & Hässlich
04:00 Leider geile Werbe-Titts! Erotikmagazin. Softpornos mit Dschungelkönigin Melanie Müller, mit Pöbelanrufen von Mark Madlock
05:00 Pups! Die Pannenshow.
06:00 Einsatz mit vier Händen – Spezial
Für Familie A. wurde ein Alptraum wahr: Wine Tittler stapft durch ihr Blumenbeet


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Donnerstag, 15. Februar 2018
Das Geheimnis der Begierde oder die Matrix der Lust
Wenn alle Männer Schweine sind - sind dann alle Frauen Perlen vor die Säue …?
Die Sendung „Das Geheimnis der Begierde oder die Matrix der Lust“ auf ARTE versucht darüber aufzuklären, dass im Tierreich als auch bei uns Menschen die Weibchen im gleichen Maße fremd gehen wie ihre männlichen Artgenossen:
Innerhalb einer Partnerschaft würden Frauen sogar früher daran denken als ihre männlichen Partner. Während Männer sich noch in der Partnerschaft wohlfühlen und alles prima fänden, machten ihre Frauen längst im Geiste den Einkaufszettel fürs Genshoppen ..
Wenn man den wissenschaftlichen Studien, die in der Sendung zitiert werden, glauben mag, gehen Frauen genauso gerne fremd wie Männer - nur behaupten sie gerne das Gegenteil. Schon rein rechnerisch ist das nicht valide, denn zu jedem Hetero-Mann, der sich fremdgehend ins Gebüsch schlägt, gehört auch eine Frau - zumindest eine.
An das Märchen, Frauen würden durch Pornos nicht erregt und zögen wegen Aufzucht der Brut die Monogamie vor, glaube heutzutage wohl keiner mehr, meint der Moderator. Statt auf Langeweile im Endzustand, die Ehe, seien Frauen ebenfalls auf serielle Monogamie und mehrere Lebensabschnittsgefährten ausgelegt. Spannend sei nach wie vor, warum Frauen das (immer noch) verheimlichen und Männer das (immer noch) nicht wahrhaben wollten.

Auch in der Primatenforschung tue man(n) sich schwer damit, wenn weibliche Lust offensiv eingefordert werde, wenn beispielsweise Herr Pavian von Frau Pavian zum Sex genötigt werde. Nichts sei im Tierreich so, wie es uns Dr. Grzimek früher Glauben machen wollte. Heute wisse man: Mme Pinguin sei lesbisch, Mrs. Schimpansin gehe fremd und Frau Kuckuck vögele lustig ohne Hochzeit - und lege hinterher ihre Brut einfach einer anderen ins Nest, die kleine Schlampe.

Eine weitere unangenehme Erkenntnis lauere in neuen Studien über die Sexualität der Frau: Frauen haben schmutzige Phantasien: Während er den doppelten Rittberger vom Schlafzimmerschrank in Szene zu setzen bemüht sei, rufe Madame in ihrer Phantasie die Herren Cloony, Schwarzenegger, Carpendale & Co zum Liebesdienst herbei. Will heißen: Während er glaube, seine Bettgenossin verdrehe in extatischen Wonnen die Augen, weil er sie gerade ins Nirvana schnacksele, gehe in Wahrheit in ihrem Frontallappen das Kopfkino ab – leider mit anderen Hauptdarstellern …
In Zukunft müsse er sich hinterher nicht nur fragen, ob die Frucht im Bauch seiner Angebeteten seinem Samen entspringe – er müsse sich auch Sorgen darüber machen, an wen sie währenddessen gedacht habe, während er sich auf/unter/neben ihr abgerackert habe.

Kleiner Tipp von mir an alle Männer, die diese Sendung auf allen Ebenen tief verstört: Seid wachsam!
Vor allem, was die vielfältigen Umstylingversuche eurer Liebsten an euren Astralkörpern betrifft: Erst wird ganz zufällig hier ein Pickelchen entdeckt und ausgedrückt, da eine Augenbraue gezupft …
Eines schönen Tages wird die Herzallerliebste übergriffig werden – und kalt lächelnd damit beginnen, Heißwachs auf eure Brust- und Beinbehaarung aufzulegen. Dabei handelt es sich nicht, wie ihr anfänglich glauben mögt, um geile SM-Spielchen, sondern um ein Ganzkörperwaxing - das mit der Enthaarung eurer Kronjuwelen endet.
Glaubt bloß nicht, dies entspringe dem fürsorglichen Pflegeinstinkt eurer Frau. Damit läst sie euch vier Liter Abführmittel schlucken und schickt euch anschließend zur Darmspiegelung ...
Die Enthaarungsarbeiten an ihrem Lebensabschnittsgefährten macht sie sich einzig und allein, um sein real existierendes Waschbären-Bäuchlein ihren Sexphantasien von halbnackten Fußballspielern anzugleichen.
Sie könnte ihm nachher auch ein: „Inspired by David Backham“ auf den nackten Hintern tätowieren lassen.

Auch für die Fortpflanzung seid ihr Jungs weitestgehend verzichtbar geworden: Eine Genshopping Queen kann das „Teelöffelchenvoll“ als Bestellung bei der Samenbank aufgeben (soll das `n Mädchen werden – oder kann das wech?) es einem A-Promi in der Besenkammer rauben oder mit C-Promis im Teppichgroßhandel ihres Vertrauens herumludern.
Die Dame von Welt braucht für ihre Lustentfaltung nur noch ein wenig Phantasie – und frische Batterien, mit denen sie den Schatterzapfen in ihrem Nachtschränkchen stets betriebsbereit hält.
Das war `s auch schon mit den schlechten Nachrichten.
Die gute Nachricht: „Fifty Shades of Grey“: Es soll noch Weibchen geben, die für gewisse sexuelle Präferenzen noch männliches Personal und Equipment aus Baumärkten brauchen.
Die auf primitivste Unterwerfungsrituale stehen und ihren „Sebästschän“ suchen - der morgens zur Arbeit geht und aussieht, wie der freundliche Herr von der Hamburg-Mannheimer – und abends als der geheimnisvolle Mr. Grey zurückkehrt, der sie mit Kabelbinder an die Waschmaschine tackert und ihnen anständig den nackten Hintern versohlt: Tschakkkkkkkkkaaaaah ...!






Anmerkung:
Die Sendung: „Das Geheimnis der Begierde oder: Die Matrix der Lust“ wurde zum ersten Mal auf ARTE am 10.06.2016 ausgestrahlt

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Sonntag, 11. Februar 2018
Konklusion
Hildegard ist sauer. Nichts Besonderes, nur eine plötzliche Verstimmung, eine knurrige Eingeschnapptheit … jedenfalls ist ihr Stimmungsbarometer in Richtung Übellaunigkeit umgeschlagen. Keine Ahnung, warum sie plötzlich so gereizt ist. So etwas kommt und geht bei ihr ...
„Was ist, Hilde? Heute keine Lust auf deine Tanzgruppe?“, frage ich.
Hilde macht ein fiependes Geräusch, schnalzt hörbar mit der Zunge, ihr linkes Auge zuckt nervös: „Aschloch – Schpass!“
Wenn sie nervös ist, laufen bei ihr solche Mechanismen ab, einschließlich dieser Floskel, die ihr aus dem Mund schießt wie ein Torpedo. Sie verliert leicht die Fassung - vor allem, wenn ich sie in die Klinik begleite. Habe ich sie jemals entspannt lächeln sehen? Öfter ist zu beobachten, wie sie andere barsch anfährt, herumkommandiert oder auftrumpft: „ICH bin betreutes Wohnen – ich bin nicht Patient!"
Dabei spuckt sie das Wort „Patient“ so verächtlich aus wie einen ausgekauten Kaugummi ...

Ihr halbes Leben musste Hilde hinter den Mauern der psychiatrischen Landesklinik verbringen – gegen ihren Willen und bereits in Zeiten, als Anstaltskleidung und Maßnahmen wie „Kalte Wickel“ und Fixierungen noch an der Tagesordnung waren. Erst mit fünfzig Jahren kam Hilde mit anderen Langzeitpatienten in die soziale Reha und ins betreute Wohnen, außerhalb der Klinik. Seitdem verbindet sie eine Art Hassliebe mit der „Klapse“, wie Hilde sie nennt.
Mit einer Mischung aus Sensationslust und unbewältigtem Kummer erzählt sie zuweilen von Demütigungen, Gewalt und Übergriffigkeiten, die ihr in ihrer Kindheit und Jugend durch medizinisches Personal widerfahren sind.
Dennoch zieht es Hilde immer wieder in die einst so verhasste Klinik zurück. Ich frage mich, warum. Vermutlich, weil es ihre Vergangenheit ist, ihre Kindheit, ihre Jugend -und weil sie keine andere hatte als diese ...

Vielleicht will Hilde auch nur deshalb an der Tanzgruppe in der Klinik teilnehmen, um dort ihre scheinbare Überlegenheit zu demonstrieren: Wenn der Kurs vorbei ist, müssen die Patienten bleiben – Hilde darf, in Begleitung, das Klinikgelände wieder verlassen. Für dieses Triumphgefühl nimmt sie den Aufwand in Kauf, ihre beste Kleidung anzuziehen, sämtlichen Schmuck anzulegen, sich zu parfümieren … um dann verdrossen neben mir an der Bushaltestelle zu hocken und auf den Bus zu warten.
„Wir können auch zurück gehen zur Wohngruppe, Hilde."
„Aschloch – Schpass! Bist du jetzt böse?“ Sie initiiert ein Grinsen und guckt finster.
„Was möchtest du: In die Klinik, zur Tanzgruppe – oder zurück zur Wohngruppe?“
„Nee, nicht zurück in die Scheißwohngruppe: Lieschen qualmt den ganzen Tag Zigaretten. Das stinkt. Und Ekki trinkt immer heimlich aus der Colaflasche ausm Kühlschrank. Das darf der nich`, der hat doch Zucker! Jasmin hat Herrn Garbelmann Geld geklaut, das hab` ich gestern selber gesehen …!"
Denunziation ihrer Mitbewohner scheinen Hildes liebstes Hobby. Das hat sie in der Klinik gelernt: Früher konnte sie sich damit erfolgreich beim Klinkpersonal anbiedern ...
Noch zehn Minuten bis der Bus kommt - so lange wird Hilde unverdrossen weiter versuchen, mir mit ihren Sensationsgeschichten eine Reaktion abzuringen
„… und Hitler hat gesagt …“
„Ähm …wer?“
„Hit-lor hat gesagt …“
„Meinst du etwa den neuen Mitbewohner? Der heißt: V-i-c-tor.“
„Ich hab` zu Fiktor gesagt: Du hast mir gar nichts zu sagen! Und Fiktor: Dohoch. Du bist nämlich behindert. Was heißt eigentlich „behindert“?“
Gute Frage.
Nächste Frage: Wie erkläre ich Menschen mit Doppeldiagnose: Chronische psychische Erkrankung und schwere kognitive Einschränkungen, dass sie eine psychische Erkrankung und schwere kognitive Einschränkungen haben?
Unser Bus biegt um die Ecke. Das kommt mir gelegen. Doch es ist nicht unsere Linie sondern der Bus der Lebenshilfe, dessen Türen sich gerade zischend öffnen.
Ein junger Mann klettert mühsam die Stufen hinab. Durch eine rechtsseitige Spastik ist er in der Bewegung stark eingeschränkt, sein Kopf ist zur rechten Schulter geneigt, der rechte Arm verkrümmt und in Pfötchenstellung zum Kinn gezogen.
Hilde macht ein fiependes Geräusch, schnalzt hörbar mit der Zunge, ihr linkes Auge zuckt: „Aschloch - Schpass!“
Sie fuchtelt mit dem Arm und zeigt auf den Jungen: „Der da – der is` behindert, nä?“
„Ja, Hilde, der junge Mann hat ein körperliches Handycap.“
Hildegard senkt den Kopf und überlegt. Dann schaut sie mich unverwandt an: „Und ich - wo bin ich denn behindert?“

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Freitag, 9. Februar 2018
Alberta erzieht
Alberta ist eine Frau mit guten Vorsätzen. Bis zum Abendbrot kann sie sich auch halbwegs daran halten. Doch bei der Geräuschkulisse entgleiten sie ihr langsam - die guten Vorsätze und die Snacks zum Rotwein.
Während sie sich schwerfällig bückt, um eine Olive unter dem Sofa hervorzufischen, wummern aus der Nachbarwohnung die Bässe im Takt ihrer geschwollenen Halsschlagader. Die neuen Nachbarn lärmen nach Kräften. Es scheint sich um diese Art Feierfreunde zu handeln, die gerne mal die Inneneinrichtung zu Bushiodo - Klängen auseinandernehmen und anschließend ihr Dönerscharfundmitalles und diverse Pils in den Flur erbrechen ...

Alberta hat einen anstrengenden Job. Nach Feierabend will sie wohnen: Im Walla-Walla-Gewand auf ihrem Sofa residieren; Rotwein, Oliven und Cracker in greifbarer Nähe, während aus dem Hintergrund die schwermütigen Gesänge eines Leonhard Cohen ins Gemüt tropfen.
Stattdessen horcht sie seit Stunden in Erdmännchenmanier zur Nachbarswohnung hinüber, aus der dumpfes Gepolter und alkoholisiertes Gegröle dringt. Es klingt, als ob Pogo getanzt wird ...
Verdrossen genehmigt sie sich ein weiteres Glas auf den nachbarlichen Krach, der ihr den gemütlichen Abend vergällt.

Um Mitternacht ist ihre Laune am Gefrierpunkt. In der Nachbarswohnung wird infernalisch mit Türen geknallt, enthemmtes Mädchengekreisch hallt durch den gutbürgerlichen Hausflur.
Wie man hören kann, sind nicht alle Probleme in Alkohol löslich: Manche können schwimmen …
Fast sehnt Alberta den Hausmeisterfaschismus ihrer Kindheit herbei, als ältere Herren im Graukittel noch energisch an Nachbarstüren klopften und Nachtruhe einforderten.
Sie gähnt herzhaft und schlurft in ihren Plüschpantoffeln ins Bad. Als sie sich anschließend in ihrem Bett auf die Matratze wuchtet, muss sie feststellen, dass sie nun direkt neben dem Epizentrum der nachbarlichen Orgie liegt, wo dumpfe Bässe auf ihrem Zwerchfell wummern: "Umpfumpfumpf dadadadada umpf umpf braaaaaahtbraaaaht umpf umpf ..."
Albertas Blutdruck schwillt in unangenehme Höhen, während ihr Herz beginnt, im ungewohnten Wacken-Rhythmus zu hämmern.

Gefühlte Stunden später ist man nebenan von Bushido auf Metallica und Subway to Sally umgestiegen und veitstanzt dazu:

"...Bluuut, Bluuut, Räuber saufen Bluuut
Raub und Mord und Überfall sind guuut.
Hoch vom Galgen klingt es
Hoch vom Galgen klingt es, Raub und Mord und Überfall sind guuut ..."

Unruhig wälzt sich Alberta von der Rücken- in die Bauchlage und wieder zurück. Was gäbe sie jetzt dafür, neben einem altdeutschen Ehebrocken zu liegen, den sie aus dem Schlaf rütteln und anmotzen könnte: „Geh rüber und beschwer dich!“
Stattdessen kramt sie in ihrer Nachtischschublade und sucht nach der Schachtel Oropax. Komisch, denkt sie, während sie sich hermetisch vom Rest der Welt abschirmt: Dabei haben die kleinen Arschrampen bei ihrem Einzug noch so harmlos ausgesehen wie die Stubenbesen …!

Einige Stunden später schreckt Alberta aus unruhigem Schlaf hoch: Weltuntergang!
Die rosa Geräuschabdichter hängen ihr auf Halbmast aus den Ohren, ihr Haar hat sich elektrisiert aufgestellt. Mit schreckensweiten Augen starrt sie ins Dunkel, wo gutturale Rülpsgesänge und entfesselte Falsetts, die geradewegs aus der Hölle zu kommen scheinen, durch die Wand dringen.
Es klingt, als habe jemand Hyronismus-Bosch-Bilder vertont: Bands wie „Freitod“ und „Luzifers Order“ brüllen ihre Harmageddon - Fantasien ins Mikro.
Mit zitternder Hand tastet Alberta zum Lichtschalter.
Nachdem sie sich vergewissert hat, dass die Welt nicht untergeht, sondern nebenan nur akustisch eine schwarze Messe zelebriert wird, schiebt sie energisch ihr Deckbett zur Seite. Um vier Uhr früh „Zeit des Gemetzels“ anhören zu müssen, ist nun wirklich zu viel!

Sie mus erstmal runterkommen - und ausgiebig frühstücken: Mit klassischer Musik auf den malträtierten Ohren!
In der Küche inspiziert sie den Inhalt ihres Kühlschranks. Alberta braucht jetzt Nahrhaftes!
Vor ihrer Haustür okkupieren Jugendliche den Flur, dort scheint einiges außer Kontrolle zu geraten: Der Geräuschkulisse nach sind alle ordentlich abgefüllt … vermutlich will man sich auf der Flurtreppe ein paar Stellungen aus dem Komasutra beibringen ...
Schrille Mädchenstimmen kreischen Unflätiges und erweisen sich als nicht beischlafkompatibel. Einige Möchtegern-Hulks lassen daraufhin ihren Frust an den Briefkästen aus.
Alberta sieht zur Küchenuhr: Morgens, halb fünf, in Deutschland ...
Auch die letzten Gäste verlassen die Wirkungsstätte des Grauens, nebenan läuft die Musik im Endlosmodus.

Nachdem Alberta geduscht und sich angezogen hat, startet sie einen Rundruf bei ihren Nachbarn – mit Ausnahme der Neuen nebenan. Die Gespräche sind kurz, man lacht und ist sich schnell einig.
Versonnen steht Alberta anschließend vor ihrer Stereo-Anlage und durchforstet ihre CD-Sammlung. Dort findet sie jedoch nicht das Richtige. Sie kramt so lange in Schubladen, bis sie einen Fund herauszieht, die ihr sichtlich gefällt: Ein spitzbübisches Lächeln umspielt ihre Lippen, als sie die CD der „Oberkrainer Volksmusikanten“ auflegt, auf „maximale Lautstärke“ einstellt und auf „endlos“ drückt ...

Eligst ergreift sie Tasche und Mantel und verlässt ihre Wohnung – um an der Wohnungstür der jungen Feierfreunde Sturm zu klingeln.
Keine Reaktion. Vermutlich ist man inzwischen mit dem Kopf in der Kloschüssel oder im Kartoffelsalat eingenickt ...
Alberta klingelt zuversichtlich weiter. Nach einer Weile ist drinnen Gepolter zu hören, dann wildes Fluchen und Flaschenklirren.
Als Alberta auf die andere Hand wechselt, weil ihr Klingelfinger einzuschlafen droht, wird die Tür aufgerissen:" Ey, was soll der Scheiß, Mann?!"
Ein junger Kerl in Unterhosen und verwahrloster Frisur starrt sie feindselig an.
"Schönen guten Morgen", flötet Alberta.
Der Bursche kratzt sich die zerstauste Mähne und kneift seine Augen vor dem grellen Flurlicht zusammen: "Und ...?"
"Ich wollte nur, dass Sie Bescheid wissen: Ich bin jetzt mal wech!" Albertas Mundwinkel meyseln einen ältere-Damen-Charme.
Der Ungekämmte stützt seinen tätowierten Arm am Türrahmen ab: "Und, was geht mich das an, ey?"
"Na, Sie haben mich doch die letzten vierundzwanzig Stunden so nett an Ihrem Leben teilhaben lassen … da wollte ich mich jetzt mal revanchieren und Sie auch mal unterhalten. Leider ist meine Anlage schon etwas älter und hat nicht so tolle Bässe wie Ihre – aber schön laut ist sie auch ...

Verdutzt horcht der Unrasierte in den Flur. Aus Albertas Wohnung trompeten, posaunen und jodeln die Oberkrainer Volksmusikanten, dass die Fliesen im Flur vibrieren.
Alberta lächelt verzückt: „Schön, nicht? Da wird man doch gleich frisch und munter am Morgen! Ach, apropos: An Ihrer Stelle würde ich gar nicht erst versuchen, zu schlafen. Gleich fängt der Herr Schröder über ihnen an: Zu bohren. Der renoviert so gerne …
Nur die Frau Schröder, die ist leider so lärmempfindlich. Sie schreit immer so. Die Demenz, wissen Sie ... Deshalb will er sie gleich zu Ihnen bringen. Sie sind ja noch jung und mögen bizarre Geräusche, wie wir heut Nacht hören konnten ...
Auch Ihre Nachbarin, links neben Ihnen, will Sie besuchen: Ihre vier Kinder sind schon ganz wild auf Sie - bei Ihnen dürfen sie sicher schön laut und krawallig spielen ...
Apropos Geräusche: Ist das ihr Auto, das immer so laut aufheult, wenn Sie Gas geben? Sind Sie doch so nett und fahren unseren Opa Specht aus dem ersten Stock um zehn Uhr zu seinem Arzttermin. Ich mach` das ja sonst, aber heute kann ich leider nicht - ich hab` einen Termin zur Massage: Leider schlafe ich in letzter Zeit so schlecht ...
Ach, noch etwas: Legen Sie etwas Zeitungspapier auf Ihren Beifahrersitz. Sicherheitshalber. Opa Specht könnte ein klitzekleines bisschen auslaufen, falls die Fahrt zu rasant wird, Sie wissen schon:Inkontinenz …!“
Alberta lächelt wie die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch.
„Ach, Sie ahnen ja nicht, junger Mann, wie wir uns hier alle darauf freuen, Sie jetzt auch Tag und Nacht an unserem Leben teilhaben zu lassen …!“

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